Straßenstress adé – Grünzone olé
Für eine Verlagerung der Fiaker in geeignete Grünzonen

ÜBERHOLTE TOURISTENATTRAKTION
Seit 2005 setzt sich der Österreichische Tierschutzverein für das Ende der Pferdekutschen im innerstädtischen Straßenverkehr ein. Fiaker sind als Touristenattraktion längst aus der Zeit gefallen – trotzdem ziehen allein in Wien noch über 300 Pferde Woche für Woche Touristen durch den Verkehr.

JAHRELANG EINGESPANNT IM STRASSENVERKEHR
Fiaker-Pferde ziehen bis zu zehn Stunden täglich schwere Kutschen über harten Asphalt. Eine Pause bedeutet für viele Tiere lediglich Stillstand am Standplatz, eingespannt und wartend auf die nächsten Fahrgäste. In der Regel sind die Pferde vier Tage pro Woche im Einsatz und verbringen nur drei Tage auf der Koppel. Viele Fiaker-Pferde bleiben über zwanzig Jahre lang im Dienst. Die jahrzehntelange Belastung auf hartem Asphalt führt häufig zu langfristigen Schäden an Gelenken, Sehnen und Hufen.

EINE HITZIGE DEBATTE
Besonders in den Sommermonaten wird die Situation zunehmend problematisch. Während Wien im Jahr 2005 noch 12 Tage mit Temperaturen über 30 Grad verzeichnete, waren es im Jahr 2025 bereits 37 Tage. Die steigende Hitze wird regelmäßig zum zentralen Thema der Diskussion, lenkt jedoch vom eigentlichen Problem ab. Fiaker sind kein reines Hitzethema, sondern ein Grundsatzthema. Im März 2026 ist ein 30 Jahre altes Fiakerpferd mitten im Wiener Straßenverkehr zusammengebrochen und musste eingeschläfert werden. Solche Vorfälle stehen in keinem Einklang mit der oft beschworenen historischen Fiaker-Kultur.

TRADITION IM STAU
Häufig wird argumentiert, Fiaker gehörten zum Wiener Stadtbild. Der nostalgische Glanz der Vergangenheit darf jedoch nicht über die Realität hinwegtäuschen. Vor etwa 150 Jahren waren Fiaker ein öffentliches Verkehrsmittel. Heute ziehen sie als reine Touristenattraktion stundenlang ihre Kutschen durch den Stadtverkehr, zwischen Autos, Bussen und Taxis. Die Pferde werden gezielt darauf trainiert, im Straßenverkehr ruhig zu bleiben, im Gleichschritt zu gehen und auf hupende Fahrzeuge oder abrupte Manöver gelassen zu reagieren. Fast könnte man meinen, es fehle nur noch, dass sie mit den Ohren blinken und beim Rückwärtsfahren piepsen.

ZEIT FÜR TIERFREUNDLICHE ALTERNATIVEN
Statt an veralteten Konzepten festzuhalten, braucht es zukunftsorientierte Lösungen. Städte und Tourismusbetriebe sollten verstärkt in nachhaltige und tierfreundliche Alternativen investieren. Elektrische Kutschen, Fahrradtaxis oder der öffentliche Nahverkehr können Touristen ebenso komfortabel durch die Innenstadt bringen. Gleichzeitig könnten Fiaker-Pferde auf möglichst asphaltfreie Routen in Grünzonen verlegt werden, während zentrale Standplätze für Fahrradtaxis oder E-Kutschen etwa am Stephansplatz oder Michaelerplatz eingerichtet werden. Wien hätte damit die Chance, neue Wege im tierfreundlichen Tourismus zu gehen und ein deutliches Zeichen für moderne, nachhaltige Stadtentwicklung zu setzen, statt den Einsatz von Pferdekutschen im Straßenverkehr weiterhin schönzureden.

INTERNATIONALES UMDENKEN
Viele internationale Städte haben bereits begonnen, umzudenken. In Metropolen wie Rom, Barcelona, Prag oder New York wurden Pferdekutschen aus dem Straßenverkehr entfernt oder in Grünzonen verlegt. Die Gründe dafür sind eindeutig: mehr Tierschutz, höhere Sicherheit und eine moderne, zukunftsorientierte Verkehrspolitik. Österreich hingegen hält bislang weiterhin an einem veralteten Konzept fest, das auf dem Rücken der Tiere ausgetragen wird.

