Für uns den Österreichischen Tierschutzverein steht das Wohl der Tiere an erster Stelle.

Das Alpine Murmeltier: ein stiller Überlebenskünstler

Das Alpenmurmeltier ist wie kaum ein anderes heimisches Tier an extreme Bedingungen angepasst. Kälte, Schnee und monatelanger Nahrungsmangel schrecken es nicht ab. Doch was über Jahrtausende funktionierte, gerät heute aus dem Gleichgewicht. Klimawandel, Lebensraumverlust und Jagd setzen dem alpinen Überlebenskünstler massiv zu.

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Leben am Limit im Hochgebirge

Alpenmurmeltiere bewohnen sonnige Hochalmen meist oberhalb der Baumgrenze, zwischen 800 und 3.000 Metern Seehöhe. Dort graben sie weitverzweigte Höhlensysteme, die Schutz vor Wetter und Feinden bieten. Bis zu 90 Prozent ihres Lebens verbringen sie unter der Erde. An der Oberfläche sieht man sie nur, wenn sie fressen, Wache halten oder sich gegenseitig warnen.

Winterschlaf als Überlebensstrategie

Das Alpenmurmeltier ist ein extremer Winterschläfer. Vorher verschließen sie alle Zugänge zu ihren Bauen von innen mit Erde, Steinen, Nistmaterial und Kot. Bis zu sieben Monate (von Oktober bis April) verbringt es in tiefer Ruhe in seinem Winterbau. Dabei senkt es seine Körpertemperatur auf rund zwei Grad Celsius, der Herzschlag fällt auf wenige Schläge pro Minute. In dieser Zeit lebt das Tier ausschließlich von seinen Fettreserven und verliert bis zu ein Drittel seines Körpergewichts.

Warnsystem mit schrillen Pfiffen

Die Tiere leben in Familienverbänden von bis zu 20 Tieren. Sie begrüßen einander mit Nasenreiben und warnen sich mit schrillen Pfiffen vor Feinden wie Steinadler oder Fuchs. Das Sitzen aufrecht auf Steinen dient primär der Parasitenbekämpfung durch Sonnenwärme, weniger dem Aufwärmen, wie Verhaltensbeobachtungen zeigen.

Ihr Leben ist genau getaktet

Denn das Zeitfenster, um genügend Fett für den Winter anzufressen, ist kurz. Pro Tag nehmen sie in nur fünf Monaten dafür bis zu eineinhalb Kilogramm Pflanzen zu sich. Jeder verlorene Sommertag kann später über Leben und Tod entscheiden.

Diese Strategie macht das Überleben im Hochgebirge erst möglich. Sie funktioniert jedoch nur, wenn die Tiere im Sommer ausreichend Nahrung finden und nicht zusätzlich unter Stress geraten.

Klimawandel bringt das System ins Wanken

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Genau hier liegt das Problem. Der Alpenraum erwärmt sich deutlich schneller als das Flachland. Hitzetage nehmen zu, Gletscher schmelzen, die Baumgrenze steigt. Murmeltiere reagieren darauf, indem sie sich immer weiter nach oben zurückziehen. Doch dort endet der Lebensraum abrupt: Fels, Gipfel und fehlender grabfähiger Boden lassen kein Ausweichen mehr zu.

Stress ab 20 Grad Celsius

Hitze setzt den Tieren besonders zu. Schon ab etwa 20 Grad Celsius geraten sie unter Stress, da sie keine Schweißdrüsen besitzen. Sie ziehen sich dann selbst im Sommer in ihre kühlen Baue zurück oder fallen in kurze Energiesparphasen. Das klingt harmlos, hat aber gravierende Folgen: weniger Fresszeit, geringere Fettreserven und ein deutlich erhöhtes Risiko, den langen Winterschlaf nicht zu überleben.

Genetisch verwundbar

Als Eiszeitrelikt weist das Alpenmurmeltier eine sehr geringe genetische Vielfalt auf. Studien, unter anderem von der Vetmeduni Wien, zeigen, dass isolierte Populationen anfälliger für Krankheiten sind und sich schlechter an Umweltveränderungen anpassen können. In Zeiten rascher Klimaveränderungen ist das ein ernstes Risiko.

Rote Liste der Säugetiere extrem veraltert

Trotzdem gilt das Alpenmurmeltier offiziell nicht als bedroht. Ein Grund dafür ist das Fehlen aktueller Daten. Die österreichische Rote Liste der Säugetiere stammt aus dem Jahr 2005 und wurde seit über 20 Jahren nicht aktualisiert. Für eine realistische Einschätzung der heutigen Situation ist das fatal.

Jagd im Klimastress – ein Widerspruch

Zusätzlich zum Klimastress dürfen in Österreich jedes Jahr tausende Murmeltiere gejagt werden. Besonders problematisch sind organisierte Murmeltier-Jagdreisen ins Hochgebirge, die als Erlebnisangebote vermarktet werden. Für den Österreichischen Tierschutzverein ist das angesichts von Lebensraumverlust, genetischer Verwundbarkeit und steigender klimatischer Belastung nicht verantwortbar.

Ein Tier, das bereits ums Überleben kämpft, darf nicht zusätzlich unter Freizeitjagd leiden.

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Mehr Schutz und bessere Erforschung

Das Alpenmurmeltier ist kein niedliches Maskottchen, sondern ein hochspezialisierter Überlebenskünstler, dessen Lebensraum schrumpft. Wenn wir wollen, dass es auch in Zukunft Teil unserer alpinen Tierwelt bleibt, braucht es mehr als Bewunderung.

Der Österreichische Tierschutzverein fordert daher:

  • eine sofortige Aktualisierung der Roten Liste der Säugetiere
  • langfristige Populations- und genetische Studien
  • eine kritische Neubewertung der Murmeltierjagd
  • besseren Schutz alpiner Lebensräume

Helfen Sie mit!

Die Arbeit des Österreichischen Tierschutzvereins ist nur dank Ihrer Hilfe möglich, denn als gemeinnütziger Verein sind wir zur Gänze auf die Unterstützung von Tierfreunden angewiesen. Nur mit Ihrer Spende können wir tierische Notfälle bei uns aufnehmen, tierärztlich versorgen und zu einem neuen Leben verhelfen!

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