Start Allgemein Nein zum Bienensterben – retten wir unsere Bienen!

Nein zum Bienensterben – retten wir unsere Bienen!

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“Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, kein Mensch mehr.” Albert Einstein

Helfen wir unseren Bienen! Damit sind nicht nur unsere fleißigen Honigbienen gemeint, sondern auch Wildbienenarten und Hummeln. Sie alle bestäuben einen Großteil unserer heimischen Flora. Bei optimalen Verhältnissen kann ein Bienenvolk pro Tag bis zu 300 Millionen Blüten bestäuben. Sterben die Bienen aus, bräuchte man etwa 1500 Arbeiter um eine ähnliche Leistung zu vollbringen. Von knapp 100 Kulturpflanzen die mit nahezu 90 Prozent der globalen Nahrungsmittelerzeugung in Verbindung stehen, werden ungefähr 70 Prozent nur von Bienen bestäubt.

Was geschehen kann, zeigt ein dramatisches Beispiel in China. Eines der wichtigsten Obstanbaugebiet des Landes – Sichuan – ist quasi vogel- und insektenfrei. Dort fliegt seit knapp einem Vierteljahrhundert keine Biene mehr. Mao Zedong veranlasste, alle Spatzen in diesem Gebiet zu beseitigen, damit die Nahrungsversorgung im Reich der Mitte gesichert sei. Doch das Fehlen der insektenvertilgenden Vögel verursachte eine enorme Insektenplage, die nur noch mit einem massiven Chemieeinsatz unter Kontrolle gebracht werden konnte. Diese führte letztendlich dazu, dass heute im besagten Großgebiet keine Biene mehr summt und die Bevölkerung mühselig Blüten selber bestäuben müssen.

Was heißt „Bienensterben“?

Bienensterben bezeichnet den starken Verlust von Bienenstaaten der Westlichen Honigbiene über die Winterzeit. Solche Verluste gab es zwar schon immer, aber nicht in dem hohen Maß, wie sie heutzutage zu beobachten sind.

Eine schreckliche Entwicklung: Ohne Bienen würde rund ein Drittel aller Lebensmittel wegfallen. Viele Obst- und Gemüsesorten würden damit zu Luxusgütern. Einerseits müssten alle betroffenen Nutzpflanzen alternativ bestäubt werden – ein teures Unterfangen! – andererseits würden von den derzeit bestehenden 380.000 Pflanzenarten etwa 20 bis 40 % verschwinden. Dieser massive Rückgang an pflanzlicher Biodiversität hätte auch einen ähnlich massiven Verlust an Tierarten zur Folge.

Warum sterben die Bienen?

Man geht davon aus, dass nicht eine Ursache allein für diese Ereignisse verantwortlich ist, sondern vermutlich ein Zusammenspiel aus dem Einsatz von Pestiziden, Viruskrankheiten, der Ausbreitung der Varroamilbe und der Klimaerwärmung.

Die Varroamilbe

Ein großes Problem für Bienenkulturen ist die Varroamilbe, die ursprünglich aus Asien stammt. Diese saugt am Blut der Bienen – mit schlimmen Folgen. So weisen befallene Bienen eine deutlich kürzere Lebenserwartung und eine schlechtere Lernleistung auf. Manche können gar nicht mehr zum Bienenstock zurückkehren. Weiters überträgt die Varroamilbe diverse Viren, die die Eiweißproduktion in den Zellen der Bienen stören und die Bienen damit zum Tode verurteilen. Bienenvölker in Mitteleuropa kollabieren oft innerhalb von drei bis vier Jahren nach der Infektion mit der Varroamilbe.

Die moderne Landwirtschaft

Die Landwirtschaft entwickelte sich immer mehr von der naturnahen zu einer intensiven, nach Gewinnmaximierung und Kostenminimierung strebenden Bewirtschaftung. Der Einsatz von Pestiziden, Insektiziden und Herbiziden nimmt damit zu und jede Ackerfläche wird bis zu ihren äußersten Grenzen bewirtschaftet. Nicht gewinnbringende Pflanzen werden nicht mehr geduldet. Diese Verringerung der Biodiversität macht unseren Bienen sehr zu schaffen. Verschiedenste Pflanzenschutzmittel schwächen oder tötetn sie gar und zusätzlich verarmt ihr Nahrungsangebot.

Der Klimawandel

Die kontinuierliche Klimaerwärmung macht auch vor Österreich nicht Halt. Fast jährlich fallen alte Hitzerekorde, plötzliche Temperaturänderungen häufen sich und die Winter werden tendenziell milder. Die milden Winter setzen den Bienen insofern zu, als dass diese zu spät in die winterliche Ruhephase übergehen und dann im Frühjahr nicht vollständig ausgeruht wieder „erwachen“. Studien zeigen, dass sich der Frühlingsstart alle zehn Jahre um 2,5 Tage nach vorne verschoben hat. Die Folge: Wenn die ersten Pflanzen zu blühen beginnen, schlafen die Bienen noch – und sind schon am Verblühen, wenn die Bienen mit dem Bestäuben beginnen. Diese verfrühten Blütephasen und extremen Temperaturveränderungen schwächen die Bienen und machen sie anfälliger für Parasiten.

