
Österreichischer Tierschutzverein: Das 1 x 1 der Wildtierrettung
PresseOTS (Wien/Stockerau) Nicht jedes scheinbar hilflose Wildtier muss gerettet werden. Der Österreichische Tierschutzverein warnt: Eine unüberlegte Hilfe kann mehr schaden als nützen. Eingreifen sollte man nur, wenn es wirklich nötig ist – und immer nach Rücksprache mit Experten.
Ein Spaziergang im Grünen. Versteckt im Gras liegt regungslos ein winziges Hasenbaby. Es scheint von seiner Mutter verlassen worden zu sein. Der erste Impuls: Helfen! Doch das kann fatale Folgen haben. „Nicht jeder scheinbar verwaiste oder hilflose Hase, Vogel oder Igel ist während der Brut- und Setzzeit auf menschliche Hilfe angewiesen. So verlassen viele Vogelarten bereits das Nest, bevor sie richtig fliegen können, und werden von ihren Eltern am Boden weiter gefüttert“, weiß Alfred Kofler, Experte des Österreichischen Tierschutzvereins.
Video Flaschenfütterung-Feldhasenbaby https://youtu.be/Gx5F24gvDzI
Wildtieren richtig helfen
Der Leiter der Tierpflege am Assisi-Hof in Stockerau hat schon viele Wildtiere in seinem langen Berufsleben gerettet. Derzeit zieht er mehrere Hasenbabys mit der Flasche auf. „Bei der Rettung von Wildtieren passieren oft Fehler. Deshalb ist es wichtig, die Situation genau zu beobachten und rasch Hilfe von Experten zu holen. Nur so kann sichergestellt werden, dass die Tiere richtig versorgt werden. Wer voreilig handelt, riskiert oft mehr Schaden als Nutzen.“
Beobachten – nicht anfassen
Junge Wildtiere wirken meist so hilflos. Sie sind es aber nicht. Hasen zum Beispiel legen ihre Jungen ab, um sie vor Feinden zu schützen. Sie kehren mehrmals am Tag zurück, um es zu versorgen. Alfred Kofler: „Anfassen kann schlimme Folgen haben. Riecht ein Junges plötzlich nach Menschen, kann es von Raubtieren erkannt werden oder von den eigenen Eltern verstoßen werden.“
Wildtierrettung https://tierschutzverein.at/tierrettung/wildtier-gefunden-was-tun/
Wann muss eingegriffen werden?
Alfred Kofler: „Achten Sie auf Anzeichen wie offene Wunden, sichtbare Brüche oder apathisches Verhalten. Tiere, die schwach wirken oder sich kaum bewegen, brauchen meist dringend Unterstützung.“
Fünf Gründe, die eine Wildtierrettung wahrscheinlich machen
• Das Tier ist sichtbar verletzt (z. B. blutende Wunden, gebrochene Gliedmaßen)
• Das Tier wurde offensichtlich von einem Raubtier angegriffen oder von einem Auto angefahren
• Das Tier zeigt Anzeichen von Schwäche, Zittern oder Auszehrung
• Das Tier befindet sich in akuter Gefahrensituation (z. B. auf einer stark befahrenen Straße)
• Das (nachtak tive) Tier (z.B. Igel oder Eule) irrt tagsüber ziellos umher
Erste Hilfe für verletzte Wildtiere
Experte Kofler rät: „Bringen Sie sich bitte nie selbst in Gefahr und suchen sie stets sofort professionelle Hilfe: Eine Wildtierstation, der Tierschutzverein oder die Naturschutzbehörde sind die richtigen Ansprechpartner.“ Bei jagdbaren Tieren wie Rehen, Wildschweinen oder Fasanen muss der zuständige Jäger oder die Polizei informiert werden.
Tierschutzwissen https://tierschutzverein.at/tierschutz/tierschutzwissen/
Expertentipp: das ist zu beobachten
Was ist im Notfall zu tun? Alfred Kofler: „Verletzte Tiere dürfen niemals mit bloßen Händen angefasst werden. Dicke Handschuhe oder ein Handtuch bieten Schutz. Für den sicheren Transport zum Tierarzt eignet sich eine belüftete Box mit einer weichen Unterlage. Wärmen Sie unterkühlte Tiere vorsichtig, aber geben Sie ihm weder Wasser noch Futter. Falsche Nahrung kann tödlich sein. Achtung bei Greifvögeln und Eulen: ihre Krallen stellen eine größere Gefahr dar als ihr Schnabel.“
Tierrettung https://tierschutzverein.at/tierrettung/
Problem des Jagdrechts
Was viele nicht wissen, jagdbare Wildtiere wie Reh, Wildschwein oder Fasan stehen unter Jagdrecht. Wer ein solches Tier mitnimmt, begeht möglicherweise Wilderei. Diese ist strafbar und kommt teuer. Auch Tiere, die durch eine Kollision mit einem Auto verletzt wurden, dürfen somit nicht eigenmächtig mitgenommen.
Informativen Folder bestellen
Der Österreichische Tierschutzverein hat die wichtigsten Informationen zur Wildtierrettung auf seiner Webseite zusammengefasst und stellt zusätzlich einen informativen Folder bereit. Wer mehr erfahren möchte, findet dort wertvolle Tipps und Ansprechpartner.
Folder download https://tierschutzverein.at/wp-content/uploads/1×1-der-Tierrettung_Oesterreichischer-Tierschutzverein.pdf
Rückfragen & Kontakt:
Alexios Wiklund
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
0660/730 42 91
wiklund@tierschutzverein.at
www.tierschutzverein.at/presse