Rund 1,81 Millionen Rinder werden hierzulande gehalten und sind somit aus Österreichs Landwirtschaft nicht wegzudenken. Sie liefern Milch und Fleisch und prägen das Landschaftsbild vieler Regionen. Hinter den idyllischen Bildern von Kühen auf grünen Wiesen verbirgt sich jedoch ein vielfältiges und komplexes System. Wie viele Rinder leben eigentlich in Österreich? Wie werden sie gehalten? Und welche Bedeutung haben sie für unsere Landwirtschaft und Ernährung? Ein Blick auf die wichtigsten Zahlen, Daten und Fakten zur Rinderhaltung in Österreich.
Kuh, Kalb, Bulle – wer ist hier eigentlich wer?
Bevor wir uns die Rinderhaltung genauer ansehen, sollten wir zunächst klären, von welchen Tieren eigentlich die Rede ist. Denn nicht jedes Rind ist automatisch eine Kuh. Je nach Alter, Geschlecht und Entwicklungsstadium werden unterschiedliche Begriffe verwendet. So unterscheidet man unter anderem zwischen Kälbern, Stieren, Kühen und Ochsen.1

Jetzt weißt du: Nicht jedes Rind ist eine Kuh. Die unterschiedlichen Bezeichnungen helfen dabei, Alter, Geschlecht und Lebensphase der Tiere genau zu unterscheiden. Dieses Wissen macht es leichter, die Zahlen und Fakten rund um Österreichs Rinderbestand besser zu verstehen.
Von Milchkuh bis Mastbulle
Unsere heutigen Rinder stammen ursprünglich vom Auerochsen ab, der vor rund 8.500 Jahren in Asien domestiziert wurde. Durch die gezielte Zucht über viele Jahrhunderte wurden Rinder mit bestimmten Eigenschaften hervorgebracht. In der modernen Rinderzucht stehen vor allem hohe Leistungen bei Milch und Fleisch im Fokus. Deshalb werden Rinder heute meist in drei Nutzungstypen eingeteilt: 2
- Milchrassen wurden auf eine besonders hohe Milchleistung gezüchtet. Sie liefern zwar große Mengen Milch, sind dafür aber meist weniger stark bemuskelt. Dennoch stammt ein großer Teil des Rindfleischs in der EU von Milchrassen. Da die männlichen Kälber von Milchkühen keine Milch geben können, werden sie in der Regel gemästet und für die Fleischproduktion genutzt.
- Fleischrassen zeichnen sich durch eine starke Bemuskelung und gute Fleischqualität aus. Ihre Milchleistung ist dagegen geringer. In Österreich spielen reine Fleischrassen eine vergleichsweise kleine Rolle. Häufig werden sie für Kreuzungen mit anderen Rassen eingesetzt.
- Zweinutzungsrassen eignen sich sowohl für die Milch- als auch für die Fleischproduktion. Sie erreichen zwar nicht die Spitzenleistungen spezialisierter Milch- oder Fleischrassen, bieten aber eine ausgewogene Kombination beider Eigenschaften. Die mit Abstand häufigste Rinderrasse in Österreich ist das Fleckvieh. Mit einem Anteil von rund 75 % stellt es den größten Teil des österreichischen Rinderbestands dar. Gemessen am relativen Rassenanteil gilt Österreich als das fleckviehreichste Land der Welt.

Die unterschiedlichen Rassen und Nutzungsformen prägen die österreichische Rinderhaltung bis heute. Doch wie groß ist der Rinderbestand eigentlich und wie sieht die landwirtschaftliche Struktur in Österreich aus? Die folgenden Zahlen geben einen Überblick darüber.

In Österreich werden rund 1,81 Millionen Rinder gehalten. Das entspricht fast der gesamten Einwohnerzahl Wiens. Im Vergleich zum Jahr davor, gab es einen Rückgang an Rindern um 0,3 Prozent. Im Schnitt werden 36 Rinder pro Betrieb gehalten.3
Weiters werden circa 22,5 Prozent der Rinderbetriebe biologisch geführt, während der Rest konventionell wirtschaftet.4 Im Vergleich zu der Schweinehaltung, wo nur 3,9 Prozent biologisch gehalten werden, ist die Zahl bei Rindern in Österreich deutlich höher.5
Im Jahr 2025 wurden in Österreich 587.071 Rinder geschlachtet.6 Das sind circa 1.600 Tiere täglich oder circa ein Rind pro Minute. Bei den Rinderschlachtungen stellen Stiere den größten Anteil, gefolgt von Kühen und Kalbinnen. Kälber und Ochsen machen einen geringeren Anteil der Schlachtungen aus.
So leben Österreichs Rinder
In Österreich wird der Platz für Rinder nach ihrem Gewicht berechnet. Ein 500 bis 650 Kilogramm schweres Rind muss mit 2,7 Quadratmetern auskommen. Vorgeschrieben sind außerdem rutschfeste Böden, trockene Liegeflächen und bestimmte Standards für Spaltenböden.7
In Österreich leben 67 Prozent aller Rinder in Laufställen, in denen sie sich bewegen können. Da unterscheiden sich die Systeme von Vollspaltenböden (Betonboden mit Spalten) bis hin zu welchen mit Einstreu oder Auslauf. Weitere 32 Prozent werden in Kombinations- oder Anbindehaltung gehalten. Bei der Kombinationshaltung sind die Tiere zeitweise angebunden, müssen aber regelmäßig Auslauf erhalten. In der dauerhaften Anbindehaltung verbringen sie hingegen den Großteil ihres Lebens angebunden an einem festen Platz. Nur rund ein Prozent aller Rinder lebt ganzjährig auf der Weide. 89
In der Maststierhaltung dominiert der Vollspaltenboden. Laut Schätzungen leben rund 70 Prozent der österreichischen Maststiere auf Böden mit Spalten, durch die ihre Ausscheidungen direkt in einen Güllekanal gelangen. Eine weiche, eingestreute Liegefläche gibt es nicht.10
In der Bio-Haltung gelten strengere Vorgaben: Die dauerhafte Anbindehaltung ist verboten, Auslauf und Weidegang sollen möglichst häufig ermöglicht werden. Zudem haben die Tiere haben mehr als doppelt so viel Platz, Vollspaltenböden sind nicht erlaubt und eingestreute Liegeflächen sowie Bio-Futter sind verpflichtend. 11
Mehr als nur Milch und Fleisch
1,81 Millionen Rinder sprechen für sich und zeigen wie bedeutend Rinder für die österreichische Landwirtschaft sind. Sie verraten jedoch nur einen Teil der Geschichte. Denn Rinder sind weit mehr als Milch- und Fleischlieferanten: Sie verfügen über komplexe soziale Beziehungen, bemerkenswerte Fähigkeiten und artspezifische Bedürfnisse. Ein genauerer Blick auf die Tiere selbst offenbart eine Welt, die vielen Menschen kaum bekannt ist.


