Ob Frühstücksei, Geburtstagskuchen oder Hühnerfleisch zum Mittagessen: Produkte vom Huhn gehören für viele Menschen ganz selbstverständlich zum Alltag. Doch wie leben die Tiere, die diese Produkte liefern? Wie viele Hühner gibt es in Österreich, was unterscheidet Legehennen von Masthühnern und was steckt eigentlich hinter Begriffen wie Boden-, Freiland- oder Bio-Haltung? Zeit für einen Blick hinter die Stalltür.
Legehenne, Hahn oder Masthuhn – wer ist hier eigentlich wer?
Bevor wir uns die Hühnerhaltung genauer ansehen, sollten wir zunächst klären, von welchen Tieren eigentlich die Rede ist. Denn „Huhn“ ist nur der Oberbegriff für die domestizierte Art. Bezeichnungen wie Henne, Hahn, Küken, Legehenne oder Masthuhn verraten viel über Alter, Geschlecht und Nutzung der Tiere. Wer die Hühnerhaltung besser verstehen möchte, sollte deshalb auch die wichtigsten Bezeichnungen kennen.

Besonders wichtig ist der Unterschied zwischen Legehennen und Masthühnern: Während Legehennen speziell auf eine hohe Eierproduktion gezüchtet werden, sind Masthühner auf schnelles Wachstum und die Fleischproduktion ausgerichtet.
Der Planet der Hühner
Schätzungen zufolge leben heute mehr als 20 Milliarden Hühner auf unserem Planeten. Zum Vergleich: Die Weltbevölkerung umfasst rund 8,3 Milliarden Menschen. Hühner sind damit zahlenmäßig nicht nur die häufigsten Vögel der Welt, sondern übertreffen auch uns Menschen deutlich.
Wann und wie das Haushuhn domestiziert wurde, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Forschende gehen jedoch davon aus, dass dieser Prozess vor rund 3.000 Jahren in Südostasien begann und auf das Bankivahuhn, den wilden Vorfahren unserer heutigen Haushühner, zurückgeht. Im Vergleich zu Hunden, Schafen oder Rindern zählen Hühner damit zu den eher spät domestizierten Haustieren. Ursprünglich wurden Hühner nicht in erster Linie wegen ihres Fleisches gehalten. Lange Zeit hatten sie vor allem einen kulturellen und religiösen Stellenwert. Hühnerfleisch galt als seltene Delikatesse und war wohlhabenden Menschen vorbehalten.
Erst die Industrialisierung der Landwirtschaft im 20. Jahrhundert machte Eier und Hühnerfleisch für breite Bevölkerungsschichten erschwinglich. Gleichzeitig entstanden durch gezielte Zucht Tiere, die entweder besonders viele Eier legen oder besonders schnell Fleisch ansetzen. Mit ihren wilden Vorfahren haben die heutigen Hochleistungshühner deshalb nur noch wenig gemeinsam.
Die Dimension der österreichischen Geflügelwirtschaft
Die Folgen dieser Entwicklung zeigen sich bis heute. Jede Person in Österreich konsumiert durchschnittlich rund 13,8 Kilogramm Geflügelfleisch und etwa 250 Eier pro Jahr. (1) Etwa die Hälfte des Hühnerfleischs wird zu Hause verzehrt, die andere Hälfte in Restaurants, Kantinen oder anderen Außer-Haus-Angeboten. Während im Supermarkt überwiegend österreichisches Geflügelfleisch verkauft wird, stammt der Großteil des Fleisches in der Gastronomie aus dem Ausland. Der Anteil heimischer Ware liegt dort bei nur rund 15 Prozent. (2)
Aktuell werden in Österreich rund 7,3 Millionen Legehennen, 10,8 Millionen Masthühner und 3,1 Millionen Junghennen gehalten. Diese Zahlen geben jedoch lediglich den Tierbestand zu einem bestimmten Stichtag wieder. (3)

Jährlich schlüpfen in Österreich etwa 22,8 Millionen Küken aus der Legehennen-Linie. Rund die Hälfte davon sind männliche Küken. (4) Da sie weder Eier legen noch für die Mast wirtschaftlich geeignet sind, werden sie Großteils kurz nach dem Schlüpfen getötet. Die weiblichen Küken werden zu Legehennen aufgezogen und für die Eierproduktion eingesetzt. Nach einer Nutzungsdauer von 1-1,5 Jahren sinkt ihre Legeleistung, woraufhin sie geschlachtet werden. In Österreich erfolgt dies zentral an dem einzigen Schlachthof für sogenannte „Suppenhühner“.

