Frösche, Kröten und Molche sind eng an feuchte Lebensräume und geeignete Gewässer gebunden. Deshalb reagieren sie besonders sensibel auf Veränderungen ihres Lebensraums und des Wasserhaushalts. In Österreich setzen der Verlust von Feuchtgebieten und Laichgewässern den Amphibien zunehmend zu. Hitze, längere Trockenperioden und sinkende Wasserstände verschärfen die Situation zusätzlich und erschweren vielerorts die Fortpflanzung.
Wenn das Wasser fehlt, fehlt die Zukunft
Für viele Amphibien beginnt das Jahr im Wasser. Im Frühjahr wandern sie zu ihren Laichgewässern, wo sie ihre Eier ablegen. Aus den Eiern entwickeln sich Larven und Kaulquappen, die für ihre Entwicklung auf ausreichend lange wasserführende Gewässer angewiesen sind. Trocknet ein Teich oder eine Pfütze zu früh aus, kann die Entwicklung der Jungtiere scheitern. Besonders problematisch sind deshalb Gewässer, die zwar im Frühjahr Wasser führen, aber noch vor Abschluss der Metamorphose austrocknen. Doch nicht nur die Fortpflanzung ist vom Wassermangel betroffen. Auch an Land benötigen Amphibien feuchte, strukturreiche Lebensräume. Trockene Böden, hohe Temperaturen und der Verlust von Versteckmöglichkeiten können ihre Überlebenschancen zusätzlich verringern.
Klimakrise verstärkt bestehende Probleme
Amphibien leiden nicht erst seit dem Klimawandel unter Lebensraumverlust. Feuchtgebiete wurden vielerorts entwässert, Gewässer verbaut oder zugeschüttet und Landschaften durch intensive Nutzung immer stärker verändert. Straßen zerschneiden Wanderwege zwischen Laichgewässern und Landlebensräumen. Die zunehmende Erwärmung und veränderte Niederschlagsverteilung verschärfen diese Belastungen. Häufigere und längere Trockenperioden können dazu führen, dass Kleingewässer früher austrocknen und Grundwasserstände sinken. Gleichzeitig können Starkregenereignisse Wasser sehr schnell abführen, anstatt es langfristig in der Landschaft zu halten. Für Amphibien ist das besonders problematisch, weil ihre Lebenszyklen eng an den Wasserhaushalt ihrer Umgebung gekoppelt sind.
Auch häufige Arten sind nicht automatisch sicher
Wie stark sich die Situation verschärft, zeigt sich auch bei ehemals häufigen Amphibien. Ein Beispiel ist der Grasfrosch. Obwohl er in Österreich noch weit verbreitet ist, werden auch bei dieser Art in manchen Regionen rückläufige Bestände beobachtet. Das macht deutlich: Häufigkeit allein ist kein Garant für langfristige Sicherheit. Besonders dramatisch ist die Situation beim Europäischen Laubfrosch in Wien und Niederösterreich, wo er als stark gefährdet. Im Burgenland ist der grüne Frosch lokal sogar vom Aussterben bedroht.
Warum Amphibien für die Natur wichtig sind
Amphibien sind weit mehr als faszinierende Bewohner unserer Teiche und Feuchtgebiete. Sie erfüllen wichtige Funktionen in Ökosystemen. Als Räuber erbeuten sie unter anderem zahlreiche Insekten und andere Wirbellose. Gleichzeitig sind sie selbst eine wichtige Nahrungsquelle für Vögel, Reptilien und Säugetiere. Gehen Amphibienbestände zurück, betrifft das daher nicht nur eine einzelne Tiergruppe. Veränderungen können sich auf ganze Nahrungsnetze auswirken. Darüber hinaus sind Amphibien wichtige Bioindikatoren. Weil ihre Haut durchlässig ist und sie verschiedene Lebensphasen im Wasser und an Land verbringen, reagieren sie empfindlich auf Veränderungen ihrer Umwelt. Rückgänge können deshalb ein Warnsignal für verschlechterte Lebensbedingungen in Feuchtgebieten sein.
Viele kleine Gewässer sind besser als wenige große
Eine wichtige Maßnahme für den Amphibienschutz ist der Erhalt beziehungsweise die Wiederherstellung von Kleingewässern. Dazu zählen beispielsweise Tümpel, flache Teiche und zeitweise wasserführende Gewässer. Entscheidend ist dabei nicht nur die Größe eines einzelnen Gewässers. Ein dichtes Netzwerk verschiedener, möglichst miteinander erreichbarer Gewässer kann Populationen widerstandsfähiger machen. Wenn ein Gewässer in einer trockenen Phase ausfällt, können andere Gewässer weiterhin als Laichplatz dienen. Für viele Amphibien sind außerdem fischfreie Gewässer besonders wertvoll. Fische können Amphibienlarven und Laich fressen und dadurch den Fortpflanzungserfolg beeinträchtigen. Flache, strukturreiche und fischfreie Kleingewässer können daher wichtige Rückzugs- und Fortpflanzungsorte sein.
Wasser muss länger in der Landschaft bleiben
Amphibienschutz ist auch Wasserschutz. Werden Moore, Feuchtwiesen und andere Feuchtlebensräume erhalten oder renaturiert, kann Wasser länger in der Landschaft gespeichert werden. Naturnahe Gewässer und eine vielfältige Landschaft helfen dabei, den Wasserhaushalt zu stabilisieren und Lebensräume miteinander zu verbinden. Auch außerhalb von Schutzgebieten kann viel erreicht werden: Gewässerrandstreifen, naturnahe Gräben, Hecken, Gehölze und andere Strukturen können als Rückzugsräume und Wanderkorridore dienen. Gleichzeitig sollten Pestizideinträge in und an Gewässern möglichst vermieden werden.
Was Amphibien im eigenen Garten brauchen
Auch private Gärten können zu wichtigen Trittsteinen im Amphibienschutz werden. Ein naturnaher, fischfreier Gartenteich kann als Laichgewässer dienen. Schattige und feuchte Bereiche, Laub- und Totholzhaufen sowie eine möglichst wenig versiegelte Gartenfläche bieten Verstecke und Rückzugsmöglichkeiten. Wer Amphibien fördern möchte, sollte außerdem auf Pestizide und unnötige Düngung verzichten. Kellerschächte, Lichtschächte und andere Öffnungen sollten mit geeigneten Schutzgittern gesichert werden. So lassen sich gefährliche Fallen vermeiden, in denen Tiere hineinfallen und nicht mehr herauskommen.
Amphibienschutz braucht ein Netzwerk
Der Rückgang der Amphibien zeigt, wie eng Artenschutz und der Umgang mit Wasser miteinander verbunden sind. Einzelne Maßnahmen können helfen – langfristig braucht es jedoch ein funktionierendes Netzwerk aus Laichgewässern, naturnahen Landlebensräumen und sicheren Wanderwegen.
Was Amphibien jetzt brauchen:
- den Schutz und die Renaturierung von Feuchtgebieten,
- ein flächendeckendes Netzwerk fischfreier Kleingewässer,
- sichere Verbindungen zwischen Laichgewässern und Landlebensräumen,
- Maßnahmen, die Wasser länger in der Landschaft halten,
- pestizidarme beziehungsweise pestizidfreie Gewässerrandzonen,
- naturnahe Strukturen auch in Gärten und Siedlungsräumen.
Wo Frösche, Kröten und Molche geeignete Lebensräume finden, profitieren meist auch zahlreiche andere Tier- und Pflanzenarten. Amphibienschutz bedeutet deshalb, Wasser, Lebensräume und biologische Vielfalt gemeinsam zu schützen.



