So helfen Sie Jungvögeln richtig OTS (Wien) 30. 4. 2026 – Ein kleiner Vogel sitzt allein im Gras, piepst herzerweichend und wirkt völlig hilflos. Für viele Menschen ist sofort klar: Dieses Tier braucht Hilfe. Doch genau dieses gut gemeinte Eingreifen kann für Jungvögel fatale Folgen haben. Der Österreichische Tierschutzverein warnt deshalb eindringlich davor, in der Brutzeit vorschnell einzugreifen. Die meisten Jungvögel, die jetzt am Boden zu sehen sind, sind keine Notfälle, sondern Teenager beim ersten Flugtraining. „Viele Jungvögel verlassen das Nest, bevor sie fliegen können. Sie lernen am Boden hüpfend ihre Umwelt kennen und unternehmen jetzt ihre ersten Flugversuche“, erklärt Pressesprecher Alexios Wiklund. Diese Phase wird von Fachleuten als Bettelflugperiode bezeichnet. Falsche Tierliebe: Gefahr für Ästlinge Die Jungvögel, auch Ästlinge genannt, scheinen zwar verlassen zu sein, doch ihre Eltern sind in der Regel in der Nähe. Sie beobachten ihren Nachwuchs aus der Entfernung und füttern ihn auch weiterhin täglich. Wer einen Ästling mitnimmt, trennt ihn gewaltsam von seinen Eltern. Das bedeutet für das Tier enormen Stress und unterbricht seine natürliche Entwicklung. Nur Nestlinge brauchen Hilfe Bei Nestlingen ist die Situation anders. Sie sind kaum befiedert, oft noch nackt und eindeutig hilflos. Befindet sich ein solcher Vogel außerhalb des Nestes, ist Unterstützung notwendig. In vielen Fällen genügt es, ihn vorsichtig zurück ins Nest zu setzen oder zumindest in eine geschützte, erhöhte Position in unmittelbarer Nähe zu bringen, damit die Eltern ihn weiter versorgen können. Fall für Wildtierstation oder Tierarzt Nur wenn ein Jungvogel apathisch wirkt oder verletzt ist, etwa durch eine Katze, ist ein Eingreifen notwendig. In diesem Fall ist es wichtig, rasch Kontakt mit einer Wildtierstation oder einem Tierarzt aufzunehmen, um das weitere Vorgehen abzuklären. Alexios Wiklund warnt: „Wenn Laien versuchen, ein Vogeljunges im Wohnzimmer großzuziehen, endet das leider oft tödlich. Selbst für Experten ist die Aufzucht von Wildvögeln eine riesige Herausforderung.“ Checkliste: Braucht der Vogel wirklich Hilfe? • Nestlinge: Sie sind nackt oder haben nur wenige Federn. Wenn sie aus dem Nest gefallen sind, brauchen sie tatsächlich Hilfe. Man kann sie vorsichtig zurück ins Nest setzen. • Ästlinge: Sie haben schon Federn und hüpfen herum. Sie sind nicht hilfsbedürftig. Bitte sitzen lassen und beobachten! • Gefahrenzone: Sitzt der Vogel direkt auf der Straße? Dann setzen Sie ihn behutsam ins nächste Gebüsch. Kleine Maßnahmen, große Wirkung Auch abseits der Brutzeit kann jeder zum Schutz von Vögeln beitragen. Ein naturnaher Garten mit dichten Hecken und heimischen Sträuchern bietet ihnen sichere Verstecke. Wer auf Pestizide verzichtet und Wasserstellen bereitstellen, schafft wertvollen Lebensraum für unsere heimischen Singvögel. „Wir müssen den Tieren nur den Raum geben, den sie für ihr natürliches Leben brauchen”, so Wiklund abschließend. Vogelkind gefunden – was tun? https://tierschutzverein.at/jungvogel-gefunden/ Rückfragen & Kontakt: Alexios Wiklund Presse- und Öffentlichkeitsarbeit 0660/730 42 91 wiklund@tierschutzverein.at www.tierschutzverein.at/presse