Start News Glyphosat – ein weiteres Gift in unserer Ernährung

Glyphosat – ein weiteres Gift in unserer Ernährung

TEILEN

Unsere Nahrung wird immer giftiger. Fipronil, Glyphosat – fast täglich hört man in den Medien von neuen Skandalen, Erkenntnissen bzw. Gefahren oder zukünftigen Abstimmungen auf den verschiedensten politischen Ebenen.

Gerade jetzt im Herbst steht auf EU-Ebene die Abstimmung bevor, ob Glyphosat in der EU weiter zugelassen wird. Frankreich hat bereits angekündigt, bei dieser Abstimmung gegen die weitere Zulassung von Glyphosat zu stimmen. Österreich hat angekündigt, gegen eine erneute Zulassung zu stimmen.

Glyphosat 

Glyphosat wurde 1950 von Henri Martin erstmals synthetisiert. Der Agrarkonzern Monsanto testete ursprünglich in den 1960er Jahren verschiedenste Verbindungen zur Wasserenthärtung. Bei Tests zur Eignung als Herbizid fielen dabei manche Verbindungen positiv auf und Monsanto ließ Glyphosat 1971 als Herbizid patentieren. Schon 1974 kam die Substanz in Form des Mittels „Roundup“ auf den Markt. Bis 1990 wurde Glyphosat primär zur Unkrautbekämpfung vor der Aussaat genutzt. Durch genetische Veränderungen von Nutzpflanzen – diese weisen eine Glyphosatresistenz auf – konnte von da an auch während des gesamten Pflanzenwachstums das Herbizid eingesetzt werden. Derzeit ist Glyphosat weltweit das mit Abstand am meisten eingesetzte Herbizid.

Wirkungsweise

Biochemisch betrachtet blockiert Glyphosat ein Enzym bei Pflanzen und bei den meisten Mikroorganismen, welches für die Synthese von notwendigen Aminosäuren notwendig ist. Ohne diese stirbt der Organismus ab. Dieses Enzym kommt nur bei Pflanzen, Pilzen und Mikroorganismen vor, weshalb von einer geringen Toxizität von Glyphosat für Tiere ausgegangen wurde. Natürlich wurde die Wirkung auf Nichtzielorganismen umfangreich von den verschiedensten Großorganisationen wie EU, WHO, etc. getestet. In erster Instanz wurden dabei keine Gesundheitsrisiken festgestellt. NGOs wie Greenpeace vertraten von Anfang an den Standpunkt, dass Glyphosat erhebliche Risiken für Mensch und Umwelt berge. Seither erschienen viele Arbeiten bezüglich der Toxizität von Glyphosat, die diese sowohl belegen als auch widerlegen. Erwähnt werden muss aber, dass in etwa gut die Hälfte aller veröffentlichten Studien von den Herbizidherstellern selbst in Auftrag gegeben worden sind. Es verwundert diesbezüglich nicht, dass diese Studien natürlich unterstreichen, dass keine Gefahr von Glyphosat ausgeht. 2015 schließlich stufte die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) der WHO Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend“ und als DNA-schädigend ein. Und Stoffe, die die DNA schädigen, stellen auch in geringer Dosis ein Risiko dar. So müssen aktuelle Untersuchungen, wie etwa der Glyphosatgehalt in österreichichen Bieren, ganz anders bewertet werden.

Belastung durch Glyphosat

GLOBAL 2000 testete 2017 neun österreichische Biersorten, wobei in vier davon Glyphosat nachgewiesen wurde. Zwar bewegten sich die Werte nur knapp über der Nachweisgrenze von 2 μg/l, nichtsdestotrotz verdeutlichen solche Untersuchungen, dass man heutzutage Glyphosat überall antrifft. Doch nicht nur in Bier finden sich Rückstände von Glyphosat. Konsumenten werden auch durch Rückstände in anderen Alltagsprodukten belastet. In Getreideprodukten wie Brot, in Wein oder sogar in Gesundheitsprodukten wie Tampons wurde in der Vergangenheit Glyphosat gefunden. Bedenkt man die Menge von 300 Tonnen Glyphosat, die jährlich in Österreich eingesetzt wird, muss jedem klar sein, dass es zu einer gewissen Hintergrundbelastung kommen kann. Selbst Getreide, welches nicht mit Glyphosat behandelt wurde, kann Rückstände von diesem aufweisen. Dies gilt natürlich auch für viele andere Naturprodukte wie etwa Honig.

Eine solche unwissentliche allgegenwärtige Belastung wird Konsequenzen haben, die beim derzeitigen Wissensstand nicht abzuschätzen sind. Dies und das Problem Glyphosat-freie Lebensmittel zu erzeugen, spricht nach Meinung des Österreichischen Tierschutzvereins klar für ein Verbot von Glyphosat.

Internationale Probleme

In Anbetracht der in Österreich vorherrschenden Belastungen, können wir uns derzeit allerdings noch glücklich schätzen. In Argentinien, wo wie in den USA vor allem genveränderte Pflanzen angebaut werden und auf einen massiven Chemieeinsatz gesetzt wird, treten gehäuft Probleme durch den enormen Pestizideinsatz auf. 60 % der landwirtschaftlichen Flächen Argentiniens werden für den Sojaanbau genutzt. Waren 1996 noch drei Liter Pestizide pro Hektar üblich, so steigerte sich der Bedarf bis 2012 auf das Vierfache. Das Viertel Ituzaingó Anexo der Stadt Cordoba ist fast vollständig von Sojafeldern umgeben. Insofern verwundert es nicht, dass im Vergleich zum argentinischen Durchschnitt dort die Wahrscheinlichkeit an Krebs zu erkranken 41-mal höher liegt. Schnell kam der Verdacht auf, dass die Pflanzenschutzmittel die Ursache dafür sind. 2012 wurden sogar ein Pilot und zwei Sojaproduzenten vor Gericht verurteilt, da sie zu nahe an Siedlungsgebieten Pestizide versprüht hatten.

Anstehende Nationalratswahlen

Am 15. Oktober finden in Österreich wieder Nationalratswahlen statt. Jeder Wähler sollte sich dabei überlegen, welchen Parteien es zu verdanken ist, dass Österreich gegen eine erneute Zulassung auf EU-Ebene stimmt. Denn eine Veränderung der derzeitigen Problematik um Glyphosat fängt bei der eigenen Stimme bei dieser Wahl an. Und hoffen wir, dass die EU zu dem Schluss kommt Glyphosat nicht erneut zuzulassen.