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Rattengift Alpha-Chloralose: Gefahr für Hunde & Katzen

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Rattengift Alpha-Chloralose

Alpha-Chloralose wird als Gift gegen Mäuse und Ratten eingesetzt. Auch für Hunde und Katzen kann das neue Mittel tödlich sein. Einmal vergiftet, erwartet die Tiere ein qualvoller Tod: Sie schlafen ein und erfrieren.  Der Österreichische Tierschutzverein klärt auf.

Das relativ neue Nagergift Alpha-Chloralose ist für wenig Geld in jedem Baumarkt erhältlich. Es ist eine Mischung aus dem Traubenzucker Glukose und Chloralhydrat, einem starken Schlafmittel. Alpha-Chloralose wirkt sofort nach der Einnahme und unterscheidet sich damit wesentlich von herkömmlichem Rattengift, das innere Blutungen verursacht und über Tage hinweg zum Tod führt.

So wirkt Alpha-Chloralose:

  • Glukose: Ratten, Mäuse und andere Nagetiere mögen den süßen Geschmack der Glukose und nehmen das Gift bereitwillig auf.
  • Chloralhydrat: Das enthaltene Chloralhydrat wirkt narkotisierend, verlangsamt den Stoffwechsel und beeinträchtigt die körpereigene Temperaturregelung der Tiere. Sie schlafen ein, verlieren das Bewusstsein und sterben an Unterkühlung.

Alpha-Chloralose: auch für Hunde & Katzen tödlich

In den letzten Monaten häufen sich Berichte über mit Alpha-Chloralose vergiftete Hunde und Katzen – oftmals kommt für die Tiere jede Hilfe zu spät. Ein Beispiel: Im niederösterreichischen Roseldorf beklagten Anwohner seit einigen Monaten eine unerklärlich hohe Anzahl verschwundener Katzen.

Besonders gern wird das Gift wird z.B. in und um landwirtschaftliche Gebäude oder in Kleingärten ausgestreut. Im Grunde können die Tiere überall mit der gefährlichen Substanz in Kontakt geraten: Einige Tiere nehmen das Gift direkt auf, etwa beim Beschnüffeln und Erkunden kontaminierter Areale oder Gegenstände. Andere fressen vergiftete Mäuse und erleiden eine sogenannte Sekundärvergiftung.

Wirkung setzt nach 30 Minuten bis 4 Stunden ein

Einmal aufgenommen, führt Alpha-Chloralose rasch zu ersten Symptomen. Bis das Gift wirkt, dauert es je nach Dosis zwischen 30 Minuten und 4 Stunden. Leider ist derzeit noch kein Gegenmittel verfügbar.

Tierärzte versuchen daher, die Körpertemperatur ihrer Patienten durch kontrolliertes Aufwärmen und Warmhalten wiederherzustellen und über mehrere Tage hinweg aufrechtzuerhalten. Auch Infusionen, die die Ausscheidung des Giftes beschleunigen, und antiepileptische Medikamente können bei der Behandlung einer Vergiftung mit Alpha-Chloralose zum Einsatz kommen. Tiere, die noch bei Bewusstsein sind, werden zum Erbrechen gebracht und bekommen Aktivkohle verabreicht, die Teile des Giftes im Magen binden kann.

Alpha-Chloralose
Das Rattengift Alpha-Chloralose wird immer mehr Hunden und Katzen zum Verhängnis.

Alpha-Chloralose: die wichtigsten Symptome

Zu den wichtigsten Symptomen einer Vergiftung mit Alpha-Chloralose zählen:

  • kleine, verengte Pupillen
  • Krampfanfälle
  • Muskelzittern
  • Schläfrigkeit
  • verminderte Reaktionsfähigkeit
  • Benommenheit
  • Bewusstlosigkeit
  • Herzrhythmusstörungen
  • Atemnot
  • Rauschzustand
  • wackeliger Gang
  • verlangsamter Herzschlag
  • erniedrigter Blutdruck
  • Koma
  • Unterkühlung (unter 38°C)

Vergiftung mit Alpha-Chloralose: sofort zum Tierarzt!

