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    Österreichischer Tierschutzverein: Feldhamster vom Aussterben bedroht, Stadtleben als Überlebensstrategie

    Presse

    OTS (Wien) – Der Feldhamster steht in Europa vor dem Aussterben, auch in Österreich. Hauptursache ist die intensive Landwirtschaft. Überlebenschancen hat der putzige Nager ausgerechnet in der Stadt. So herrschen am Wiener Zentralfriedhof überraschend gute Bedingungen, wie die Verhaltensforscherin Dr. Carina Siutz weiß. Trotzdem reicht diese „städtische Rettungsinsel“ allein nicht aus, um den Feldhamster langfristig zu retten. Deshalb fordert der Österreichische Tierschutzverein, den natürlichen Lebensraum des Feldhamsters in der Landwirtschaft schnell und gezielt zu verbessern.

    Der Feldhamster ist bemerkenswert. Bereits als Jungtier. Bei der Geburt wiegt er gerade einmal 5 Gramm, so viel wie eine 20-Cent-Münze. In Rekordzeit wächst er bis zum 120-fachen Geburtsgewicht heran. Würden wir Menschen auch so schnell zunehmen, würden wir über 400 Kilogramm wiegen!

    Industrielle Landwirtschaft vertreibt Feldhamster

    Doch dieser kleine Überlebenskünstler wird zunehmend zum Opfer der industriellen Landwirtschaft. Denn der Feldhamster ist für Wachstum und Winterschlaf auf viele Körner und Samen angewiesen. Doch auf intensiv bewirtschafteten Feldern findet er diese kaum noch. Moderne Erntemaschinen hinterlassen kaum Nahrung für ihn. Gleichzeitig vernichten Pestizide wichtige Wildkräuter und Insekten. Außerdem schrumpft sein Lebensraum durch den Rückgang kleinstrukturierter Feldränder sowie durch zunehmende Zersiedelung und Bodenversiegelung.

    Feldhamster vom Aussterben bedroht

    Seit den 1970er-Jahren sind die Bestände des Feldhamsters dramatisch eingebrochen, mehrere Vorkommen sind vollständig verschwunden. Heute gibt es geschätzt Österreich nur noch rund 20.000 Tiere. Die Restbestände finden sich vor allem in Niederösterreich (rund 75 %), im Burgenland sowie in Wien, etwa in Friedhöfen, Parks und Kleingartenanlagen.  „Wenn wir dem Feldhamster jetzt nicht helfen, wird eines der faszinierendsten Wildtiere unserer Kulturlandschaft in völlig von der Bildfläche verschwinden“, warnt Alexios Wiklund, Sprecher des Österreichischen Tierschutzvereins.

    Feldhamster vom Aussterben bedroht Tierschutzverein – Feldhamster vom Aussterben bedroht

    Landflucht: bessere Chancen in der Stadt

    Offene Wiesen, seltene Mahd, Pestizidverzicht und fehlende landwirtschaftliche Störungen ermöglichen eine stabile Population wie Verhaltensforscherin Dr. Carina Siutz von der Universität Wien weiß. Sie erforscht die Feldhamster-Population in der Großstadt Wien intensiv, unter anderem die Auswirkungen von Nahrungsvorräten auf den Winterschlaf und den Fortpflanzungserfolg. Für ihre Arbeit erhielt sie 2019 den Forschungspreis der Deutschen Wildtier Stiftung.

    Ernährungsumstellung hilft Feldhamster

    Hamsterexpertin Siutz: „Städtischen Feldhamstern steht kein Getreide zur Verfügung, daher sammeln sie für den Winter vor allem Samen und Nüsse wie Eicheln oder Haselnüsse.“  Sie finden fast immer Grünpflanzen als Nahrung, besonders Klee und Löwenzahn. Auch Gemüse und Früchte wie Karotten, Kirschen oder Äpfel fressen sie.

    Hamster-Paradiese Zentralfriedhof und Meidlinger Friedhof

    Österreichs größter Friedhof bietet den seltenen Nagern ideale Bedingungen: reichlich Nahrung, keine Bodenverdichtung durch schwere Maschinen und ausreichend Deckung für den Bau seiner unterirdischen Gänge. Zudem gibt es in der Stadt deutlich weniger natürliche Feinde wie Füchse oder Greifvögel. Heute liegen jedoch (internationale) Tierfotografen auf der Lauer, um einen Schnappschuss zu machen – ebenso am Meidlinger Friedhof. Sie bieten ideale Bedingungen und wenig Störung. Wiens innerstädtische Vorkommen sind einzigartig in Europa, aber quantitativ marginal gegenüber ländlichen Refugien.

    Wiener Hamsterweibchen fruchtbarer

    Wenn Feldhamster die Möglichkeit haben, vor dem Winter Vorräte mit energiereicher Nahrung anzulegen, erhöht sich ihr Fortpflanzungserfolg im nächsten Jahr. Daher bekommen Wiener Hamsterweibchen, wie Hamsterexpertin Siutz herausgefunden hat, oft mehr Nachwuchs als ihre Verwandten auf dem Land. Passen die Lebensbedingungen, kann sich die Art wieder erholen.

    Das sollten sie über Feldhamster wissen

    Feldhamster, warnt die Wissenschaftlerin, sollte man nie zufüttern, da dies ihre natürlichen Feinde (Ratten) anlockt. Auch nicht im Winter. „Das würde ihren energiesparenden Winterschlaf unterbrechen und die Hamster aus sicheren Bauen locken, wo sie Fressfeinden ausgesetzt sind“, erklärt Carina Siutz. Obwohl der Feldhamster in Wien streng geschützt ist, sterben immer wieder Tiere durch Giftköder, illegale Tötungen oder Bauprojekte – besonders Rattengift in privaten Gärten bleibt ein Problem.

    Kritische Situation bleibt bestehen

    „Jetzt braucht der Feldhamster auch außerhalb der Großstadt wieder eine Zukunft und dringend naturnahe Lebensräume“, fordert Alexios Wiklund. Davon würden auch andere Offenlandarten wie das Ziesel und die Zauneidechse, die ebenfalls auf der Liste bedrohter Tiere stehen, profitieren.

    Der Feldhamster braucht jetzt Hilfe

    Die Situation des Feldhamsters in Österreich ist weiterhin alarmierend mit klar negativer Bestandsentwicklung. Der Österreichische Tierschutzverein fordert daher mehr Schutz für den seltenen Nager. Entscheidend sind:

    • eine hamsterfreundlichere Landwirtschaft,
    • mehr naturnahe Grünflächen und Lebensraumvernetzung,
    • ein Stopp der weiteren Zersiedelung.

    Rückfragen & Kontakt:
    Alexios Wiklund
    Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
    0660/730 42 91
    wiklund@tierschutzverein.at
    www.tierschutzverein.at/presse

     

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Wissenschaftlerin Dr. Carina Siutz© Christine Sonvilla

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