Für uns den Österreichischen Tierschutzverein steht das Wohl der Tiere an erster Stelle.

Wenn die Erde heiß wird: Was hat unser Essen mit der Klimakrise zu tun?

Waldbrände, vertrocknete Böden, Rekordtemperaturen und Überschwemmungen gehören längst nicht mehr nur zu den Nachrichten aus fernen Ländern. Die Folgen der Klimakrise sind nun auch in Österreich spürbar. Hitze und Trockenheit setzen der Landwirtschaft zu, Ernten fallen aus und die Sorge um die Versorgung der Tiere mit Futter und Wasser wächst – erste Tiere müssen frühzeitig geschlachtet werden. Während viele Menschen bei Klimaschutz zuerst an Autos, Flugreisen oder Energieversorgung denken, gerät ein anderer Bereich oft in den Hintergrund: unsere Ernährung. Dabei entscheidet auch jeder Einkauf darüber, wie viele Treibhausgase entstehen und damit zur Klimakrise beitragen. Doch welchen Anteil hat die Landwirtschaft an der Klimakrise und was bedeutet das für unseren täglichen Speiseplan?

Warum die Erde immer heißer wird

Die Erde erwärmt sich und der Mensch trägt maßgeblich dazu bei. Durch das Verbrennen von fossilen Brennstoffen, Industrie, Verkehr und Landwirtschaft gelangen große Mengen sogenannter Treibhausgase in die Atmosphäre. Zu den wichtigsten zählen Kohlendioxid (CO₂), Methan (CH₄) und Lachgas (N₂O). Diese Gase wirken wie eine zusätzliche Decke um die Erde: Sie speichern Sonnenwärme in der Atmosphäre und treiben so die Erderhitzung voran.

Auch Österreich verursacht weiterhin erhebliche Treibhausgasemissionen. Obwohl die Emissionen in den vergangenen Jahren gesunken sind, gab es seit 2025 erneut einen Anstieg. Zudem liegen die Treibhausgasemissionen pro Kopf weiterhin über dem weltweiten Durchschnitt. Rund ein Drittel der Emissionen stammt aus der Industrie, 29 Prozent aus dem Verkehr und etwa 13 Prozent aus der Landwirtschaft. (1)

Der CO₂-Fußabdruck auf dem Teller

Während in der Industrie und im Verkehr vor allem Kohlendioxid entsteht, dominieren in der Landwirtschaft Methan und Lachgas. Doch wo entlang der Lebensmittelkette entsteht davon eigentlich am meisten? Viele denken zunächst an Transportwege oder Plastikverpackungen. Tatsächlich entsteht der größte Teil der Emissionen jedoch lange bevor ein Lebensmittel im Supermarktregal landet: direkt in der Landwirtschaft. Durch die Landnutzung, die Tierhaltung und den Einsatz von Düngemitteln werden große Mengen an Treibhausgasen freigesetzt. Weltweit verursacht unsere Ernährung rund ein Drittel aller Treibhausgasemissionen! (2)

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Tierisch teuer fürs Klima

Besonders groß sind die Unterschiede zwischen tierischen und pflanzlichen Lebensmitteln. So entstehen bei der Produktion eines Kilogramms Rindfleisch im globalen Durchschnitt rund 70,6 Kilogramm CO₂-Äquivalente*, während ein Kilogramm Reis oder Getreide etwa 3,6 Kilogramm und Tofu 3,2 Kilogramm CO₂-Äquivalente verursacht. (2) Anders gesagt: Für dieselbe Menge Lebensmittel belastet Rindfleisch das Klima fast 20-mal stärker als Reis, Getreide oder Tofu. Doch nicht nur bei Fleisch ist der Unterschied deutlich, auch Milch schneidet im Vergleich zu pflanzlichen Alternativen deutlich klimaschädlicher ab: Bei der Herstellung eines Liters Kuhmilch etwa dreimal so viele Emissionen wie bei einem Liter Hafermilch. (3)

Das Problem: Wir konsumieren deutlich mehr tierische Produkte, als Ernährungsexpert*innen empfehlen. Während in Österreich pro Person durchschnittlich rund 58 Kilogramm Fleisch pro Jahr verzehrt werden, liegen die Empfehlungen bei maximal 23 Kilogramm. (4) Eine Reduktion des Fleischkonsums kann daher sowohl gesundheitliche als auch ökologische Vorteile bringen.