JETZT HANDELN
Wir setzen uns für einen modernen und tierfreundlichen Tourismus ein. Pferde gehören nicht als Touristenattraktionen in den dichten Stadtverkehr. Deshalb fordern wir: Fiaker raus aus dem Straßenverkehr!

Unsere meilensteine
Wir setzen uns weiterhin dafür ein, Politik und Wirtschaft zu vernetzen, um Pferde aus dem Straßenverkehr zu holen. Statt an veralteten Systemen festzuhalten, braucht es moderne, tierfreundliche Lösungen für den Tourismus. Wien und Salzburg sollten in nachhaltige Alternativen investieren – statt Pferdekutschen auf Biegen und Brechen in der Innenstadt zu behalten.
Fahrradtaxis und E‑Kutschen haben derzeit keine festen Standplätze. In der Fußgängerzone dürfen sie nicht halten und riskieren Strafen – gerade an Hotspots wie Stephansplatz. Zufällig dürfen die Fiaker dort stehen und nach Fahrgästen Ausschau halten. Das schafft eine ungleiche Situation: Fiaker werden gefunden, Fahrradtaxis müssen ihren Fahrgästen hinterherfahren. Touristen sollten selbst entscheiden können, wie sie die Stadt erkunden – dafür brauchen tierfreundliche Alternativen fixe, zentrale Standplätze.
Tierfreundliche und kostengünstige Alternativen:
• E Kutschen: Bieten denselben Komfort wie klassische Pferdekutschen.
• E-Oldtimer: Ermöglichen Stadtrundfahrten im nostalgischen Stil.
• Fahrradtaxis: Perfekt für flexible, individuelle Touren durch enge Gassen.
• Hop-On Hop-Off Busse: Wiens Highlights kostengünstig entdecken.
• Öffis: Viele Sehenswürdigkeiten lassen sich mit Bus und Bim erreichen.
• Zu Fuß: Die Innenstadt ist perfekt für individuelle Spaziergänge.
Ein Highlight war die „Pferdeschwanztour“ durch die Wiener Innenstadt. Vom Stephansplatz bis zum Heldenplatz zogen wir mit einer lebensgroßen Pferdefigur, guter Stimmung, klaren Forderungen und Wiener Schmäh durch die Straßen. Wir setzten ein starkes Zeichen für eine pferdefreie Innenstadt.
Unter dem Motto „Straßenlärm adé – Grünzone olé“ starteten wir neu in Sachen Fiaker. Mit dem Fokus auf moderne Lösungen für ein altes Problem haben wir Mobilisierung und Pressearbeit verstärkt, um konkrete Wege aus der Sackgasse zu zeigen. Gleichzeitig haben wir unsere Petition aktualisiert, um dem Wunsch der Bevölkerung nach Veränderung wieder eine starke Stimme zu geben.
Seit Jahrzehnten klären wir aktiv über das Fiaker-Thema auf und bringen das Leid der Pferde konsequent auf die politische Agenda. Immer wieder hat der Österreichische Tierschutzverein gefordert, den “Anachronismus Fiaker” im Stadtverkehr zu überdenken.
Der Österreichische Tierschutzverein schützt Pferde nicht nur mit klaren Worten, sondern mit konkretem Handeln. Seit Oktober 2021 betreiben wir in Reutte (Tirol) die einzige Pferdeklappe Österreichs. Hier finden misshandelte und vernachlässigte Pferde Schutz, medizinische Versorgung und die Chance auf ein neues Zuhause. Bis zu 28 Pferde können gleichzeitig aufgenommen werden. Über 100 Tiere haben wir bereits gerettet und erfolgreich vermittelt. Auch nach der Vermittlung bleiben unsere Schützlinge unter dem Schutz der Pferdeklappe. Diese Arbeit ist nur dank Spenden und Hofpatenschaften möglich. Mit Ihrer Unterstützung sichern Sie Versorgung, Pflege und weitere Rettungen.
