Start Allgemein Lebendrupf und Stopfmast: Das Leiden der Martinigänse

Lebendrupf und Stopfmast: Das Leiden der Martinigänse

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Für viele Österreicher gehört das traditionelle Martinigansl zum Herbst, wie Kürbissuppe und Kastanien. Alle Jahre wieder schießt der Absatz von Gänsefleisch im Oktober und November rasant in die Höhe. Das Problem: Über achtzig Prozent der Gänse, die hierzulande verzehrt werden, stammen aus ausländischen Gänsemastbetrieben. Deren grausame und skrupellose Vorgangsweise ist weit entfernt von unseren heimischen Qualitäts- und Produktionsstandards und wäre in Österreich definitiv illegal. Dabei liegt es vor allem beim einzelnen Konsumenten, der tierquälerischen Gänsemast ein Ende zu setzen. Der Österreichische Tierschutzverein klärt auf.

Das Martinigansl-Essen erfreut sich bei vielen Österreichern großer Beliebtheit. Traditionellerweise wird damit der Martinstag am 11. November gefeiert.  Gemeinsam mit den Liebsten versammelt man sich zu Gänsebraten mit Rotkraut, Maroni und Knödel um den Tisch – ohne zu ahnen, was man da eigentlich zu sich nimmt: Fleisch in minderwertiger Qualität, dessen Produktion auf furchtbarem Tierleid basiert.

Käfighaltung auf Gitterdrähten

Achtzig Prozent der in Österreich konsumierten Martinigänse werden aus Frankreich, Ungarn und Polen in Gastronomie und Handel importiert. Ihr Dasein fristen die Tiere in körperengen Käfigen oder intensiver Bodenhaltung unter grausamsten Bedingungen: Auslauf oder Wasserzugang kennen sie nicht, was für Wasservögel besonders qualvoll und widernatürlich ist. Auf das Ausmisten der Käfige wird in den Mastbetrieben verzichtet, da die Fäkalien der Tiere sonst durch die Gitterdrähte gelangen. Diese Gitterdrähte sind es wiederum, die sich in die Füße der Tiere schneiden und sie somit wund werden lassen. Durch den massiven Platzmangel im Käfig kommt es nicht selten zu Flügelbrüchen.

Zwangsfütterung durch Metallrohr

Die „Foie gras“, im Deutschen Stopfleber, ist eine beliebte Delikatesse. Fraglich ist, ob sie sich genauso großer Beliebtheit erfreuen würde, wenn die Konsumenten wüssten, was sie da tatsächlich „genießen“. Für die Produktion der Stopfleber werden die Gänse bis zu 6 Mal täglich zwangsgefüttert – über einen Zeitraum von 21 qualvollen Tagen. Dazu wird ihnen ein langes Metallrohr in den Hals gestoßen, durch das rund ein Kilogramm Maisbrei und Schweinefett in den Magen der Tiere gepumpt wird. Kombiniert mit dem massiven Bewegungsmangel führt die Methode innerhalb kürzester Zeit dazu, dass die Leber auf das Zehnfache der natürlichen Größe anschwillt. Spezielle Maschinen ermöglichen die Zwangsfütterung von bis zu 400 Tieren pro Stunde.

Atem- und Erstickungszustände

Ihre kurze Lebenszeit verbringen die Tiere ausschließlich hinter Gittern. Schlussendlich sind sie aufgrund ihres hohen Fettgehalts nicht mehr in der Lage zu gehen, da sie ihr eigenes Körpergewicht nicht mehr stemmen können. Atem- und Erstickungszustände durch Überfettung, massive Halsverletzungen und Knochenbrüche, Infektionen der Speiseröhre sowie Viren- und Pilzbefall stehen in Mastbetrieben an der Tagesordnung und werden von den Betreibern aus Profitgier in Kauf genommen. Durch die Zwangsfütterung ist die Sterberate der Mastgänse bis zu zwanzig Mal höher, als in anderen Tierfabriken.

Weibliche Küken werden geschreddert

Da die weiblichen Küken weniger schnell Fett ansetzen, als ihre männlichen Artgenossen, werden sie für die Produktion der Stopfleber nicht benötigt und bereits wenige Stunden nach der Geburt geschreddert.

