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Neu: Jagdwarnkarte

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Vor wenigen Monaten erlangte ein Jagdleiter im Bezirk Hollabrunn traurige Bekanntheit, als er sich freimütig damit brüstete, in seiner „Jagdkarriere“ schon hunderte Katzen abgeschossen zu haben.

Die Jägerschaft spricht dabei immer wieder von Einzelfällen. Der Österreichische Tierschutzverein weiß jedoch, dass dies trauriger Alltag ist. So entstand die Idee, eine Meldestelle für legale und illegale Jagd-Missstände einzurichten. Unsere Jagdwarnkarte führt der Bevölkerung plakativ vor Augen, was bei der Jagd alles passiert.

Mit der Jagdwarnkarte dokumentiert der Österreichische Tierschutzverein alle ihm gemeldeten oder sonst bekanntgewordenen Zwischenfälle, an denen Jäger beteiligt waren. Die Karte ermöglicht der Bevölkerung einen (haarsträubenden) Überblick über sicherheitsrelevante jagdliche Verfehlungen und auch über (legale) jagdliche Praktiken, die heute nicht mehr zeitgemäß und auch tierschutzrechtlich problematisch sind.

Dieser Service zielt einerseits darauf ab, Schutz vor Haustierabschüssen zu bieten. Tierfreunde können etwa sehen, ob in ihrem Wohngebiet oder einem geplanten Ausflugsgebiet besondere Häufungen von Haustierabschüssen vorliegen. Haustierbesitzer werden mithilfe der Karte vor schießwütigen Jägern gewarnt. Die erhöhte Wachsamkeit der Bevölkerung soll auch Jäger vor weiteren Haustiertötungen abschrecken, also präventiv wirken.

Mit der Einrichtung dieser zentralen Meldestelle für Jagdmissstände wird gleichzeitig auch der Druck auf Politik und Jägerschaft erhöht, die längst nicht mehr zeitgemäßen Jagdgesetze und das Waffengesetz endlich zu reformieren.

Skandalös: Der Abschuss von Haustieren ist immer noch erlaubt; in den Jagdgesetzen fehlt ein gesetzlich vorgeschriebenes Alkoholverbot bei der Jagd; obwohl bei Unfällen oder Gewaltverbrechen im Zusammenhang mit Schusswaffen in Österreich überwiegend Jäger beteiligt sind (8 Tote und einige Schwerverletzte alleine im letzten halben Jahr), erlangen Jäger im Gegensatz zu allen anderen ÖsterreicherInnen den Waffenpass für genehmigungspflichtige Waffen auch ohne Nachweis über ihre psychologische Eignung. 

Viele glauben noch, dass das, was Jäger tun, immer richtig ist.  Was bisher fehlte, war eine zentrale Stelle, bei der die Bevölkerung Haustierabschüsse, Jagdunfälle, Tierquälereien und sonstige Vorfälle im Zusammenhang mit der Jagd melden kann, ohne Repressalien fürchten zu müssen. Denn jagdfreundliche Strukturen decken personell den gesamten gesellschaftlichen Bereich ab und konterkarieren demokratische Strukturen – was den Beteiligten Vorteile und Abhängigkeiten garantiert. Wenn Vertuschen schwierig wird und für die Öffentlichkeit online einsehbar ist, wie oft etwas in Österreich im Zusammenhang mit der Jagd passiert, wird sich die Politik in Zukunft schwer tun, die Reformblockade aufrechtzuerhalten.