Schmetterlinge reagieren besonders sensibel auf Umweltveränderungen. Ihr drastischer Rückgang in Österreich ist ein deutliches Warnsignal für den Zustand der heimischen Kulturlandschaft. Daher braucht es einen konsequenten Schutz von Bestäubern und die großflächige Wiederherstellung ihrer Lebensräume.
In Österreich leben etwa 4.200 Schmetterlingsarten, deutlich mehr als in Deutschland. Damit zählt unser Land zu den artenreichsten Regionen Mitteleuropas. Nur rund 200 Arten gehören jedoch zu den farbenfrohen Tagfaltern, die uns mit ihrer Schönheit begeistern.
Die meisten Schmetterlinge fliegen nachts
Denn 90 Prozent aller heimischen Schmetterlinge sind Nachtfalter und meist in der Dämmerung oder im Dunklen unterwegs. Sie werden zwar meist übersehen, leisten aber ebenfalls einen wichtigen Beitrag für die Bestäubung und das ökologische Gleichgewicht.
Intensive Landwirtschaft gefährdet Falter
Falter sind in allen Entwicklungsstadien (Ei, Larve, Puppe, Imago) auf stabile Lebensräume angewiesen. Entsprechend wirken sich intensive Landwirtschaft und klimatische Veränderungen negativ auf ihre Bestände aus. Insbesondere häufige, großflächige Mahd führt durch direkte Mortalität von Larven und Puppen sowie durch abrupten Nahrungsentzug zu erheblichen Verlusten.
Schmetterlinge zeigen, wie es unserer Natur geht
Schmetterlinge gehören zu den wichtigsten Indikatoren für den Zustand unserer Umwelt. Sie reagieren besonders empfindlich auf Veränderungen. Gehen die Schmetterlingsbestände zurück, deutet das auf umfassende Probleme in der Natur hin. Denn häufig gehen mit ihnen auch andere wichtige Bestäuber wie Wildbienen und Schwebfliegen zurück. Sie nutzen dieselben Lebensräume und sind denselben Belastungen ausgesetzt: intensive Landwirtschaft, Bodenversiegelung und Hitzesommer.
Bestäuber sind einfach unverzichtbar
Der Rückgang der Bestäuber gefährdet sowohl die Biodiversität als auch unsere Ernährungssicherheit. Sie sind dafür verantwortlich, dass aus Blüten überhaupt Früchte, Gemüse und Nüsse entstehen. Wenn diese fleißigen Helfer aussterben, fallen Ernten kleiner aus und ihre Qualität sinkt. Damit stünde letztlich unsere gesamte Ernährung auf dem Spiel. Der Zusammenhang zwischen Bestäuberverlust und Nahrungsmittelproduktion ist wissenschaftlich gut belegt.
Intensive Landwirtschaft setzt Faltern zu
Viele Schmetterlingsarten finden heute jedoch immer weniger geeignete Lebensräume.
Forschende der Julius-Maximilians-Universität Würzburg zeigen, wie stark sich intensive Landwirtschaft auf die Insektenwelt auswirkt. Auf Agrarflächen kommen demnach rund 44 Prozent weniger Insektenarten vor. Auch die evolutionäre Vielfalt der Insekten nimmt deutlich ab.
Artenvielfalt in Tieflagen geht zurück
Besonders deutlich zeigt sich der Rückgang in Lagen unter 800 Metern Seehöhe. Forschende der Universität Salzburg berichten von einer sinkenden Vielfalt bei den Tagfaltern. In intensiv genutzten Tieflagen wie dem Alpenvorland oder dem Salzburger Becken gelten bereits 68 Prozent der Arten als gefährdet. 28 Prozent der Schmetterlinge sind dort sogar bereits verschwunden.
Spezialisten verlieren ihren Lebensraum
Einige wenige anpassungsfähige Arten kommen noch häufig vor. Dazu zählen beispielsweise das Große Ochsenauge oder der Kleine Fuchs. Deutlich schwieriger ist die Situation für spezialisierte Arten. Sie benötigen bestimmte Futterpflanzen oder ganz bestimmte Lebensräume. Gehen diese verloren, verschwinden oft auch die darauf angewiesenen Schmetterlinge. Ein Beispiel dafür ist der Quendel-Ameisenbläuling.
Beobachtungen aus dem österreichweiten Viel-Falter-Monitoring zeigen zudem, dass selbst häufige und anspruchslose Arten auf intensiv genutzten Wiesen vielerorts nur noch in geringer Zahl vorkommen.
Ostösterreich ist besonders betroffen
Der Osten Österreichs zählt zu den artenreichsten Regionen des Landes. Allein in Niederösterreich leben rund 3.500 Falterarten. Trotz dieser hohen Vielfalt gehen die Bestände vieler Arten drastisch zurück. Zu den wichtigsten Ursachen zählen der Verlust blütenreicher Wiesen, das Verschwinden nährstoffarmer Magerrasen und die Trockenlegung von Mooren.
Mehr Platz für Natur schaffen
Um Schmetterlinge langfristig zu schützen, braucht es für sie mehr naturnahe Lebensräume. Brachflächen sollten erhalten bleiben, artenreiche Wiesen besser geschützt und wertvolle Lebensräume miteinander vernetzt werden. Dass solche Maßnahmen wirken, zeigen Forschungsprojekte wie REGRASS in Niederösterreich.
Falter im eigenen Garten helfen
Wer Schmetterlinge etwa in seinem Garten schützt, hilft gleichzeitig vielen anderen Insektenarten und stärkt die biologische Vielfalt insgesamt.
Schmetterlinge meiden stark „aufgeräumte“ Gärten mit kurz gemähtem Rasen und exotischen Zierpflanzen. Häufiges Mähen, Laubbläser und Pestizide gefährden ihr Überleben. Stattdessen brauchen sie heimische Wildpflanzen, Blüten über die gesamte Saison, Raupenfutterpflanzen wie Brennnesseln sowie ungemähte Wiesenstreifen, wilde Ecken und sonnige, geschützte Plätze.
Rote Liste der Tagfalter wird aktualisiert
Über die Hälfte der Tagfalterarten in Österreich ist gefährdet. Die aktuelle Rote Liste der Tagfalter stammt allerdings noch aus dem Jahr 2005 und wurde seit 21 Jahren nicht mehr aktualisiert. Für die Nachtfalter ist die Situation noch älter: Die einzige Bewertung erfolgte 2007 und liegt damit fast 19 Jahre zurück. Nun wird die Rote Liste der Tagfalter umfassend neu erarbeitet. Sie soll nicht nur den aktuellen Gefährdungsstatus abbilden, sondern auch konkrete Handlungsempfehlungen für den Schutz der Arten liefern.

