
Österreichischer Tierschutzverein: Klimawandel und eingeschleppte Tierarten bedrohen heimische Tierwelt
PresseOTS (Wien) – Der Klimawandel und eingeschleppte invasive Arten verändern auch Österreichs Tierwelt. Von der Asiatischen Tigermücke über die Asiatische Hornisse bis zur Nosferatu-Spinne – neue Tierarten breiten sich aus und stellen Mensch, Natur und heimische Tierarten vor neue Herausforderungen.
Die Asiatische Tigermücke ist eines der auffälligsten Beispiele. Sie stammt aus tropischen Gebieten und fühlt sich inzwischen auch in Österreich wohl. Diese kleine, schwarz-weiß gestreifte Mücke hat sich insbesondere in Wien und Graz etabliert. Sie kann Krankheiten wie Dengue oder Chikungunya übertragen – ein Risiko, das wir früher nur aus Urlaubsländern kannten.
Problem: Klimawandel und Einschleppung
„Weltweiter Handel und Tourismus, gepaart mit dem Klimawandel, führen zu einer immer stärkeren Vermischung von Pflanzen- und Tierarten.“, betont Biologe Kurt Kotrschal, Wissenschaftler des Jahres 2010. „Invasive Arten bedeuten selten etwas Gutes, etwa im Sinne der Bereicherung der lokalen Flora und Fauna.“
Neue Räuber und ungebetene Gäste
„Die Ausbreitung neuer Tierarten in Österreich hat in den letzten Jahren stark zugenommen“, erklärt Franz Essl, Ökologe an der Universität Wien. Der Wissenschaftler des Jahres 2022 ergänzt: „Die Asiatische Hornisse wurde 2024 erstmals in Salzburg entdeckt. Es ist zu erwarten, dass sie sich in den nächsten Jahren in Österreich ausbreiten wird. Da sie gezielt Honigbienen vor ihren Stöcken abfängt, ist sie bei Imkern gefürchtet.“
Riesenzecke und gefräßiger Plattwurm
Die sich als Folge des Klimawandels nach Mitteleuropa ausbreitende Riesenzecke überträgt wie ihre kleinen heimischen Verwandten Krankheiten. Sie wurde wahrscheinlich mit Zugvögeln oder Autos eingeschleppt. Österreichische Wissenschaftler weisen auch auf eine heuer nach Niederösterreich eingeschleppte Plattwurmart aus Südamerika hin, die Regenwürmer, Schnecken und Insekten jagt.
Gefahr durch tödliche Krebspest
Der Amerikanische Signalkrebs wurde über den Handel mit Aquarien- oder Speisefischen eingeschleppt. Er bedroht einheimische Krebspopulationen durch Konkurrenz und Übertragung der für heimischer Arten tödlichen Krebspest.
Nosferatu-Spinne: groß und schnell
Auch die ursprünglich im Mittelmeergebiet heimische Nosferatu-Spinne, groß, dunkel und auffällig schnell, breitet sich rasant aus. Für Menschen bleibt sie harmlos, doch sie zeigt deutlich, wie stark der Klimawandel die Verbreitung von Arten verschiebt. Nicht ohne Folgen für sensible Ökosysteme.
Invasive Arten befeuern weltweites Artensterben
Biologe Kotrschal: „Eingeschleppte Arten verdrängen oft gut angepasste heimische Arten, destabilisieren damit Ökosysteme und sind eine der Hauptursachen für das weltweite Artensterben. Sie sind Vektoren für neue Krankheiten und schaffen neue Probleme für die Land- und Forstwirtschaft.“
Neue Arten bringen neue Risiken
Die sich ausbreitenden Tiere folgen einfach ihrer Überlebensstrategie. Aber unsere heimischen Arten und auch wir Menschen sind auf diese Veränderungen nicht vorbereitet.
· Heimische Wildtiere geraten unter Druck, weil neue Räuber und Nahrungskonkurrenten auftauchen.
· Haustiere treffen auf Parasiten, die früher hier nicht überlebten.
· Tropische Krankheitserreger können sich festsetzen und uns Menschen schädigen.
· Unsicherheit auf die neue Situation ist die Reaktion vieler Menschen.
Was jetzt zählt: Wissen, Monitoring und Schutz
„Der Klimawandel und die zunehmende Verschleppung von Arten sind längst in unserer Tierwelt angekommen. Die neuen Arten zeigen uns, wie rasch sich vertraute Lebensräume verändern“, erläutert Universitätsprofessor Essl. Das macht vielen Menschen Sorgen – und genau deshalb braucht es verlässliche Informationen.
Problem frühzeitig erkennen
Um Risiken zu verstehen und Probleme früh zu erkennen, braucht Österreich ein klar strukturiertes Vorgehen. Der Österreichische Tierschutzverein fordert daher vom Gesetzgeber:
· Österreichweite Erfassung aller neu auftretenden Tierarten.
· Aufklärung für Bevölkerung und Gemeinden, damit Menschen Risiken richtig einschätzen können.
· Schutzprogramme für bedrohte heimische Arten, die durch neue Konkurrenten unter Druck geraten.
· Eine engagierte Klimapolitik, um die Folgen des Klimawandels zu begrenzen.
· Sachlichen Umgang, damit Begegnungen mit neuen Arten nicht zu Fehlreaktionen führen.
Wachrütteln – nicht verunsichern
Der Klimawandel bringt neue Nachbarn. Wir müssen lernen, mit ihnen zu leben, Risiken zu erkennen und unsere Natur gezielt zu schützen. Unser Ziel ist klar: aufklären, schützen und vorbereitet sein.
Jeder kann der Wissenschaft helfen
Die Wissenschaft braucht dafür unser aller Hilfe: Sichtungen sollen fotografisch dokumentiert und über Naturbeobachtungsplattformen wie die Plattform iNaturalist https://www.inaturalist.org/ oder direkt an Experten gemeldet werden. Nur so entsteht ein aktuelles und verlässliches Bild der Lage.
Rückfragen & Kontakt:
Alexios Wiklund
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
0660/730 42 91
wiklund@tierschutzverein.at
www.tierschutzverein.at/presse




