Die Schweinehaltung ist mit rund 2,48 Millionen Tieren ein großer Zweig der österreichischen Landwirtschaft. Sie liefert Fleisch für den heimischen Markt und für den Export. Im Gegensatz zu Rindern prägen sie jedoch kaum das Landschaftsbild: Die meisten Menschen sehen nie ein Mastschwein aus nächster Nähe, obwohl in Österreich Millionen leben. Schweinehaltung findet weitgehend hinter verschlossenen Türen und damit außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung statt. Wie viele Schweine werden in Österreich eigentlich geschlachtet? Wie werden sie gehalten? Und welche Bedeutung haben sie für unsere Landwirtschaft und Ernährung? Ein Blick auf die wichtigsten Zahlen, Daten und Fakten zur Schweinehaltung in Österreich.
Schwein, Sau oder Eber – wer ist hier eigentlich wer?
Bevor wir uns die Schweinehaltung genauer ansehen, sollten wir zunächst klären, von welchen Tieren eigentlich die Rede ist. Obwohl Schweine zu den am häufigsten gehaltenen Nutztieren gehören, sind die unterschiedlichen Bezeichnungen in der Schweinehaltung vielen Menschen kaum bekannt. Dabei verraten diese Begriffe viel über Alter, Geschlecht und Nutzung der Tiere. Wer die Schweinehaltung besser verstehen möchte, sollte deshalb auch die wichtigsten Bezeichnungen kennen.

Jetzt weißt du: Hinter Begriffen wie Ferkel, Sau, Eber oder Mastschwein verbergen sich unterschiedliche Lebensphasen und Aufgaben in der Schweinehaltung. Dieses Wissen hilft dabei, die Zahlen und Fakten rund um Österreichs Schweinebestand besser einzuordnen.
Das Land der Schweine
Die Vorfahren unserer heutigen Hausschweine wurden vor etwa 10.500 Jahren im Nahen Osten domestiziert. Mit der Ausbreitung der Landwirtschaft gelangten die Tiere schließlich auch nach Europa und entwickelten sich zu einem der wichtigsten sogenannten “Nutztiere”.
Bis heute spielt die Schweinehaltung eine große Rolle in der österreichischen Landwirtschaft. Mit einem Produktionswert von 977 Millionen Euro im Jahr 2024 machte sie rund 21 Prozent der tierischen Produktion aus. Damit ist sie nach der Milchproduktion der zweitgrößte Produktionszweig.
Durchschnittlich werden in Österreich pro Person rund 58 Kilogramm Fleisch pro Jahr verzehrt. Mit einem Verzehr von 33 Kilogramm pro Person und Jahr, ist Schweinefleisch mit Abstand die beliebteste Fleischart. Es wird zu zahlreichen Produkten verarbeitet, darunter Wurstwaren wie Extrawurst und Frankfurter sowie verschiedene Schinken- und Specksorten. Auch in vielen Fertiggerichten findet sich Schweinefleisch als Bestandteil.
Die Schweinebranche im Wandel
Sowohl die Anzahl der schweinehaltenden Betriebe als auch die der Schweine selbst sind zurückgegangen. Wurden Mitte der 1990er-Jahre noch rund 3,7 Millionen Schweine gehalten, waren es 2025 noch 2,48 Millionen. Die Betriebe wurden dabei aber immer größer: Im Durchschnitt werden heute rund 157 Schweine pro Betrieb gehalten – etwa viermal so viele wie vor 30 Jahren. Es gibt jedoch auch Betriebe mit mehreren Tausend Schweinen, wie jenen mit rund 13.000 Schweinen in Hollabrunn, der 2025 massiv in der Kritik stand.
Die österreichische Schweinehaltung ist heute stark spezialisiert und durch eine enge Arbeitsteilung zwischen den Betrieben geprägt. Ferkelerzeugende Betriebe halten Muttersauen und ziehen die Ferkel auf. Mit einem Alter von knapp drei Monaten und einem Gewicht von rund 30 Kilogramm wechseln die Tiere in einen Mastbetrieb oder in einen anderen Stall desselben Betriebs. Dort werden sie bis zur Schlachtreife gemästet. Mit etwa sechs bis sieben Monaten erreichen sie ein Gewicht von rund 110 Kilogramm und werden geschlachtet.
Obwohl Schweine bei guter Haltung eine natürliche Lebenserwartung von etwa 15 Jahren haben, werden Mastschweine bereits im Alter von einem halben Jahr geschlachtet. Durch gezielte Zucht und energiereiches Futter wachsen sie besonders schnell und setzen in kurzer Zeit viel Fleisch an. Auch Zuchtsauen erreichen nur einen Bruchteil ihrer natürlichen Lebensspanne. Sie werden meist im Alter von drei bis vier Jahren geschlachtet, wenn ihre Fruchtbarkeit nachlässt und sie weniger Ferkel zur Welt bringen. Anschließend werden sie häufig zu Wurst- und Verarbeitungsprodukten weiterverarbeitet.
Doch wie viele Schweine werden eigentlich in Österreich geschlachtet? Die 2,48 Millionen Tiere beschreiben lediglich den Bestand an einem bestimmten Stichtag. Da Mastschweine bereits nach rund einem halben Jahr ihr Schlachtgewicht erreichen und die Stallplätze anschließend neu belegt werden, ist die Zahl der jährlich geschlachteten Tiere fast doppelt so groß: Im Jahr 2025 wurden in Österreich rund 4,77 Millionen Schweine geschlachtet.

