Für uns den Österreichischen Tierschutzverein steht das Wohl der Tiere an erster Stelle.

    Österreichischer Tierschutzverein: Erst der Hitzestress, jetzt die Freizeitjäger – Österreichs Murmeltiere kämpfen ums Überleben

    Presse

    OTS (Wien) – Für die Murmeltiere in den Alpen folgt auf den enormen Hitzestress die nächste große Gefahr: die beginnende Jagdsaison! Sie startet an diesem Wochenende und dauert bis Oktober. Trotz ihres Status als „potenziell gefährdete“ Säugetiere werden auch heuer voraussichtlich wieder rund siebentausend Murmeltiere getötet. Der Österreichische Tierschutzverein kritisiert die hohen Abschusszahlen und fordert ein rasches Ende der Jagd-Safaris, die Murmeltiere als touristische Trophäen vermarkten. Besonders brisant: Die Abschüsse werden Nachwuchsjägern als Einstieg in die hochalpine Jagd schmackhaft gemacht.

    Die Alpenmurmeltiere sind Überlebenskünstler der Eiszeit. Oberhalb der Baumgrenze schützen weitverzweigte Erdbau-Systeme die geselligen Nager vor extremen Wetterbedingungen und Fressfeinden wie Steinadler oder Rotfuchs. Ihre Höhlen verlassen sie nur in den wenigen warmen Sommermonaten, um sich die überlebenswichtige Fettschicht für den siebenmonatigen Winterschlaf anzufuttern.

    Verpasste Fressmöglichkeiten senken Überlebens-Chancen

    „Doch die in den Alpen seit Jahren messbar gestiegenen Temperaturen drängen die ausgesprochen wärmeempfindlichen Tiere immer öfter in ihre kühlen Baue zurück. Das Problem: Jede verpasste Fressmöglichkeit senkt ihre Chancen, den langen, harten Winter zu überleben“, weiß Alexios Wiklund, Sprecher des Österreichischen Tierschutzvereins.

    Überlebenskünstler Murmeltier https://tierschutzverein.at/das-alpine-murmeltier-ein-stiller-ueberlebenskuenstler/

    7.143 Murmeltiere abgeschossen im Jagdjahr 2024/25

    Als ob die Auswirkungen der globalen Klimakrise sie nicht schon hart genug treffen, droht den geschwächten Alpentieren jetzt die nächste tödliche Gefahr mit dem Start der Murmeltierjagd. Wie massiv diese in Österreich betrieben wird, belegen offizielle Zahlen von Statistik Austria. Im Jagdjahr 2024/25 wurden österreichweit 7.143 Murmeltiere erlegt. Mehr als die Hälfte davon in Tirol (3.955 Tiere), gefolgt von Salzburg (1.730), Kärnten (871), Vorarlberg (389) und der Steiermark (196).

    Murmeltiere in Roter Liste : „potenziell gefährdet“

    Der Österreichische Tierschutzverein kritisiert die hohen Abschusszahlen angesichts der ohnehin angespannten Lage scharf. 2005 wurden die alpinen Murmeltiere in der Roten Liste der Säugetiere als „potenziell gefährdet“ eingestuft. „Seither folgte ein Rekordsommer dem nächsten und verschärfte ihre Lebensbedingungen. Doch in noch höheren Lagen können die Murmeltiere kaum mehr ausweichen, für sie wird es buchstäblich eng“, betont Alexios Wiklund.

    Jagd-Safaris als zünftiges Urlaubserlebnis – auch für Jugendliche

    Unverständlich bleibt auch, dass weiterhin pauschale Jagd-Safaris die Murmeltierjagd als wildromantisches Abenteuer für Freizeitjäger inmitten einer atemberaubenden Bergwelt anbieten. Besonders brisant: Gezielt werden auch Jugendliche angesprochen. Der Murmeltierabschuss wird ihnen als Einstieg in die hochalpine Jagd angepriesen.

