Feldhase OTS (Wien/Stockerau) Am 12. Februar gab es am Assisi-Hof in Stockerau den ersten Feldhasenbaby-Alarm der Saison: Ein Jungtier wurde bei einer Greifvogelattacke schwer verletzt. Die größte Gefahr für die Kleinen ist jetzt jedoch oft der Mensch – viele nehmen scheinbar verlassene Tiere mit und bringen sie so erst in Lebensgefahr. In Österreich gilt der Feldhase laut Roter Liste seit Jahren als potenziell gefährdet. Von Februar bis Oktober bringen Feldhasen ihre Jungen zur Welt. In diesen Monaten liegen tausende Jungtiere scheinbar reglos und allein auf Wiesen, Feldern oder am Waldrand. Viele Menschen glauben, sie müssten sofort helfen – doch genau das wird für die Tiere oft zum Todesurteil. Wann Eingreifen Leben rettet Es gibt klare Situationen, in denen Hilfe notwendig ist: wenn die Mutter tot in unmittelbarer Nähe liegt, das Jungtier verletzt ist, apathisch auf einer Straße liegt oder von Katzen, Hunden oder Greifvögeln attackiert wurde. Auch orientierungslos umherirrende Tiere ohne Scheu vor Menschen brauchen sofortige Hilfe. Dann gilt: nicht zögern, aber richtig handeln. Kontaktieren Sie sofort eine Wildtierauffangstation, einen Tierarzt oder die Tierrettung. Fachleute entscheiden, welche Maßnahmen notwendig sind. Kritischste Phase für Feldhasenbabys Für Feldhasenbabys beginnt jetzt die kritischste Phase ihres Lebens. „Wir appellieren an alle Tierfreunde: Bitte greifen Sie nur ein, wenn echte Gefahr besteht“, sagt Stephanie Lang, Leiterin des Assisi-Hofs in Stockerau. „Unsere Zurückhaltung kann ihr Überleben sichern.“ Allein heißt nicht verlassen Feldhasenmütter verstecken ihre Babys in flachen Mulden im Gras, sogenannten Sassen. Die Jungen ducken sich reglos ins Feld. Sie machen keinen Laut. „Sie haben keinen Eigengeruch. So bleiben sie für Fressfeinde unsichtbar“, weiß Alfred Kofler, Leiter der Tierpflege am Assisi-Hof. Die Mutter kommt nur zweimal täglich zum Säugen zurück. Dazwischen wirkt das Jungtier verlassen – ist es aber nicht. Tierliebe: Gefahr für Feldhasenbabys „Wer ein Feldhasenbaby aufhebt, nimmt ihm seinen natürlichen Schutz“, warnt Tierexperte Alfred Kofler. „Riecht das Junge plötzlich nach Menschen, kann es von Raubtieren leichter gefunden werden. Im schlimmsten Fall erkennt die Mutter es nicht mehr an.“ Gut gemeint kann tödlich sein Jedes Jahr werden unzählige Feldhasenbabys aus Unwissenheit eingesammelt und unnötig in Gefahr gebracht. Viele sterben, weil sie aus der Natur gerissen wurden. „Nicht jedes Häschen braucht Rettung. In den meisten Fällen ist es das Beste, Abstand zu halten und die Natur arbeiten zu lassen“, betont Alfred Kofler. Feldhasenbaby gefunden: https://tierschutzverein.at/feldhasenbaby-gefunden/ Selbst aufziehen ist falsche Tierliebe Besonders fatal ist es, wenn Menschen versuchen, die Tiere selbst aufzuziehen. „Feldhasenmilch ist extrem nährstoffreich und unterscheidet sich stark von anderer Säugetiermilch. „Schon kleine Fehler führen zu schweren Verdauungsproblemen“, erklärt Kofler. Die Handaufzucht durch Laien endet fast immer tödlich. Hasenbaby-Hotspot Assisi-Hof Der Assisi-Hof des Österreichischen Tierschutzvereins in Stockerau ist die wichtigste Anlaufstelle für Hasenbabys in Niederösterreich: Das Team zieht verwaiste Feldhasen mit der Flasche auf, päppelt sie und wildert sie später wieder aus – immer mit dem Ziel, sie gesund und wildtiergerecht in ihren natürlichen Lebensraum zurückzubringen. Greifvögel und Fuchs größte Feinde Das Feldhasenbaby, das am 12. Februar nach einer Greifvogelattacke nahe Stockerau am Assisi-Hof versorgt wurde, erlag trotz schneller Hilfe seinen schweren Verletzungen. Für junge Hasen sind Greifvögel wie Bussarde, Habichte oder Eulen besonders gefährlich: Als Luftjäger werden sie oft zu spät bemerkt – anders als Füchse am Boden. Greifvögel zählen mit dem Fuchs zu ihren größten Feinden. Feldhase in Österreich potenziell gefährdet Für einzelne Jungtiere sind natürliche Feinde oft die Haupttodesursache. Für den Bestand insgesamt ist jedoch der Mensch die größere Gefahr: Intensivierte Landwirtschaft, Lebensraumverlust, Monokulturen und Pestizide führen in Westeuropa zu stark rückläufigen Feldhasenbeständen. In Österreich gilt der Feldhase (Lepus europaeus) laut Roter Liste als potenziell gefährdet, weshalb gezielte Schutzmaßnahmen wichtig sind. Rückfragen & Kontakt: Alexios Wiklund Presse- und Öffentlichkeitsarbeit 0660/730 42 91 wiklund@tierschutzverein.at www.tierschutzverein.at/presse