Start Allgemein Fragen an eine Imkerin: Wie stoppen wir das Bienensterben?

Fragen an eine Imkerin: Wie stoppen wir das Bienensterben?

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Das weltweite Bienensterben spitzt sich weiter zu. Die westliche Honigbiene ist besonders stark betroffen, aber auch Wildbienen und Hummelarten verschwinden allmählich von der Bildfläche. Mit seiner Aufklärungskampagne #Bienensterbenretten informiert der Österreichische Tierschutzverein über die enorme Bedeutung der Biene für Mensch, Tier und Natur – und sagt dem Bienensterben den Kampf an. Auch Salzburgs „Stadtimkerin“ Karoline Greimel ist überzeugt: Bienen retten kann jeder!

Auf ihrer Dachterrasse, inmitten der Stadt Salzburg, begann Karoline Greimel Bienen zu halten. Heute schenkt sie in ihrem Garten fast einer Million Bienen ein Zuhause.

ÖTV: Frau Greimel, Sie sind Bio-Imkerin und Gründerin der Stadtimkerei Greimel. Wann haben Sie Ihre Leidenschaft für die Imkerei entdeckt?

Karoline Greimel: Vor 15 Jahren bin ich als klinische Psychologin für einen Forschungsaufenthalt nach Amerika gereist. Dort habe ich Bekanntschaft mit den Stadtbienen gemacht, die ganz oben auf den Hochhäusern von New York gehalten wurden. Da habe ich sofort gewusst: Bienen sind meine Tiere! Das sind unglaublich spannende Lebewesen – durch Bienen kriegt man einen ganz anderen Blick auf die Natur.

Haben Sie danach sofort mit der Bienenzucht begonnen?

Ja. Nach meiner Rückkehr bin ich in die Steiermark gefahren, wo ich herkomme, und habe mein erstes Carnica-Volk gekauft. Den Bienenstock habe ich auf meine Dachterrasse gestellt. So sollte man es aber eigentlich nicht machen.

Was raten Sie Imker-Neulingen stattdessen? Benötigt man eine Lizenz, um Bienen zu züchten?

Eine Lizenz ist nicht nötig, aber wenn man sich nicht auskennt, wird man an diesen tollen Tieren keine große Freude haben. Deshalb rate ich jedem Interessenten, zuerst eine Fortbildung zu besuchen, wie sie zum Beispiel der Imkerhof Salzburg anbietet. In diesen drei, vier Stunden kann man schauen, ob die Imkerei wirklich zu einem passt. Hilfreich ist auch, sich einen erfahrenen Paten zu suchen, an den man sich mit Fragen wenden kann. Ich selbst habe mich entschieden, eine dreijährige Fachschule zu besuchen – das ist aber nicht zwingend nötig.

Ist die Bienenzucht denn ein teures Hobby?

Ein Bienenvolk kostet zwischen 150 und 200 Euro. Für die Grundausstattung – Imkeranzug, minimales Werkzeug und Behausung der Bienen (Beuten, Anmerkung der Redaktion), sollte man mit 500 bis 1.000 Euro rechnen.

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Karoline Greimels Garten ist ein Bienenparadies – ihre Pflanzen dürfen nach Herzenslust wachsen.

Wie viel Zeit investieren Sie in Ihre Bienen?

Das hängt stark von der Jahreszeit ab. Im Frühling schlüpfen täglich um die 2.000 Bienen pro Bienenstock. Da muss ich den Stock entsprechend erweitern, sonst wird es ihnen zu eng – dann schwärmen sie aus und weg sind sie. Ende Mai, Juni ist schwerste Honigernte, danach kommt die ruhige Zeit, da brauchen sie mich nicht.

Wie funktioniert das Zusammenleben in so einem Bienenstock?

Auch das ist faszinierend: 50.000 Individuen leben in einem Bienenstock– und es klappt hervorragend. Eine Biene lebt etwa sechs Wochen. In dieser Zeit geht sie alle Berufe durch. Wenn sie schlüpft, ist sie eine Putzerbiene und putzt die Zellen. Danach ist sie Ammenbiene und füttert die anderen. Irgendwann wird sie zur Wächterbiene und bewacht das Flugloch. Erst ganz zum Schluss wird sie zur Sammlerbiene. Um das Pollensammeln kümmern sich also die Seniorinnen – das hat die Natur toll eingerichtet, weil die Gefahr draußen am größten ist. Der Rest ist im Stock mit Brutpflege, Wabenbau und der Einlagerung des Honigs beschäftigt.

Welche Ursachen gibt es Ihrer Meinung nach für das Bienensterben?

Zum einen die Varroamilbe – dagegen muss man wirklich etwas tun und die Bienen ständig auf einen möglichen Befall kontrollieren. Zum anderen halte ich Pflanzengifte wie Glyphosat und Neonicotinoide – die ja zum Glück zumindest teilweise verboten wurden – für ganz fatal. Die Bienen werden verhaltensgestört, verlieren die Orientierung und finden so nicht mehr zu ihrem Bienenstock zurück.

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Pflanzengifte wie Neonicotinoide und Glyphosat hält die Imkerin für fatal.

Was kann man als Tierfreund tun, um die Bienen zu unterstützen?

Auf glatte Rasenflächen verzichten und den Garten leben lassen. Gerade die kleinen, unscheinbaren Pflanzen und das sogenannte Unkraut sind für Insekten so wichtig. Wenn man keinen Garten hat, kann man am Balkon oder am Fensterbrett Blumen pflanzen.

Stimmt es, dass Bienen in der Stadt oft auf bessere Voraussetzungen stoßen, als am Land?

In der Stadt gibt es Kleingärten und eine große Blütenvielfalt, kaum Monokulturen und weniger Pestizide. Deshalb können Bienen in Städten oft besser leben, als am Land.

Was würde passieren, wenn die Bienen aussterben?

Bienen gehören zu den wichtigsten Bestäubern überhaupt. Das Aussterben der Bienen hätte enorme Konsequenzen für unsere Natur und unsere Nahrungsvielfalt. Leider wird die Biene immer noch hauptsächlich als Honiglieferantin wahrgenommen – diese wichtige Bestäubungsfunktion ist den Leuten oft noch viel zu wenig bewusst.

Mehr Infos zu den Salzburger „Stadtbienen“ finden Sie unter www.stadtimkerei-greimel.at.

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„Bienen sind meine Tiere“, sagt Karoline Greimel (im Bild).

#Bienensterbenretten

Ein Beitrag im Rahmen der Aufklärungskampagne #Bienensterbenretten des Österreichischen Tierschutzvereins

Wir sind davon überzeugt: Mit kleinen Veränderungen kann jeder dazu beitragen, unsere Bienen zu retten!