    Freizeitvergnügen auf Kosten des Artenschutzes

    Verhaltensforscher Professor Kurt Kotrschal, Wissenschaftler des Jahres 2010, kritisiert: „Gefährdete Wildtiere wie Murmeltiere weiterhin zu bejagen und ihren Abschuss sogar als ‚Einstiegsjagd‘ für Jungjäger zu vermarkten, ist unverantwortlich. Wer Artenschutz ernst nimmt, darf die Jagd nicht zum Freizeitvergnügen auf Kosten gefährdeter Tiere machen.“

    Tierschutzverein kritisiert „sportliche“ Trophäenjagd

    „Die sportliche Jagd auf Murmeltiere widerspricht unseren ethischen Grundsätzen und den Zielen des Tierschutzes. Sie fördert eine Mentalität, die das Leben von Tieren als Ware betrachtet, die nach Belieben ausgenutzt und getötet werden kann“, kritisiert Alexios Wiklund.

    Österreichs Jagdtourismus nutzt lockere Regeln

    Österreichs vergleichsweise großzügige Jagdregeln locken zahlungskräftige ausländische Gäste zur Murmeltierjagd. In Deutschland sind Murmeltiere ganzjährig geschützt, in der Schweiz ist die Jagdsaison kürzer. In Italien dürfen sie nur in Ausnahmefällen erlegt  werden. Auch Teile der heimischen Berufsjägerschaft sehen diese kommerziellen Jagdangebote kritisch.

    Murmeltier als begehrte Trophäe

    Besonders befremdlich ist, dass Anbieter Murmeltiere vor allem als Trophäe vermarkten. Das zeigt auch der Hinweis zur Wahl des Kalibers.  „Von größeren Kalibern raten wir ab, da man von der Trophäe noch etwas haben will und außerdem Murmeltiere eine schmackhafte Delikatesse sind“, empfiehlt ein Anbieter.

    Ausmaß der Bejagung gerechtfertigt?

    „Wir brauchen keine Jagdreisen, bei denen Murmeltiere für den reinen Nervenkitzel zu Zielscheiben degradiert werden“, sagt Alexios Wiklund. „Was wir brauchen, ist ein zeitgemäßer Schutz dieser sensiblen Alpentiere und eine solide Datenbasis. Nur so lässt sich beurteilen, ob und in welchem Ausmaß eine Bejagung überhaupt gerechtfertigt ist.“ Fehlen diese Daten oder sind sie veraltet, sterben Arten aus, bevor wir überhaupt reagieren können. Doch nur 3 von 27 bundesweiten Roten Listen sind aktuell und als wissenschaftliches Frühwarnsystem für den heimischen Artenschutz sinnvoll nutzbar.

    Jetzt Rote Listen aktualisieren! Ihre Stimme schützt Österreichs Artenvielfalt. https://tierschutzverein.at/petitionen/rote-listen/

    Murmeltierjagdsaison: August bis Oktober

    Die Murmeltierjagd ist in Österreich Ländersache. Als jagdbare Wildtiere dürfen Murmeltiere unter anderem zur Bestandsregulierung, wegen Schäden an Almflächen sowie aus Gründen der Fleisch- und Traditionsnutzung und des Jagdtourismus bejagt werden.

    Tirol: 15. August bis 30. September.
    Salzburg: 16. August bis 15. Oktober.
    Vorarlberg: 16. August bis 30. September.
    Kärnten: 1. August bis 15. Oktober.
    Oberösterreich: 16. August bis 31. Oktober.

    Beispiel für Murmeltierjagdangebot

    Die Murmeltier-Trophäe kostet bei einem Anbieter 500 Euro, der Tagessatz 350 Euro pro Jäger. Darin enthalten sind die Fahrten im Jagdgebiet, alle erforderlichen Unterlagen sowie die professionelle Betreuung durch Berufsjäger. Für ein angeschossenes, aber nicht erlegtes (angeschweißtes) Murmeltier werden meist 50 Prozent des regulären Preises berechnet.

    Temperaturanstieg: wissenschaftliche Einordnung

    Der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und von GeoSphere Austria zeigen, dass sich der Alpenraum langfristig deutlich stärker erwärmt als der globale Durchschnitt. GeoSphere Austria gibt für Österreich gegenüber 1850–1900 etwa +3,1 °C gegenüber rund +1,4 °C global an.

    https://klimaportal.geosphere.at/informationsportal-klimawandel/neoklim_lufttemperatur.html

    Rückfragen & Kontakt:
    Alexios Wiklund
    Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
    0660/730 42 91
    wiklund@tierschutzverein.at
    www.tierschutzverein.at/presse

     

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Alexios Wiklund, Sprecher des Österreichischen Tierschutzvereins © Österreichischer Tierschutzverein
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Professor Kurt Kotrschal © Privat

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