KEIN Gift!

Unabhängig von den zur Verfügung stehenden Mitteln – die erste Devise zum Schutz von Bienen lautet: KEIN GIFT! Egal ob Herbizid, Insektizid oder Pestizid – alle beeinträchtigen die heimische Flora und Fauna. Von manchen Substanzen ist bekannt, dass sie direkt schädlich für Bienen sind, von vielen anderen nimmt man es an. Im Zweifelsfall jedoch verzichtet man besser darauf – zum Wohl der Bienen. Ein weiterer wichtiger Aspekt besteht im Nahrungsangebot. Statt optisch schönen Geranien und Petunien sollten Blumen gepflanzt werden, die Nektar und Pollen für die Bienen bereitstellen, wie etwa Glockenblumen, Katzenminze, Lavendel, Günzel, Salbei oder einfach Küchenkräuter wie Basilikum oder diverse Schnittlauch-Arten. Um den Bienen vom Frühling bis in den Herbst Nahrung zu bieten, pflanzt man sowohl früh als auch spät im Jahr blühende Blumen. Je größer die Vielfalt desto ausgewogener ist ihr Ernährungszustand und desto besser kommen die Bienen über den Winter.

Ein Garten bietet jedoch noch weitere Möglichkeiten Bienen zu unterstützen. Statt Thujen, englischen Rasen und asphaltierte Garageneinfahrten zu verwirklichen, könnte man sich wieder alter Traditionen besinnen und heimische Wildsträucher, Obstbäume und gepflasterte Wege fördern. Ein blühender Apfelbaum beispielweise bietet durch seine Fülle an Blüten mehr Nahrung als es eine extra angelegte Bienenwiese auf wenigen Quadratmetern vermag. Möglichst große Bereiche des Rasens sollten maximal zweimal im Jahr gemäht werden, um diversen Pflanzenarten die Chance zu geben zum Blühen zu kommen. Ein Steinhaufen in der einen Ecke und ein Holzstapel in der anderen erhöht die Versteckmöglichkeiten und hilft nicht nur unseren Bienen, sondern auch den natürlichen Feinden unserer Gartenschädlinge. Wenn dann noch Flächen vorhanden sind, auf denen etwas Unordnung herrschen darf und nicht jedes Unkraut entfernt wird, ist nicht nur den heimischen Bienen sehr geholfen.

Insektenhotel – aber richtig!

Ein Insektenhotel darf natürlich weder auf dem Balkon noch im Garten fehlen und gerade derzeit liegen diese voll im Trend. Doch viele Modelle sind eigentlich gar nicht geeignet. Oft werden Kiefernzapfen, Holzspäne oder Hackschnitzel in solchen Hotels angeboten, deren Nutzen aber für die heimische Insektenfauna nur von geringer Bedeutung sind. Leider dienen die Hotels oft mehr Vögeln als Insekten, da die Insektenlarven aus den Röhrchen gepickt werden können. Dies wird meist durch eine nicht verschlossene Rückwand oder ein zu wenig tiefes Bohrloch verursacht. Generell sollten die Röhrchen mindestens acht Zentimeter lang und die Löcher sechs Zentimeter tief sein. Ein weiterer weit verbreiteter Fehler sind zu groß dimensionierte Bohrlöcher über einem Zentimeter. Denn keine der heimischen Bienenarten benötigt derart große Löcher. Auch auf das angebotene Material muss geachtet werden. Einerseits sollte kein sprödes Material verwendet werden um Verletzungen zu vermeiden und ein sicheres Verpuppen zu gewährleisten, besteht doch bei spröden Materialien das Risiko, dass die Larve bzw. Puppe durch äußere Einwirkungen stirbt. Andererseits werden Modelle aus Übersee leider auch, den Vorschriften entsprechend, mit Pestiziden behandelt, welche sich in weiterer Folge für die Bewohner des Insektenhotels als schädlich herausstellen. Der ideale Standort ist sonnig, wind- und regengeschützt und nach Süden ausgerichtet. Am besten wird das Insektenhotel im Spätsommer bis Herbst angebracht um den Tieren genügend Zeit zu geben es zu finden.

Ist die Motivation Bienen zu helfen noch größer, kann man seinen eigenen Bienenstock im Garten betreuen. Mittlerweile werden schon 1-Tageskurse für Imkerei angeboten. Doch selbst wenn kein Balkon oder Garten zur Verfügung steht, können Sie etwas tun. Im Alltag unterstützt man Bienen, indem man nur regionalen Bio-(Honig)-Produkte kauft oder gar auf solche verzichtet. Für Honig gibt es sogar einen veganen Ersatz, der leicht selbst herzustellen ist: Löwenzahnsirup.