Noch deutlich höher sind die Zahlen in der Mastgeflügelproduktion. Jährlich schlüpfen etwa 92 Millionen Küken der Masthühner-Linie. (4) Anders als bei den Legehennen werden hier sowohl männliche als auch weibliche Tiere für die Fleischproduktion genutzt. Die Hühner werden in Mastbetrieben innerhalb von nur rund 30 Tagen auf ein Schlachtgewicht von durchschnittlich 1,6 Kilogramm gemästet. Anschließend werden sie geschlachtet. Insgesamt betrifft dies pro Jahr etwa 106,2 Millionen Masthühner. Lediglich 22 Prozent der Masthühner werden im Bio-Bereich gehalten, während die überwiegende Mehrheit in konventionellen Haltungssystemen lebt. (5)

Ist Huhn gleich Huhn?
Vielen Menschen ist nicht bewusst, dass Hühner heute gezielt entweder für die Eier- oder für die Fleischproduktion gezüchtet werden. Welchen Zweck ein Huhn erfüllen soll, steht daher bereits lange vor dem Schlüpfen fest.
Seit den 1950er- und 1960er-Jahren wurden eigene Zuchtlinien entwickelt: Legehennen sollen möglichst viele Eier legen, während Masthühner in kurzer Zeit möglichst viel Fleisch ansetzen. Schon wenige Tage nach dem Schlüpfen sind die Unterschiede sichtbar. Ein Mastküken wirkt kräftiger und wächst deutlich schneller als ein gleichaltriges Küken aus der Legehennen-Linie. Dahinter stehen aufwendige Zuchtprogramme, die auf Eigenschaften wie hohe Legeleistung, schnelles Wachstum oder eine effiziente Futterverwertung ausgerichtet sind. Die Zucht dieser Tiere liegt weltweit in den Händen weniger spezialisierter Unternehmen.
Nicht jedes Huhn lebt gleich
Anders als in vielen anderen EU-Ländern ist die Käfighaltung in Österreich seit 2020 verboten. In den ursprünglichen Käfigsystemen standen einer Henne lediglich 550 Quadratzentimeter Platz zur Verfügung, weniger als die Fläche eines DIN-A4-Blattes. EU-weit lebt jedoch noch immer mehr als ein Drittel der Legehennen in Käfigen. Das bedeutet, dass bei Produkten mit Eiern aus dem Ausland mit hoher Wahrscheinlichkeit Eier aus Käfighaltung verarbeitet wurden.
Von den rund 7,36 Millionen Legehennen in Österreich leben nur 13 Prozent in Bio-Haltung, weitere 31 Prozent in Freilandhaltung. Die Mehrheit der Tiere wird in Bodenhaltung gehalten und lebt ausschließlich im Stall. (6) Moderne Bodenhaltungsställe sind häufig als sogenannte Volieren aufgebaut. Dort können die Hennen mehrere Ebenen nutzen und finden Futter, Wasser, Sitzstangen und Legenester. Dadurch können sie zumindest einen Teil ihrer natürlichen Verhaltensweisen ausleben. In der Freilandhaltung haben die Tiere zusätzlich täglichen Zugang zu einem Außenbereich. In der Bio-Haltung stehen ihnen noch mehr Platz und strengere Vorgaben bei Fütterung und Haltung zur Verfügung.
Bei Masthühnern sehen die meisten konventionellen Ställe ähnlich aus: Die Tiere leben in großen Hallen auf eingestreuten Böden. Futter, Wasser, Licht, Temperatur und Belüftung werden weitgehend automatisch gesteuert. In der Bio-Mast gelten strengere Vorgaben, zudem haben die Tiere Zugang zu einem Außenbereich und mehr Platz.
Quellenverzeichnis
(1) Statistik Austria und Geflügelwirtschaft Österreich
(2) Land schafft Leben (Brancheneinschätzung der Geflügelwirtschaft)
(3) Statistik Austria
(4) Geflügelwirtschaft Österreich
(5) AMA Marketing
(6) BMLUK


