Singvogelfang

Tierquälerisches Weltkulturerbe

Noch immer wird im Salzkammergut das tierquälerische Hobby des Singvogelfanges betrieben. Die Tiere werden mit Netzfallen gefangen, in engen Käfigen eingesperrt und schließlich auf Ausstellungen hergezeigt. Gegen Ende der Winterzeit werden die Tiere dann meist wieder freigelassen. Aktuelle Gutachten zeigen, dass man den Singvogelfang nicht umsonst als Tierquälerei bezeichnet.

Eine Vogelfalle Eine Vogelfalle


So stehen die Vögel nicht nur beim Fang, sondern während ihrer gesamten Gefangenschaft unter enormen Stress und schwerer Angst. Auch die spätere Freilassung vermag das Treiben nicht zu rechtfertigen, da die meisten Tiere die wieder gewonnene Freiheit nicht lange genießen können.
Zu sehr sind sie nach den Monaten der Gefangenschaft der Natur entfremdet und zu schlecht ist ihre Flugkondition. Sie werden rasch Opfer von Fressfeinden.

 

Gesetzliche Lage

Mit gutem Grund haben daher die meisten Bundesländer ein Fangverbot verhängt. Der Fall des Salzburger Teiles des Salzkammergutes landete sogar vor dem Verwaltungsgerichtshof, der dem Vogelfang die Brauchtumseigenschaft deutlich absprach. Einzig im Oberösterreichischen Salzkammergut wird bislang noch legal gefangen, genauer gesagt in den Bezirken Gmunden, Vöcklabruck und Wels-Land. Die bisher ausgesprochen unglückliche Rechtslage hat die Aufrechterhaltung dieser unsinnigen und unnützen Tradition ermöglicht. Denn bislang waren sowohl Artenschutz als auch Tierschutz Landessache, die Länder konnten daher im Rahmen ihrer Kompetenz unterschiedliche Regelungen treffen.

Gefangene Vögel in einer Voliere Gefangene Vögel in einer Voliere

Seit 1.1.2005 ist jedoch das Bundestierschutzgesetz in Kraft, Tierschutz wurde hiermit zur Bundeskompetenz erhoben. Im neuen Bundestierschutzgesetz gibt es zahlreiche Bestimmungen, die in Richtung eines bundesweiten Singvogelfangverbotes interpretiert werden können. So normiert §5 Abs.1 Bundestierschutzgesetz, dass es verboten ist, einem Tier ungerechtfertigt Schmerzen, Leiden oder Schäden zuzufügen oder es in schwere Angst zu versetzen. Aus jüngsten Gutachten ergibt sich jedoch eindeutig, dass Tiere beim Fang in schwere Angst versetzt werden, also der Tatbestand der Tierquälerei erfüllt ist. Ferner normiert §16 Bundestierschutzgesetz, dass einem Tier die Bewegungsfreiheit nicht soweit eingeschränkt werden darf, dass dem Tier dadurch Schmerzen, Leiden oder Schäden zugefügt werden oder es in schwere Angst versetzt wird. Auch hier sprechen die erwähnten Gutachten eine deutliche Sprache, denn die gefangenen Vögel leiden enorm unter der ungewohnten Nähe zum Menschen und den extrem beengten Behausungen.

Rotkehlchen galten den Kelten und Germanen als heilig. Für sie forderte ein Rotkehlchen im Käfig den Zorn der Götter heraus. Rotkehlchen galten den Kelten und Germanen als heilig. Für sie forderte ein Rotkehlchen im Käfig den Zorn der Götter heraus.

Neben diesen beiden Bestimmungen im Bundestierschutzgesetz ist jedoch auch noch der §2 der Veranstaltungsverordnung zum Bundestierschutzgesetz zu beachten. Die zitierte Gesetzesstelle verbietet das Ausstellen von Wildfängen, darunter auch Singvögel. Dies bewirkt nach Ansicht des Rechtsexperten des Österreichischen Tierschutzvereins ebenfalls ein Verbot des Singvogelfanges. Gemäß §29 Abs.1 Z 5 des Oberösterreichischen Naturschutzgesetzes ist nämlich die Entnahme einzelner Exemplare von Wildtieren nur dann zulässig, wenn es sonstige öffentliche oder private Zwecke gibt und keine anderwärtige zufriedenstellende Lösung gefunden werden kann. Der einzig vorstellbare private Zweck, der zur Erteilung einer Bewilligung gemäß §29 Abs.1 Z 5 führen kann ist - bei richtiger Gesetzesauslegung - der Zweck der Brauchtumspflege und Ausstellung. Eben jene Brauchtumseigenschaft hat der Verwaltungsgerichtshof dem Singvogelfang jedoch abgesprochen. Somit ist - nach Ansicht des Österreichischen Tierschutzvereins - der Singvogelfang in Österreich jedenfalls verboten.

 

Fichtenkreuzschnabel Fichtenkreuzschnabel

Was tun wir?

Bereits seit Längerem korrespondiert der Österreichische Tierschutzverein ausführlich mit Ämtern und Behörden, um eine Abschaffung der Tierquälerei zu erlangen.

Das obig erwähnte de Fakto-Verbot des Singvogelfanges wollte die ehemalige Bundesministerin Rauch-Kallat aufheben. Ursprünglich plante sie, nur ein knappes Jahr nach Veröffentlichung der Verordnung, eine Ausnahme für das Ausstellen von Singvögeln. Doch die Ankündigung der geplanten Änderung glich dem Stich in ein Wespennest. 45 Tierschutzorganisationen, die neuen Tierschutzombudsleute, der gesamte Tierschutzrat und über 50 Wissenschaftler und Prominente protestierten eindringlich und setzten mediale Aktionen, um auf diesen Skandal hinzuweisen. Natürlich war auch der Österreichische Tierschutzverein führend daran beteiligt und forderte sogar mehrmals den Rücktritt der Frau Bundesminister. Ein solches Verhalten ist unserer Auffassung nach einer "Tierschutzministerin" nicht würdig.

Die massiven Proteste zeigten jedoch schließlich Wirkung und so wurde kurz darauf verkündet, dass vom geplanten Änderungsvorhaben Abstand genommen werde. Es ist daher davon auszugehen, dass der Singvogelfang nunmehr (nach dem Tierschutzgesetz) illegal ist. Der damalige Naturschutzlandesrat DI Haider ließ die Rechtlage jedoch nochmals durch den Verfassungsdienst überprüfen. Die Prüfung ergab, dass die naturschutzrechtliche Bewilligung ausgestellt werden müsse, die tierschutzrechtliche Seite gesondert zu beachten sei. Somit ergibt sich die kuriose Situation, dass der Fang nach dem Naturschutzrecht bewilligt wurde, aber nach dem Tierschutzgesetz als Tierquälerei strafbar ist. Aus diesem Grund machen seit Beginn der neuen Fangsaison Tierschützer "Jagd" auf Vogelfänger. Ertappte werden fotografiert und zur Anzeige gebracht.

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