Dabei geht es vor allem darum, den Anteil tierischer Produkte auf dem Speiseplan zu reduzieren. Denn bei der Klimabilanz von Lebensmitteln ist oft entscheidender, was auf dem Teller liegt als woher es kommt. Ob jemand Rindfleisch oder Linsen isst, hat in der Regel einen deutlich größeren Einfluss auf die verursachten Treibhausgasemissionen als die Frage, ob ein Produkt aus der Region stammt oder über längere Strecken transportiert wurde.

Das zeigt sich auch beim Vergleich verschiedener Ernährungsweisen: Studien zufolge verursacht eine durchschnittliche Ernährung mit Fleisch etwa doppelt so viele Treibhausgasemissionen wie eine vegetarische und rund viermal so viele wie eine vegane Ernährung. (5) Regionalität und Saisonalität bleiben zwar wichtig, der größte Hebel für den Klimaschutz ist jedoch die pflanzliche Ernährung.

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Tierhaltung: viel Fläche, wenig Kalorien

Treibhausgasemissionen erzählen nur einen Teil der Geschichte. Auch der Flächenbedarf von Lebensmitteln spielt eine wichtige Rolle für ihre Umwelt- und Klimabilanz. Besonders die Tierhaltung benötigt große Mengen an Land. Zählt man Weideflächen und Ackerflächen für den Anbau von Futtermitteln zusammen, entfallen weltweit rund 80 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Flächen auf die Tierhaltung. (6)

Trotz dieses enormen Flächenbedarfs liefern Fleisch, Milchprodukte und andere tierische Lebensmittel nur etwa 17 Prozent der weltweit konsumierten Kalorien. (6) Die Tierhaltung ist damit ein vergleichsweise ineffizienter Weg, Nahrung zu erzeugen. Große Flächen werden dafür genutzt, Futtermittel für Nutztiere anzubauen, statt Lebensmittel direkt für Menschen zu produzieren.

Soja: Tofu oder Tierfutter?

Besonders deutlich wird dieser Zusammenhang beim Soja: Entgegen einer weit verbreiteten Annahme landet der Großteil der weltweiten Sojaernte nicht in Tofu, Sojadrinks oder anderen pflanzlichen Produkten, sondern im Futtertrog. Pro Person werden in Europa jährlich rund 60 Kilogramm Soja konsumiert, etwa 55 Kilogramm davon indirekt über Fleisch, Milchprodukte, Fisch und Eier. (7) Der Großteil der Tofuprodukte im österreichischen Handel werden hingegen aus regional angebauten Sojabohnen hergestellt.

Fazit: Was auf unseren Tellern landet, entscheidet mit

Die Landwirtschaft gehört zu jenen Bereichen, die von der Klimakrise besonders stark betroffen sind. Gleichzeitig trägt unser Ernährungssystem selbst erheblich zur Erderhitzung bei. Vor allem tierische Lebensmittel verursachen hohe Treibhausgasemissionen und benötigen große Mengen an Fläche und Ressourcen.

Die gute Nachricht: Unsere Ernährung ist einer jener Bereiche, in denen wir selbst unmittelbar etwas verändern können. Wer häufiger zu pflanzlichen Lebensmitteln greift und den Konsum tierischer Produkte reduziert, kann einen wirksamen Beitrag zum Klima- und Umweltschutz leisten.

Gleichzeitig geht es dabei nicht nur um das Klima und Ressourcen. Hinter Fleisch, Milch und Eiern stehen Milliarden Tiere, die jedes Jahr für unsere Ernährung geboren, gehalten und getötet werden. Eine pflanzliche Ernährung kann daher gleich mehrfach wirken: Sie schont Klima, Umwelt und Tiere.

*CO₂-Äquivalent (CO₂e): Da verschiedene Treibhausgase unterschiedlich stark zur Erderhitzung beitragen, werden ihre Auswirkungen in einer gemeinsamen Maßeinheit zusammengefasst. Das CO₂-Äquivalent gibt an, wie stark ein Treibhausgas im Vergleich zu Kohlendioxid (CO₂) das Klima erwärmt.

Quellenverzeichnis

(1) Klimadashboard

(2) United Nations, Food and Climate Change: Healthy diets for a healthier planet

(3) Poore und Nemecek (2018) Reducing food’s environmental impacts through producers and consumers

(4) Umweltbundesamt

(5) Schlatzer und Lindenthal (2020) Einfluss von unterschiedlichen Ernährungsweisen auf Klimawandel und Flächeninanspruchnahme in Österreich und Übersee

(6) Ritchie und Roser (2019) Half of the world’s habitable land is used for agriculture

(7) Kuepper und Stravens (2022) Mapping the European Soy Supply Chain

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