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    Österreichischer Tierschutzverein warnt: Rückgang der Schmetterlinge zeigt Krise der heimischen Artenvielfalt

    Presse

    OTS (Wien) – Schmetterlinge reagieren hochsensibel auf Umweltveränderungen, da jede Entwicklungsphase, spezifische Anforderungen an Pflanzen und Mikroklima hat. Ihr dramatischer Rückgang in Österreich unter 800 Metern Seehöhe ist ein Alarmsignal für den ökologischen Zustand unserer Kulturlandschaft. Der Österreichische Tierschutzverein fordert deshalb, heimische Bestäuber konsequent zu schützen und ihre Lebensräume großflächig wiederherzustellen.

    Schmetterlinge sind Frühwarnsysteme der Natur. Viele Arten reagieren empfindlich auf Umweltveränderungen, da sie auf bestimmte Pflanzen und abwechslungsreiche Lebensräume angewiesen sind.

    Falterrückgang Warnsignal für Bestäuber

    Verschwinden Schmetterlinge, gehen häufig auch Wildbienen und Schwebfliegen zurück. Sie nutzen dieselben Lebensräume und sind denselben Belastungen ausgesetzt: intensive Landwirtschaft, Bodenversiegelung und Hitzesommer. „Der Rückgang von Bestäubern gefährdet nicht nur die Biodiversität, sondern auch unsere Ernährungssicherheit. Viele Obst-, Gemüse- und Nussarten hängen von ihrer Bestäubung ab – ohne sie sinken Erträge und Ökosysteme werden instabiler“, warnt Alexios Wiklund, Sprecher des Österreichischen Tierschutzvereins.

    Intensive Landwirtschaft gefährdet Falter

    Falter sind in allen Entwicklungsstadien (Ei, Larve, Puppe, Imago) auf stabile Lebensräume angewiesen. Entsprechend wirken sich intensive Landwirtschaft und klimatische Veränderungen negativ auf ihre Bestände aus. Insbesondere häufige, großflächige Mahd führt durch direkte Mortalität von Larven und Puppen sowie durch abrupten Nahrungsentzug zu erheblichen Verlusten.

    Starker Rückgang von Insekten in Agrarflächen

    Laut Julius-Maximilians-Universität Würzburg sind die Auswirkungen der Landwirtschaft auf die Insektenvielfalt gravierender als bisher angenommen. So sind auf Agrarflächen 44 % weniger Insektenarten und fast 30 % weniger evolutionäre Vielfalt nachweisbar.

    90 % der Schmetterlinge sind Nachfalter

    Noch leben in Österreich rund 4.200 Schmetterlingsarten, deutlich mehr als in Deutschland. Nur etwa 200 davon sind auffällige Tagfalter. Die große Mehrheit zählt zu den Nachtfaltern, die vor allem in der Dämmerung und nachts aktiv sind.

    Weniger Faltervielfalt in Tieflagen

    Forschende der Universität Salzburg berichten 2025 für Lagen unter 800 m von einem deutlichen Rückgang der Tagfaltervielfalt. In intensiv genutzten Tieflagen (Alpenvorland, Salzburger Becken) gelten bereits 68 % der Arten als gefährdet, 28 % als ausgestorben.

    Spezialisten drohen auszusterben

    Johannes Rüdisser vom Institut für Ökologie der Universität Innsbruck bestätigt diesen Befund: „Nur relativ wenige Tagfalterarten sind noch regelmäßig anzutreffen. Sehr viele kommen hingegen nur noch an ausgewählten Standorten vor.“ Dominant sind zunehmend generalistische Arten wie Großes Ochsenauge und Kleiner Fuchs, während spezialisierte Arten wie der Quendel-Ameisenbläuling geeignete Lebensräume verlieren.

    Entwicklung der Schmetterlingsbestände 

    Im Rahmen des Viel-Falter Monitorings beobachtet Professor Rüdisser seit acht Jahren systematische die Entwicklung der Schmetterlingsbestände in Österreich und betont: „Sogar die eigentlich weit verbreiteten und anspruchslosen Arten kommen auf den zumeist intensiv genutzten Wiesen oft nur noch in geringer Anzahl vor.“

    Schmetterlings-Hotspot Ostösterreich mit Problemen

    Der Osten Österreichs ist besonders artenreich. Allein in Niederösterreich gibt es rund 3.500 Falterarten, doch ihre Vielfalt nimmt rapide ab. Hauptursachen sind laut Thomas Frank, Leiter des Instituts für Zoologie an der BOKU Wien, „der Verlust blütenreicher Wiesen und nährstoffarmer Magerrasen sowie die Trockenlegung von Mooren.“

    Mehr Platz für Artenvielfalt

    Der Österreichische Tierschutzverein fordert daher ein Umdenken in Raumplanung und Landwirtschaft. „Wir müssen der Natur deutlich mehr Raum geben“, betont Alexios Wiklund. „Brachflächen sollten erhalten und magere Wiesen besser geschützt werden.“

    Dass solche Maßnahmen wirken, zeigt das Forschungsprojekt REGRASS in Niederösterreich. „Mit der Neuanlage von Wiesen im Agrarland kann man den Lebensraum und somit die Überlebenswahrscheinlichkeit vieler Schmetterlingsarten erhöhen“, erklärt BOKU-Professor Thomas Frank.

    Gefährdete Tierarten https://tierschutzverein.at/oesterreich-hat-ein-rote-listen-problem/

    Biodiversität sichtbar machen

    Mit der Artenschutz-Kampagne „Auf (N)immer Wiedersehen“ rückt der Österreichische Tierschutzverein bedrohte Arten in den Fokus. „Wir machen den Verlust der Biodiversität sichtbar und fordern wirksame Schutzmaßnahmen. Jetzt handeln, bevor es zu spät ist“, sagt Alexios Wiklund.

    Artenschutz-Kampagne https://tierschutzverein.at/kampagne/auf-nimmer-wiedersehen/

    Falter im eigenen Garten helfen

    Schmetterlinge meiden stark „aufgeräumte“ Gärten mit kurz gemähtem Rasen und exotischen Zierpflanzen. Häufiges Mähen, Laubbläser und Pestizide gefährden ihr Überleben. Stattdessen brauchen sie heimische Wildpflanzen, Blüten über die gesamte Saison, Raupenfutterpflanzen wie Brennnesseln sowie ungemähte Wiesenstreifen, wilde Ecken und sonnige, geschützte Plätze.

    Garten als Arche Noah https://tierschutzverein.at/dein-garten-als-arche-noah-7-tipps-fuer-ein-lebendiges-tierparadies/

    Rückfragen & Kontakt:
    Alexios Wiklund
    Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
    0660/730 42 91
    wiklund@tierschutzverein.at
    www.tierschutzverein.at/presse

     

     

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Schwalbenschwanz © pexels-erik-karits
Gemeine Bläulinge © pexels-erik-karits
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Zoologe Prof. Thomas Frank © privat
Wildbienen © pexels-michael-hodgins
Schwebfliege pexels-pixabay-65663
Intensive Landwirtschaft © pexels-andre-ulysses-de-salis
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Professor Johannes Rüdisser © Maximilian Frey

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