
Österreichischer Tierschutzverein: Insektensterben gefährdet Artenvielfalt und Ernährungssicherheit
PresseOTS (Wien) – Viele Insektenbestände in Österreich schrumpfen dramatisch. Bereits jede zweite Tagfalterart gilt als gefährdet. Das schleichende Insektensterben gefährdet nicht nur unverzichtbare Bestäuber, sondern auch die Artenvielfalt, die heimische Tierwelt und langfristig unsere Lebensmittelversorgung. Der Österreichische Tierschutzverein fordert deshalb entschlossene Maßnahmen zum Schutz der Insekten.
Artenschutz ist kein Luxus, sondern eine unverzichtbare Grundlage für unser Leben. Denn der Großteil der heimischen Kultur- und Wildpflanzen ist auf die Bestäubung durch unsere Insekten angewiesen. Bienen, Schwebfliegen, Schmetterlinge und viele andere kleine Helfer sichern somit täglich unsere Ernährung. Ohne ihre Bestäubungsleistung würden die Ernten von saftigen Äpfeln, süßen Marillen oder aromatischen Kürbissen deutlich geringer ausfallen. Auch die Qualität unserer Lebensmittel wäre gefährdet.
Artenschutz schützt Tier und Mensch
Der Biodiversitätsforscher Professor Franz Essl von der Universität Wien warnt vor den Folgen des Artenverlusts: „Der Verlust der Biodiversität kann zu Ernteausfällen führen und den Einsatz von Pestiziden erhöhen, die potenzielle Risiken für unsere Gesundheit bergen.“
Auch der Verhaltensbiologe Professor Kurt Kotrschal sieht die Entwicklung mit Sorge. Als Beispiel nennt er die Schwebfliegen, die gemeinsam mit Honig- und Wildbienen zu den wichtigsten Bestäubern gehören. „Bei den fast 500 heimischen Arten sind die Bestände massiv eingebrochen.“
Hauptursache: Monokulturen und Pestizide
Während früher Hecken, Wiesen und Blühstreifen wertvolle Lebensräume für viele Insekten boten, prägen heute meist eintönige Agrarflächen die Landschaft. Zusätzlich setzen Pestizide vielen Arten zu, darunter auch den Bienen. Die chemischen Wirkstoffe können ihr Nervensystem beeinträchtigen und ihre Orientierung stören, sodass sie den Weg zum Stock nicht mehr zurückfinden.
Klimawandel verschärft Problem
Der Klimawandel verschärft die Situation zusehends. „Während Pflanzen heute deutlich früher blühen, schlüpfen Bestäuber oft zu spät“, warnt Professor Kurt Kotrschal. Durch diese Verschiebung im natürlichen Rhythmus finden etwa Wildbienen, Schmetterlinge und andere Insekten oft nicht mehr genügend Nahrung und verhungern.
Umweltbundesamt dokumentiert Entwicklung
„Die Faktenlage ist eindeutig: Viele Insektenarten in Österreich sind gefährdet, gleichzeitig verändert sich das Artenspektrum tiefgreifend, was für viele Tierarten eine Verschlechterung ihrer Nahrungsgrundlage bedeutet“, weiß Alexios Wiklund, Sprecher des Österreichischen Tierschutzvereins. So zeigen Daten des Umweltbundesamtes, dass bereits 52 Prozent der Tagfalter (tagaktive Schmetterlinge), 67 Prozent der Libellen und 57 Prozent der Heuschrecken gefährdet sind.
Warum Rückgang der Schmetterlinge ein Alarmsignal ist https://tierschutzverein.at/warum-rueckgang-der-schmetterlinge-ein-alarmsignal-ist/
Folgen für Igel, Kröten und Fledermäuse
Wenn die Insektenbestände zurückgehen, wirkt sich das auf die gesamte Nahrungskette aus. Kleine Säugetiere wie Igel und Fledermäuse, Amphibien wie Kröten und Frösche sowie Fische wie Forellen verlieren ihre wichtigste Lebensgrundlage: eiweißreiche Insekten.
Durch den Insektenrückgang und die Intensivierung der Landnutzung verschlechtern sich zudem die Brutbedingungen vieler heimischer Singvögel. Sie finden weniger eiweißreiche Nahrung für die Aufzucht ihrer Jungen. Bei einigen Arten, etwa dem Feldsperling, sind langfristige Rückgänge gut dokumentiert.
Kleine Schritte, großer Effekt
Professor Essl sieht vor allem die Landwirtschaft als wichtigen Schlüssel zum Schutz der Artenvielfalt: „Vielfältige Anbaumethoden, Blühstreifen und der reduzierte Einsatz von Pestiziden schaffen wieder Lebensräume für Tiere, wo sich Arten erholen können. Das muss der Gesellschaft auch etwas wert sein – etwa durch faire Preise für naturfreundlich erzeugte Lebensmittel.“ Von diesen Maßnahmen profitieren nicht nur die Biodiversität und die Landwirtschaft, sondern letztlich wir alle. Und auch der bewusste Konsum regionaler Bio-Produkte ist ein kleiner, aber wirksamer Schritt.
Artenvielfalt im eigenen Garten
Auch im Alltag kann jeder den Insekten helfen: Perfekt gemähte Rasenflächen, Schottergärten und exotische Pflanzen bieten ihnen kaum Nahrung oder geeignete Lebensräume. Diese entstehen hingegen durch wilde Gartenecken mit flacher Wasserstelle, heimische und saisonal blühende Wildblumen sowie Laub-, Reisig- und Totholzhaufen. Der Österreichische Tierschutzverein empfiehlt zudem, auf Mähroboter zu verzichten. Ihre häufigsten Opfer sind Insekten wie Schmetterlinge in ihrem Puppen- und Raupenstadium.
Ihre Stimme hat Gewicht
Zahlreiche Insektenarten sind bereits in den bundesweiten Roten Listen als gefährdet eingestuft. Umso wichtiger ist es, ihre Lebensräume zu erhalten und gezielte Schutzmaßnahmen umzusetzen. Der Österreichische Tierschutzverein setzt sich mit seiner Artenschutz-Kampagne auch für die Insektenvielfalt ein. Weitere Informationen finden Sie unter: https://tierschutzverein.at/kampagne/auf-nimmer-wiedersehen/
Rückfragen & Kontakt:
Alexios Wiklund
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
0660/730 42 91
wiklund@tierschutzverein.at
www.tierschutzverein.at/presse