Bemerken Sie Vergiftungssymptome bei Ihrem Tier, suchen Sie bitte unverzüglich die nächstgelegene Tierklinik bzw. den nächstgelegenen Tierarzt auf. Wird eine Vergiftung mit Alpha-Chloralose rechtzeitig erkannt und behandelt, hat das Tier gute Chancen, durchzukommen und sich vollständig zu erholen.

Bitte warten Sie keinesfalls ab und experimentieren Sie NICHT mit „Hausmitteln“. Bei einer Vergiftung mit Alpha-Chloralose entscheidet die sofortige Behandlung durch einen Tierarzt über Leben und Tod!

Unser Appell: Bitte legen Sie kein Gift aus!

Wir appellieren an alle Tier- und Umweltfreunde: Bitte verzichten Sie darauf, Mäuse- und Rattengift auszulegen!

Sowohl Alpha-Chloralose als auch andere Rattengifte lassen die Tiere qualvoll verenden. Eine sinnvolle und weitaus tier- und umweltfreundlichere Alternative, um Mäuse und andere Nager loszuwerden, sind Lebendfallen. Wie der Name sagt, können die Tiere darin lebend gefangen und unversehrt in die freie Natur zurückgebracht werden.

Alpha-Chloralose
Auch Hündin Roxy wurde Opfer einer Alpha-Chloralose-Vergiftung. Sie wurde in letzter Sekunde gerettet.

Alpha-Chloralose-Vergiftung: ein Erfahrungsbericht

Auch Judith Unterdörfler, Leiterin Marketing & Fundraising beim Österreichischen Tierschutzverein, konnte ihren Hund Roxy kürzlich gerade noch rechtzeitig in die Tierklinik bringen, nachdem er das Gift offenbar unbemerkt bei einer Wanderung aufgenommen hatte.

„Roxy war die ganze Zeit an meiner Seite, ich habe sie nie aus den Augen gelassen“, erzählt Judith. „Wir machten einen Zwischenstopp bei einer Almhütte und als wir uns kurz darauf auf den Weg ins Tal machten, verlor sie plötzlich das Gleichgewicht. Mir fiel auf, dass ihre Bewegungen unkoordiniert und ihre Pupillen ganz klein waren. Dann ging alles sehr schnell: Innerhalb kürzester Zeit konnte Roxy nicht mehr stehen und war völlig apathisch.“

Judith reagierte richtig: Sie fuhr auf schnellstem Weg in die nächstgelegene Tierklinik, die dreißig Autominuten entfernt lag. Bereits während der Fahrt rief sie dort an und schilderte die Situation. Und Roxy hatte Glück: Einen Tag vor ihr war ein anderer Hund in die Klinik eingeliefert worden – mit Symptomen, die typisch für eine Vergiftung mit Alpha-Chloralose waren. Somit wussten die Ärzte Bescheid und konnten sofort reagieren. Da Roxy noch bei Bewusstsein war, wurde sie zum Erbrechen gebracht, bekam Aktivkohle und Infusionen, und ist heute – zum Glück – wieder wohlauf.

Judith: „Obwohl ich Roxy immer im Blick hatte, muss sie das Gift unbemerkt bei der Almhütte gefunden und geschluckt haben. Offenbar wurde das Gift von den Mäusen zuvor verteilt und war nicht mehr als Köder erkennbar. Man sollte sich bewusst sein, dass man nicht kontrollieren kann, wer mit dem Gift in Kontakt gerät und wohin es verschleppt wird. Auch für Kinder im Krabbelalter, für Greifvögel und Aasfresser kann Rattengift sehr, sehr gefährlich werden! Bereits ein Teelöffel Alpha-Chloralose ist beispielsweise für Katzen bereits tödlich. – Das entspricht etwas dem Mageninhalt einer Maus.“