Lebendrupf für die Daunenproduktion

Als wäre das Martyrium der Mastgänse noch nicht groß genug, werden sie neben der Mast oft auch noch für die Daunenproduktion missbraucht. Um möglichst viele Daunen zu ergattern, werden die Tiere wiederholt bei lebendigem Leib gerupft – die Federn werden ihnen entweder maschinell oder mit bloßen Händen aus der Haut gerissen. Danach weisen die gebeutelten Tiere schmerzhafte Wunden auf, die – wenn überhaupt – provisorisch und ohne jegliche Betäubung (!) genäht werden.

Gänsemast verstößt gegen EU-Richtlinie

Die EU-Richtlinie 98/58CE besagt, dass „die Art des Fütterns und Tränkens keine unnötigen Leiden oder Schäden für die Tiere verursachen darf“. Dennoch gestattet die aktuelle Gesetzeslage den Import und den Verkauf gequälter Mastgänse innerhalb der EU.

In Österreich ist die Produktion von Stopfleber verboten, wodurch Tierleid jedoch nicht vermieden, sondern lediglich in andere Länder verschoben wird. Mehrere prominente Küchenchefs haben die Foie Gras aus Tierschutzgründen bereits von der Karte verbannt, dennoch wird die „Delikatesse“ immer noch viel zu oft konsumiert.

Martini-Braten sorgt für großes Tierleid

Auch wenn auf den Verzehr der Stopfleber verzichtet wird, sorgt der Kauf des Martini-Bratens für großes Tierleid, denn auch diese Tiere werden skrupellos gestopft und bei lebendigem Leib gerupft. Wenn Sie wirklich nicht komplett auf Ihren Martini-Braten verzichten möchten, beachten Sie bitte unbedingt dessen Herkunft.

Im Restaurant: Scheuen Sie nicht davor zurück, nachzufragen, ob das Gänsefleisch aus einem regionalen Betrieb stammt oder aus dem Supermarkt. Im Zweifelsfall sollte auf den Fleischkonsum verzichtet werden. Österreichische Weidegansbetriebe in Salzburg, Oberösterreich, der Steiermark, Kärnten, dem Mostviertel und dem Burgenland beliefern ausgewählte Restaurants, die sie auf weidegans.at aufgelistet finden.

Beim Einkauf: Biofleisch von Weidegänsen oder Tieren, die aus Freilandhaltung stammen, wird meist im Ganzen verkauft. Gänseteile, wie etwa Keule oder Brust aus dem Supermarkt, stammen höchstwahrscheinlich von Mastgänsen. Die Gänseteile sind dann quasi jene Abfallprodukte, die bei der Produktion der Stopfleber entstehen.

Veganes Martinifest: Schützen Sie die Gänse!

Schon mal daran gedacht, ein veganes Martinibraten-Essen zu auszurichten? Vegane Ernährung bedeutet alles andere als Verzicht und eröffnet vielfältige neue Geschmackserlebnisse. Vielleicht können Sie ja auch Ihre Lieben dazu animieren, die Qualen der Mastgänse nicht mehr länger zu unterstützen.

Rezept für einen veganen Martinibraten

Zutaten für vier Personen:

  • 500 Gramm Geflügelersatz oder veganen Festtagsbraten
  • 8 Dörrpflaumen
  • 2 Äpfel
  • 2 Esslöffel Agavendicksaft
  • 2 Teelöffel Preiselbeermarmelade
  • frischer Thymian
  • 1 Zwiebel
  • 2-4 Esslöffel Sojasoße
  • 1 Schuss Rotwein
  • Salz und Pfeffer je nach Belieben

So funktioniert’s:

Vermengen Sie den Agavendicksaft, die Preiselbeermarmelade, den Rotwein und die Sojasoße mit einigen Thymiannadeln in einer Schüssel. Im Anschluss legen Sie den veganen Braten bzw. den Geflügelersatz für etwa 40 Minuten in die Soße ein.

Heizen Sie den Ofen auf 175 Grad vor. Jetzt haben Sie genügend Zeit, die Äpfel, die Dörrpflaumen und die Zwiebel in kleine Stücke zu schneiden und alles in eine Bratform zu geben. Den veganen Braten mit der Soße können Sie nun dazugeben. Salz und Pfeffer nach Belieben hinzufügen und das Gericht 30 Minuten im Ofen rösten. Nach der Halbzeit bitte wenden und gegebenenfalls noch mit Thymian nachwürzen. Dazu empfehlen wir traditionellerweise Semmelknödel und Rotkraut. Wir wünschen einen guten Appetit!