
Österreichischer Tierschutzverein kritisiert Umweltministerium wegen schweren Versäumnissen im Artenschutz und verleiht dafür „Rote Listen Award“
PresseOTS (Wien, 6. Mai 2026) – Heimischer Artenschutz im Blindflug: Österreich schützt seine bedrohten Tierarten teilweise auf Basis von Roten Listen, die bis zu 32 Jahre alt sind. Für dieses außergewöhnliche Versäumnis im Artenschutz überreicht der Österreichische Tierschutzverein dem Umweltministerium den „Rote Listen Award“. Diese Aktion markiert zugleich den Auftakt zur Kampagne „Auf (N)Immer Wiedersehen“. Diese veranschaulicht anhand bedrohter Tierarten, wie dringend Maßnahmen zum Schutz der Biodiversität erforderlich sind.
Österreich könnte schon bald wichtige Bestäuber verlieren, die für unsere Lebensmittelsicherheit unverzichtbar sind: Einige Hummel-, Schwebfliegen-, Tagfalter- und Flugkäferarten stehen vor dem Aussterben. Die „Roten Listen gefährdeter Tierarten“ sollen solche Entwicklungen sichtbar machen und als Grundlage für wirksame Schutzmaßnahmen dienen. Doch genau hier liegt das Problem: dieses Frühwarnsystem funktioniert nur, wenn die Daten am neuesten Stand sind. Was nicht der Fall ist!
• Jede zweite bundesweite Rote Liste ist überfällig
• Nur 3 von 27 Roten Listen sind tatsächlich aktuell
• Insgesamt sind 15 Rote Listen über 18 Jahre alt
• Die Liste der Käfer wartet mit 32 Jahren am längsten auf ein Update.
„Rote Listen Award“: Sonderpreis für außergewöhnliche Versäumnisse
„Wirksamer Artenschutz schaut anders aus. Mit schwer veralteten Daten ist keine realistische Gefahrenanalyse mehr möglich“, betont Jakob Innauer, Kampagnenmanager des Österreichischen Tierschutzvereins. „Es droht eine fatale Kettenreaktion: Gefährdungen werden falsch eingeschätzt, Schutzmaßnahmen kommen zu spät und Arten verschwinden.“ Passiert nichts, werden z. B. Seidenbiene, Laubfrosch oder Braunkelchen bald für immer verstummen.
Goldener Käfer als mahnendes Symbol
Daher hat der Österreichische Tierschutzverein heute dem Umweltministerium (BMLUK) für seine Versäumnisses den „Rote Listen Award“ überreicht: einen „Goldenen Käfer“ sowie eine Urkunde in Form eines „Offenen Briefs“.
Jetzt Petition für aktuellen Artenschutz unterzeichnen
„Wir fordern eine rasche und regelmäßige Aktualisierung aller überfälligen bundesweiten Roten Listen. Sobald 10.000 Menschen unser Anliegen unterschrieben haben, übergeben wir die Petition an das Umweltministerium“, sagt Jakob Innauer.
Unsere Forderungen auf einen Blick
• Rasche Aktualisierung aller überfälligen bundesweiten Roten Listen
• Verpflichtende Aktualisierung der Roten Listen spätestens alle 10 Jahre
• Unabhängiges nationales Zentrum für Artenvielfalt
Hier Petition unterzeichnen https://tierschutzverein.at/petitionen/rote-listen/
Artenschutz-Kampagne erklärt dringenden Handlungsbedarf
Außerdem startet der Österreichische Tierschutzverein die Kampagne heute „Auf (N)Immer Wiedersehen“. Sie veranschaulicht den dringenden Handlungsbedarf anhand bedrohter Tiere – von Insekten und Vögeln über Reptilien und Amphibien bis hin zu Säugetieren und Fischen.
Biodiversitätsforscher Franz Essl unterstützt Initiative
Die Zeit drängt: Das Artensterben beschleunigt sich. Das hat ernste Folgen. Zum Beispiel für die heimische Landwirtschaft, weil es immer weniger Bestäuber gibt. „Wie stark der Rückgang ist, zeigt die vorbildliche ,Rote Liste gefährdeter Tiere‘ in Kärnten. Sie wurde nach 24 Jahren im Jahr 2023 aktualisiert veröffentlicht. Nun umfasst sie 1.200 zusätzliche bedrohte Arten“, weiß Professor Franz Essl, Biodiversitätsforscher an der Universität Wien und Mitglied im Leitungsteam des Österreichischen Biodiversitätsrats.
Aktuelle Daten als Schlüssel zum Artenschutz
„Die nationalen Roten Listen sollten spätestens alle zehn Jahre auf dem neuesten Stand gebracht werden. Nur so kann zielgerichtet Arten- und Naturschutz umgesetzt werden,“ betont der „Wissenschafter des Jahres 2022“.
Nationale Behörde für Artenvielfalt
„Das derzeitige System lässt gefährdete Arten im Stich: Daten sind veraltet, Zuständigkeiten sind zerstückelt und Schutzmaßnahmen kommen zu spät“ kritisiert Innauer. Deshalb braucht Österreich eine unabhängige, bundesweit tätige Behörde für den Artenschutz. Diese sollte Biodiversitätsdaten zentral sammeln, einheitliche Standards festlegen und konkrete Maßnahmen zum Schutz bedrohter Arten vorantreiben.
Geplant, aber nicht umgesetzt
Zwar ist eine solche Einrichtung im Regierungsübereinkommen bereits angedacht, umgesetzt wurde sie bisher aber nicht. Als Vorbild könnte das Schweizer Informationszentrum für Arten „InfoSpecies“ dienen.
Rückfragen & Kontakt:
Jakob Innauer
Kampagnenmanager
0664 22 04 990
innauer@tierschutzverein.at
Alexios Wiklund
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
0660/730 42 91
wiklund@tierschutzverein.at
www.tierschutzverein.at/presse









