Viele Tierarten in Österreich sind stark gefährdet. Dazu zählen die Hälfte der Amphibien, Reptilien und Fische sowie ein Drittel der Vögel und Säugetiere. Dies ist in den „Roten Listen gefährdeter Tierarten“ erfasst. Diese Listen dienen als wissenschaftliches Frühwarnsystem. In Österreich sind jedoch derzeit nur drei der 27 Listen aktuell.
Auch mehrere Schlüsselgruppen von Bestäubern sind gefährdet, was letztlich direkte Folgen für die Lebensmittelproduktion hat. Diese fleißigen Insekten sind entscheidend dafür, dass Obstbäume Früchte tragen, Beeren wachsen und Feldfrüchte stabile Erträge liefern. Dazu zählen bestimmte Hummelarten, ausgewählte Schwebfliegen, einige Tagfalter sowie bestimmte blütenbesuchende Käferarten.
Zentrale Rolle der Insekten im Ökosystem
Gerade Hummeln sind bei kühleren Temperaturen aktiv und bestäuben Pflanzen, während andere Insekten bereits inaktiv sind. Schwebfliegen übernehmen eine doppelte Rolle: Sie bestäuben Pflanzen und bekämpfen in ihrer Larvenphase Schädlinge. Tagfalter sichern mit ihrer Bestäubungsleistung die Vielfalt vieler Wildpflanzen. Auch Flugkäfer tragen zur Stabilität von Wiesen- und Waldökosystemen bei.
Rote Listen sind wissenschaftliches Frühwarnsystem
Viele dieser Bestäuberarten sind inzwischen stark gefährdet. Um Rückgänge frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig Schutzmaßnahmen einzuleiten, gibt es die „Roten Listen gefährdeter Tierarten“. Diese erfassen den Gefährdungsstatus heimischer Arten und zeigen auf, bei welchen Tiergruppen besonderer Handlungsbedarf besteht. Als wissenschaftliches Frühwarnsystem dokumentieren die Listen Veränderungen von Populationen und Lebensräumen und dienen Behörden, Naturschutzorganisationen und der Politik als wichtige Grundlage für Artenschutzmaßnahmen.
Was Rote Listen anzeigen
Die Roten Listen Österreichs kartieren die Gefährdungsgrade von „nicht eingestuft“ bis „ausgestorben“ und unterscheiden dabei mehrere Stufen zwischen „ungefährdet“ und „vom Aussterben bedroht“. Diese einheitliche Skala ermöglicht vergleichbare Einschätzungen auf nationaler und internationaler Ebene. Die Listen dokumentieren Veränderungen von Populationen und Verbreitungsgebieten und machen die Auswirkungen von Lebensraumverlust, Zerschneidung und Lebensraumverschlechterung sichtbar.
Wozu Rote Listen dienen
Rote Listen sind eine wichtige fachliche Grundlage für Umweltverträglichkeitsprüfungen, die Ausweisung von Schutzgebieten und naturschutzrechtliche Entscheidungen. Sie unterstützen die Planung und Priorisierung von Schutzmaßnahmen und sind ein zentrales Instrument der Naturschutzpolitik und des Biodiversitätsmanagements auf Bundes- und Landesebene.
Entstehung und Pflege der Roten Listen
Die systematische Erfassung gefährdeter Arten entwickelte sich ab den 1960er Jahren auf internationaler Ebene. In Österreich wurden erste landesweite Rote Listen ab den 1970er Jahren erstellt. Ihre Erstellung und regelmäßige Aktualisierung erfordern umfassende taxonomische und ökologische Fachkenntnisse sowie eine kontinuierliche Datenerhebung.
Veraltete Daten als zentrales Problem
Dieses System ist nur dann wirksam, wenn die zugrunde liegenden Daten regelmäßig aktualisiert werden. Regelmäßige Neubewertungen sind notwendig, um Veränderungen von Beständen und Verbreitungsgebieten wissenschaftlich fundiert beurteilen und verlässliche naturschutzfachliche Entscheidungen treffen zu können. Genau hier besteht ein zentrales Problem: Viele Rote Listen in Österreich wurden seit Jahren nicht überarbeitet. Nur 3 von 27 bundesweiten Listen sind aktuell, etwa jede zweite gilt als überfällig, 15 Listen sind älter als 18 Jahre, und die Liste der Käfer wurde zuletzt vor 32 Jahren aktualisiert. Das bedeutet, dass der Zustand vieler Tierarten auf Grundlage von Daten bewertet wird, die teilweise aus einer Zeit stammen, in der sich Lebensräume, Klima und Landnutzung deutlich von den heutigen Bedingungen unterschieden.
Forderungen des Österreichischen Tierschutzvereins
Der Österreichische Tierschutzverein fordert daher: rasche Aktualisierung aller überfälligen bundesweiten Roten Listen, eine verpflichtende Aktualisierung spätestens alle 10 Jahre sowie ein unabhängiges nationales Zentrum für Artenvielfalt.
Österreichs Rote-Listen-Problem auf einen Blick
Momentan existieren 27 bundesweite Listen für unterschiedliche Tiergruppen, doch gerade mal 3 davon sind aktuell. Jede zweite bundesweite Rote Liste ist überfällig und teilweise seit über 20 Jahren nicht aktualisiert. Nur drei von 27 Roten Listen sind aktuell. Österreich schützt seine bedrohten Tierarten also auf Basis von Roten Listen, die bis zu 32 Jahre alt sind. Die älteste Liste – jene der Käfer – stamme aus dem Jahr 1994. Eine regelmäßige Aktualisierung ist keine reine Verwaltungssache, sondern eine umweltpolitische Pflicht. Österreich braucht dringend „ein unabhängiges nationales Zentrum für Artenvielfalt“ und einen klaren politischen Auftrag zur regelmäßigen Aktualisierung der Roten Listen.

