Für uns den Österreichischen Tierschutzverein steht das Wohl der Tiere an erster Stelle.

    Österreichischer Tierschutzverein: Wollindustrie verursacht Tierleid durch Qualzucht und Massentierhaltung bei Angora- und Merinowolle

    Presse

    OTS – (Wien/Stockerau) Die Kältewelle lässt Österreich nach warmen Pullis und Hauben greifen – doch viele Wollprodukte haben eine grausame Kehrseite. Der Österreichische Tierschutzverein warnt vor Produkten mit Angora- und Merinowolle: Hinter dem Kuschelfaktor stecken oft Qualzucht, Verstümmelung und jahrelanges Leid in der Massentierhaltung.

    In freier Wildbahn hätte das Angorakaninchen Lucky nicht lange überlebt. Am Assisi-Hof in Stockerau erhielt er jedoch eine regelmäßige Fellpflege. „Ohne sie wäre Lucky bald in seinem eigenen Fell gefangen gewesen und an seiner dichten Wolle erstickt“, erklärt Alfred Kofler, Leiter der Tierpflege.

    Gezielte Qualzucht für die Wollindustrie

    Das Fell von Angorakaninchen ist das Ergebnis gezielter Qualzucht über viele Generationen hinweg. Dadurch ist diese domestizierte Kaninchenrasse in der freien Wildbahn nicht überlebensfähig.

    Luxusprodukt mit dunkler Kehrseite

    Über 20 Millionen Tiere vegetieren heute als Wollmaschinen der Massentierhaltung. Meist allein in Drahtkäfige gepfercht, um Fellverschmutzung durch Artgenossen zu vermeiden. Die industrielle Produktion erfolgt mittlerweile fast ausschließlich in China (mindestens 90 Prozent). Erschreckend ist dabei die grausame Praxis der Wollgewinnung: Das Fell wird den Nagern bis zu viermal pro Jahr büschelweise ausgerissen. Diese Prozedur kann bis zu 2 Stunden dauern. Dabei erleiden viele Tiere schwere Verletzungen oder sterben sogar durch Schock oder Infektionen.

    Qualzucht bei Angorakaninchen https://tierschutzverein.at/angorakaninchen-grausame-qualen-fuer-luxurioese-wolle/

    Wollmaschinen: allein in kleinen Käfigen

    Mützen, Schals, Pullover oder Unterwäsche mit Angorawolle gelten als besonders warm und kuschelig. „Angorawolle ist ein Luxusprodukt. Die internationale Produktion degradiert die sozialen und bewegungsfreudigen Kaninchen zu reinen Wollmaschinen“, sagt Alexios Wiklund, Sprecher des Österreichischen Tierschutzvereins. Sie leben dauerhaft allein in viel zu kleinen Drahtkäfigen.

    Merinowolle: Verstümmelung statt Zuchtwandel

    Auch Merinowolle steht in der Kritik. Vor allem in Australien, wo 80% der australischen Wollproduktion von Merinoschafen stammt. Dort ist das sogenannte Mulesing weit verbreitet. Dabei werden Lämmern schmerzhaft Hautstücke im Analbereich entfernt – meist ohne Betäubung –, um Fliegenmadenbefall vorzubeugen.

    Tierleid durch Mulesing https://tierschutzverein.at/mulesing-so-leiden-merinolaemmer/

    Fehlende Betäubung und mangelnde Kontrolle

    Durch extreme Zucht haben Merinoschafe viele Hautfalten, die zwar mehr Wolle bringen, den Tieren aber großes Leid zufügen. Statt diese Qualzucht zu beenden, werden die Schafe weiter verstümmelt, kritisiert Wiklund. Dabei zeigen Länder wie Neuseeland, dass es auch ohne Mulesing geht – dort ist die Praxis seit Oktober 2018 verboten. In den meisten Produktionsländern fehlen jedoch weiterhin wirksame Tierschutzgesetze und Kontrollen, und viele Zertifikate sind freiwillig, intransparent oder unzureichend geprüft.

    Australien: Marktführer bei Merinowolle

    Merinoschafe machen global etwa 62 Prozent des Wollsegments aus, wobei Australien den Löwenanteil produziert. Der Rest kommt aus Neuseeland, Südafrika und Argentinien. Europa hat einen sehr geringen Anteil an Merinoschafen – geschätzt unter 2 Prozent.

    Bewusst tierfreundlich einkaufen

    Das Tierleid findet meist im fernen Ausland statt – bezahlt wird es jedoch hier. Der Österreichische Tierschutzverein appelliert daher an Konsumenten, bewusst einzukaufen. „Wer nicht sicher weiß, woher die Wolle stammt und unter welchen Bedingungen die Tiere gehalten wurden, sollte konsequent darauf verzichten“, sagt Alexios Wiklund.

    Tierfreundliche Alternativen

    Statt Angora und Merino rät der Österreichische Tierschutzverein zu smarten Alternativen: Lyocell (TENCEL™), eine nachhaltige Faser aus Holz-Zellulose, ist weich, atmungsaktiv, hat eine hohe Feuchtigkeitsaufnahme (bis 50 Prozent mehr als Baumwolle) und ist laut TU Graz fast so warm wie Merinowolle. Die Universität testet auch Sojaseide: sie fühlt sich wie Kaschmir an, hält sogar bei –10 °C warm und ist frei von allergenem Lanolin.

    Auch SeaCell, eine Zellulosefaser aus Holz und Meeresalgen, speichert durch ihre poröse Struktur Luft und damit Wärme. Recycelte Kunstfasern sind ebenfalls tierleidfrei, jedoch nicht nachhaltig. Sie verursachen jedoch Mikroplastik und sind nicht biologisch abbaubar.

    Second-Hand-Kleidung auch ökologisch sinnvoll

    Second-Hand und Kleidertausch sind tierleidfreie Alternativen zu Merino- und Angorawolle. Außerdem verlängern sie die Nutzungsdauer von Kleidung, sparen bis zu 80 Prozent CO₂ und halbieren laut Uni Innsbruck den ökologischen Fußabdruck der Mode.

    Praktische Empfehlung für Konsumenten

    Achten Sie beim Kauf auf klare Materialangaben und bevorzugen Sie pflanzliche Fasern wie Lyocell, Sojaseide oder SeaCell sowie Second-Hand-Mode. Qualität vor Quantität lohnt sich: Gut verarbeitete, zeitlose Kleidung hält länger, spart Ressourcen und vermeidet Tierleid.

    Uni Innsbruck, nachhaltiger Modekonsum

    https://ulb-dok.uibk.ac.at/ulbtirolhs/download/pdf/8827109

    TU-Graz Die Chemie veganer Ersatzprodukte

    https://unipub.uni-graz.at/obvugrhs/content/titleinfo/2679627/full.pdf

     

    Rückfragen & Kontakt:
    Alexios Wiklund
    Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
    0660/730 42 91
    wiklund@tierschutzverein.at
    www.tierschutzverein.at/presse

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Angorakaninchen Lucky & Pfleger Alfred © ÖTV.jpg
Angorakaninchen Lucky 1 ©OeTV

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