Für uns den Österreichischen Tierschutzverein steht das Wohl der Tiere an erster Stelle.

Das unsichtbare Leben von 26 Millionen Tieren

Rinder auf grünen Weiden, Schweine im Stroh und Hühner im Freien prägen das Bild, das viele Menschen von der landwirtschaftlichen Tierhaltung in Österreich haben. Dieses Bild wird uns durch Werbung seit Jahrzehnten gezielt vermittelt. Die Realität sieht jedoch oft anders aus: Der Großteil der Tiere lebt in Haltungssystemen, die vor allem auf Effizienz und Wirtschaftlichkeit ausgerichtet sind. Wenig Platz, mangelnde Beschäftigung und stark eingeschränkte Möglichkeiten, natürliche Verhaltensweisen auszuleben, prägen ihren Alltag. Hinzu kommen Eingriffe, die die Tiere an die Haltungssysteme anpassen. Also weit entfernt von grünen Weiden, Stroh im Stall und Auslauf unter freiem Himmel. Ein Blick auf die Zahlen zeigt das Ausmaß.

Die Dimensionen der österreichischen Nutztierhaltung

In Österreich werden aktuell knapp 26 Millionen Rinder, Schweine und Hühner landwirtschaftlich gehalten. Bei Schafen belauft sich die Anzahl auf circa 400.000 Tiere, hinzu kommen noch Puten, Gänse, Enten, Ziegen und Pferde.

Die Zahlen sind so groß, dass sie kaum greifbar erscheinen: Allein die Anzahl der gehaltenen Hühner übersteigt die österreichische Bevölkerung um ein Vielfaches. Insgesamt leben hierzulande fast dreimal so viel sogenannte “Nutztiere” wie Menschen.

Bezeichnungen in der Schweinehaltung 55 1 Österreichischer Tierschutzverein

Trotz dieser großen Zahl bleiben die meisten dieser Tiere für die Öffentlichkeit nahezu unsichtbar. Anders als Haus- oder Wildtiere leben sie überwiegend in geschlossenen Ställen und damit außerhalb unserer alltäglichen Wahrnehmung. Genau deshalb lohnt sich ein Blick auf die Zahlen: Sie machen sichtbar, wie viele Tiere von diesem Haltungssystem betroffen sind und welche Dimension die landwirtschaftliche Tierhaltung tatsächlich hat.

Die Tiere hinter den Zahlen

Die rund 26 Millionen Tiere, die in Österreich gehalten werden, zeigen nur eine Momentaufnahme. Die jährliche Viehbestandserhebung erfasst den Tierbestand zu einem bestimmten Stichtag und bildet daher nur jene Tiere ab, die zu diesem Zeitpunkt gehalten werden.

Tatsächlich steht hinter dieser Momentaufnahme ein System, in dem jedes Jahr 114 Millionen Rinder, Schweine und Hühner geboren, gehalten und geschlachtet werden.

  • Das sind 311.000 Tiere pro Tag,
  • 12.960 Tiere pro Stunde und
  • 216 Tiere pro Minute.
  • Hinzu kommen knapp 320.000 Schafe pro Jahr, wovon der Großteil Lämmer sind, sowie Puten, Gänse, Enten, Ziegen und Pferde.
Bezeichnungen in der Schweinehaltung 56 1 Österreichischer Tierschutzverein

Die meisten Menschen kommen mit diesen Zahlen kaum in Berührung. Fleisch, Milch und Eier sind alltägliche Produkte, die jederzeit verfügbar sind. Die hohen Schlachtzahlen zeigen jedoch, welche Anzahl an Tieren hinter dieser Selbstverständlichkeit stehen.

Besonders deutlich wird die Schnelllebigkeit dieses Systems außerdem beim Blick auf das Alter der Tiere: Die meisten werden geschlachtet, lange bevor sie ihre natürliche Lebenserwartung erreicht hätten.

  • Mastrinder: Schlachtung mit 18-20 Monate, Lebenserwartung ~20 Jahre
  • Mastschweine: Schlachtung mit 6-7 Monaten, Lebenserwartung ~15 Jahre
  • Masthühner: Schlachtung mit 30-40 Tagen, Lebenserwartung ~ 6-8 Jahre
  • Lämmer: Schlachtung mit 3-6 Monaten, Lebenserwartung ~ 10-12 Jahre

Sogenannte „Nutztiere“ erreichen nicht nur bei Weitem nicht ihre natürliche Lebenserwartung, viele werden sogar geschlachtet, obwohl wir sie – wie andere Tiere in diesem Alter – noch als „Babys“ bezeichnen würden.

Ein System auf Effizienz ausgerichtet

Die landwirtschaftliche Tierhaltung ist heute vor allem auf Wirtschaftlichkeit und hohe Produktionsleistungen ausgerichtet. Sie erwirtschaftet jährlich rund 15,6 Milliarden Euro. Um möglichst effizient produzieren zu können, werden viele Tiere unter Bedingungen gehalten, die ihren artspezifischen Bedürfnissen nicht gerecht werden.

Ein Blick auf die gesetzlich vorgeschriebenen Platzverhältnisse macht die Einschränkungen im Alltag der Tiere deutlich und zeigt, wie begrenzt der Raum ist, der vielen Tieren für Bewegung, Ruhe und soziale Interaktionen tatsächlich zur Verfügung steht.

  • Ein Rind bis 650 kg auf 2,70 m2 = zwei Yogamatten
  • Ein Schwein bis 110 kg auf 0,7 m2 = zwei Fußmatten
  • 15 Hühner mit 2 kg auf 1m2 = ein DIN A4 Blatt

Um die Haltung vieler Tiere auf engem Raum möglichst effizient zu gestalten und wirtschaftliche Verluste zu minimieren, werden zudem verschiedene Eingriffe an den Tieren vorgenommen. Darunter fallen die betäubungslose Kastration bei Ferkeln, das Beschneiden von Schwänzen bei Schweinen oder das Ausbrennen der Hornanlagen bei Rindern. Diese unterscheiden sich je nach Tierart, haben jedoch dasselbe Ziel: Die Tiere an das Haltungssystem anzupassen und nicht das System an die Bedürfnisse der Tiere.

Unsichtbare Tiere & sichtbare Produkte

Während Hunde, Katzen und Wildtiere Teil unseres Alltags sind, bleiben die Millionen sogenannten „Nutztiere“ meist unsichtbar. Sie leben hinter verschlossenen Stalltoren, wobei ihr tägliches Leben und der Ablauf am Schlachthof für die meisten Menschen verborgen bleiben.

Sichtbar werden sie häufig erst als Produkte im Supermarktregal. Fleisch, Milch und Eier sind jederzeit verfügbar, die Millionen Tiere dahinter jedoch kaum wahrnehmbar. Gleichzeitig vermitteln Werbebilder oft eine idyllische Haltung mit grünen Wiesen und freiem Auslauf, die mit der Realität vieler Tiere wenig gemein hat.

Mit Information, Austausch und bewussten Konsumentscheidungen können wir dazu beitragen, dass das Leben sogenannter „Nutztiere“ sichtbarer wird.

Während du diesen Artikel liest, wurden in Österreich rund 1.000 Tiere geschlachtet.

Quellen: Statistik Austria, Statistik Austria, RIS Bundesrecht Rinder, RIS Bundesrecht Schweine, RIS Bundesrecht Geflügel, Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Landwirtschaft verstehen, AMA Info, Lawhorn, 2024, Schweinehaltung Österreich, Life Cycle of a Laying Hen, Land schafft Leben, Medpets, Landwirtschaftskammer Österreich

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