Die meisten der 15.820 Schweinebetriebe stehen in Oberösterreich, gefolgt von Niederösterreich und der Steiermark. Im Gegensatz zur Rinderhaltung spielt die biologische Schweinehaltung in Österreich nur eine geringe Rolle. Lediglich 3,8 Prozent der Schweine werden nach Bio-Kriterien gehalten, das entspricht nur etwa 95.000 Tieren von insgesamt knapp 2,5 Millionen Schweinen. Bei Rindern liegt der Anteil der biologischen Haltung mit rund 22,5 Prozent deutlich höher.
So leben Österreichs Schweine
Konventionelle Schweine werden in Österreich üblicherweise ganzjährig in Ställen gehalten. In der Schweinemast dominieren dabei Ställe mit Vollspaltenböden aus Beton. Die Tiere werden meist ohne Einstreu und ohne Auslauf gehalten, Kot und Harn fallen direkt durch die Spalten in den darunterliegenden Güllekanal. Dieses System spart Arbeit und Platz, schränkt aber die Möglichkeiten der Schweine ein, natürliche Verhaltensweisen wie Wühlen oder Erkunden auszuleben. Wie viel Platz einem Schwein zusteht, hängt von seinem Gewicht ab: Ein Mastschwein bis 110 Kilogramm hat gesetzlich Anspruch auf 0,7 Quadratmeter, so viel wie zwei Fußmatten.
In der Bio-Haltung gelten strengere Vorgaben. Den Schweinen steht deutlich mehr Platz zur Verfügung – einschließlich Auslauf etwa dreimal so viel wie in der konventionellen Haltung. Zudem sind eingestreute Liegeflächen verpflichtend, und die Tiere haben Zugang zu Außenbereichen. Dadurch können sie ihren natürlichen Verhaltensweisen besser nachgehen.

Probleme in der Schweinehaltung
Die Schweinehaltung ist seit Jahrzehnten ein zentrales Thema im Tierschutz. Ein Großteil der Schweine wird auf Vollspaltenböden gehalten – mit wenig Platz, ohne Einstreu wie Stroh, und damit keine Möglichkeiten, ihre natürlichen Verhaltensweisen auszuleben. Der Großteil der Schweine sieht nie Tageslicht und erlebt die Außenwelt erstmals auf dem Transport zum Schlachthof.
Die beengten Haltungsbedingungen und die mangelnde Beschäftigung führen zu Stress und Verhaltensstörungen. Schweine beginnen dann mitunter, sich gegenseitig zu beißen, insbesondere an den Schwänzen. Um solche Verletzungen zu verhindern, werden Ferkeln die Schwänze in den ersten Tagen abgeschnitten. Darüber hinaus werden männliche Ferkel in Österreich noch immer ohne Betäubung kastriert. Außerdem verbringen 95 Prozent der Zuchtsauen fast die Hälfte ihres Lebens in engen Metallkäfigen, den sogenannten Kastenständen.
Auch die in der Schweinehaltung weit verbreitete CO₂-Betäubung vor der Schlachtung wird kritisiert, da die Tiere in den ersten Sekunden nach dem Einatmen des Gases unter Atemnot und Erstickungsgefühlen leiden können.
Das Tier dahinter
Die Zahlen zeigen, welche Rolle Schweine in Österreich spielen. Kein anderes Fleisch wird hierzulande häufiger gegessen. Gleichzeitig steht kaum eine andere Form der Tierhaltung so oft im Mittelpunkt von Tierschutzdebatten.
Wer die Schweinehaltung verstehen will, sollte daher nicht nur auf Produktionszahlen und Konsum blicken, sondern auch auf die Bedingungen, unter denen die Tiere leben. Denn hinter den Millionen Schweinen, die in Österreich gehalten werden, stehen faszinierende, neugierige und soziale Tiere. Sie erkunden ihre Umgebung mit dem Rüssel, suchen enge soziale Bindungen, spielen miteinander und ruhen gemeinsam. Ein besseres Verständnis ihres natürlichen Verhaltens hilft dabei, Schweine nicht nur als Teil der Landwirtschaft, sondern auch als fühlende Lebewesen wahrzunehmen.
Quellen: Landwirtschaft verstehen, BMLUK, Land schafft Leben, BMLUK, Landwirtschaft verstehen, Land schafft Leben, ORF Science, Statistik Austria, Statistik Austria, Land schafft Leben, Niederösterreichische Nachrichten, Schlatzer und Lindenthal


