
Tierexperte-Alfred-Kofler-©-Oesterreichischer-Tierschutzverein

OTS (Wien/Stockerau) Eine einzige unkastrierte Freigängerkatze kann eine Kettenreaktion auslösen: unkontrollierte Vermehrung, mehr Streuner, mehr Tierleid und steigender Druck auf heimische Wildtiere. Zum Weltkastrationstag warnt der Österreichische Tierschutzverein: Rechtzeitige Kastration ist der Schlüssel, um Tierleid, überfüllte Tierheime und Schäden an der Natur zu verhindern.
Freigängerkatzen streifen neugierig durch Gärten, Felder und Wälder. Sie folgen dabei ihrem Instinkt und jagen, selbst wenn zuhause immer ein voller Futternapf wartet. Sie erbeuten leider nicht nur Mäuse, sondern auch Singvögel, Reptilien und Amphibien. Das hat ernste Folgen: Lokale Wildtierbestände geraten spürbar unter Druck, und gleichzeitig verschärft sich das Problem der Streunerkatzenpopulation.
Video Fütterung Streunerkätzchen Ilvy: https://www.youtube.com/watch?v=M5kUhy1UgNY
„Jede unkastrierte Katze mit Freigang kann zur Quelle hunderter Nachkommen werden – und damit zum Ausgangspunkt einer Streunerkatzenpopulation“, warnt Tierexperte Alfred Kofler. „Wer seine Katze nicht kastriert, riskiert Tierleid, überfüllte Tierheime und eine wachsende Gefahr für heimische Wildtiere.“
Anlässlich des Weltkastrationstags am 24. Februar schlägt der Österreichische Tierschutzverein Alarm: Allein in Wien leben laut Schätzungen der Veterinärmedizinischen Universität Wien mindestens 5.000 herrenlose Katzen – viele davon krank, unterernährt und ohne Schutz vor Witterung oder Parasiten. Hauptursache des Problems: die unkontrollierte Vermehrung durch nicht kastrierte Freigängerkatzen.
Streunerkatzen haben 2 bis 3 Würfe pro Jahr mit 3 bis 6 überlebenden Kätzchen pro Wurf, und Weibchen sind oft ab 4 Monaten geschlechtsreif. Doch die Jungtiersterblichkeit liegt über 60 Prozent durch Krankheiten, Parasiten, Mangelernährung und Prädation. Damit erzeugt ein unkastriertes Katzenpaar in fünf Jahren hunderte Nachkommen, da Weibchen bereits ab sechs Monaten werfen.
„Kastration ist aktiver, notwendiger Tierschutz“, weiß Alfred Kofler. „Halter schützen damit ihre eigene Katze und gleichzeitig die Natur vor der Haustür.“ Das belegt auch eine Studie der Universität Leipzig: Langjährige Kastrationsprogramme stabilisieren die Population der Streuner messbar und verbessern gleichzeitig deren Gesundheitszustand.
In allen neun Bundesländern gibt es Kastrationsprogramme für Katzen. Grundlage ist die seit über 20 Jahren geltende gesetzliche Pflicht dazu. Diese Maßnahmen wirken auch nachweislich. Dennoch scheitert ihre Umsetzung oft an lokaler Beteiligung und mangelndem Weitblick.
• Niederösterreich fördert Gemeinden bei Katzenkastration mit 118,80 €/Weibchen und 61,20 €/Männchen. Aber viele Orte winken ab – zu teuer, sie müssen ein Drittel der Kosten (ca. 39,60 €/Weibchen, 20,40 €/Männchen) zahlen.
• Oberösterreich kürzte heuer die Fördermittel: Von 100.000 € (2025) auf jetzt 81.000 €.
• Steiermark stellt heuer 108.800 € für das Streunerkatzen-Kastrationsprojekt zur Verfügung.
Streunerkatzen erlegen bis zu 100 Vögel jährlich (Amseln, Meisen), plus Frösche, Eidechsen und Insekten – ein ernsthaftes Problem für heimische Wildtiere. Und Freigänger verstärken dies, da der Jagdtrieb bleibt. Bunte Stoffbänder (ohne Glöckchen) senken Vogelopfer um 42 %. Das ergab eine Studie der University of Exeter in Großbritannien.
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