
Österreichischer Tierschutzverein: Fiakerpferde sind aus der Zeit gefallen – Wien braucht endlich eine Lösung
PresseOTS (Wien), 29.06.2026 – Die vergangenen Tage haben eine Debatte ausgelöst, die weit über die aktuelle Hitzewelle hinausgeht. Videos und Bilder von Fiakerpferden, die bei hochsommerlichen Temperaturen am Stephansplatz oder im dichten Stadtverkehr stehen, wurden in sozialen Medien hunderttausendfach angesehen, kommentiert und geteilt. Die Reaktionen zeigen ein deutliches Stimmungsbild: Immer mehr Menschen stellen die Frage, warum Fiakerpferde im Jahr 2026 noch immer als Touristenattraktion mitten im Straßenverkehr eingesetzt werden.
Für den Österreichischen Tierschutzverein darf sich die Diskussion nicht auf einzelne Hitzetage beschränken. Das eigentliche Problem ist das System selbst. Pferde gehören nicht zwischen Autos, Busse und Straßenbahnen. Deshalb fordert die Organisation von der Stadt Wien unmissverständlich: Fiakerpferde raus aus dem Straßenverkehr.
Bilder, die nicht zu einer modernen Großstadt passen
Wer in den vergangenen Tagen die Wiener Innenstadt besucht hat, konnte ein Bild beobachten, das viele Menschen irritiert hat. Am Stephansplatz standen zahlreiche Fiakerkutschen in der prallen Sonne. Während Kutscher unter Sonnenschirmen Schutz fanden, warteten die Pferde eingespannt auf die nächsten Fahrgäste. Erst wenn sich ein Fiaker mit Fahrgästen in Bewegung setzte, fuhr auch der restliche Konvoi weiter – oft nur wenige Meter. Noch bevor die Rundfahrt überhaupt begann, standen die Pferde bereits wieder im Stau der Rotenturmstraße zwischen Autos, Lieferverkehr und Straßenlärm. Diese Bilder wurden tausendfach kommentiert und geteilt. Die Reaktionen in den sozialen Medien zeigen deutlich: Was früher von manchen als „romantische Tradition“ verklärt wurde, empfinden immer mehr Menschen heute als touristisches Relikt aus einer anderen Zeit.
Vom Verkehrsmittel zur Touristenattraktion
Im 19. Jahrhundert dienten Fiaker als öffentliches Verkehrsmittel und gehörten zum Stadtbild. Heute hat sich Wien grundlegend verändert. Die Stadt verfügt über eines der besten öffentlichen Verkehrsnetze der Welt, der Großteil der Wege in der Innenstadt wird mit den Wiener Linien, zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt. Was geblieben ist, sind touristische Fiaker-Rundfahrten, durch eine dicht verbaute, stark frequentierte Innenstadt. Hinzu kommen die oft kilometerlangen An- und Abfahrten zwischen den Stallungen am Stadtrand und der Wiener Innenstadt. Die ursprüngliche Aufgabe der Fiaker existiert längst nicht mehr – übrig geblieben ist ein touristisches Angebot auf dem Rücken der Tiere, dessen gesellschaftliche Akzeptanz zunehmend schwindet.
Die Steppentiere von Venedig
Immer wieder wird argumentiert, Pferde seien Steppentiere und extremen Temperaturen gewohnt. Dieser Vergleich greift jedoch zu kurz. Eine natürliche Steppe hat mit der Wiener Innenstadt wenig gemeinsam. Pferde stehen hier auf rutschigem Asphalt statt auf nachgiebigem Erdboden, bewegen sich zwischen Autos, LKWs und Straßenbahnen statt in weitläufigen Ebenen und stehen Sommer wie Winter stundenlang im Geschirr eingespannt, anstatt sich frei bewegen zu können.
Nicht minder irreführend ist der oft bemühte Vergleich mit den Gondeln in Venedig. Gondeln werden von Menschen bewegt, Fiaker von Pferden gezogen.
Ebenso wenig überzeugt der Vergleich mit Lawinenhunden. Dem Österreichischen Tierschutzverein ist jedenfalls nicht bekannt, dass die Bergrettung touristische Spaziergänge mit Lawinenhunden durch die Wiener Innenstadt anbietet.
Und auch das häufig vorgebrachte Argument, ohne Fiaker würden die Pferde beim Schlachter landen, darf nicht als moralischer Freibrief für ein überholtes System dienen. Das österreichische Tierschutzgesetz stellt klar, dass Fiakerpferde nach ihrem Dienst nicht einfach geschlachtet werden dürfen. Tierschutz darf nicht davon abhängen, ob ein Tier wirtschaftlich genutzt werden kann. Wer Pferde hält, trägt Verantwortung – auch dann, wenn sie nicht mehr vor eine Kutsche gespannt werden.
Die Stimmung in Wien hat sich verändert
Die Diskussion der vergangenen Tage zeigt, dass sich die öffentliche Wahrnehmung verändert hat. Viele Wienerinnen und Wiener empfinden Fiaker längst nicht mehr als Wahrzeichen der Stadt, sondern als Symbol dafür, dass touristische Angebote auch hinterfragt werden müssen. Während Touristinnen und Touristen die Wiener Innenstadt oft nur für wenige Stunden besuchen, erlebt die Bevölkerung Fiakerpferde am Stephansplatz, Michaelerplatz oder im Straßenverkehr Tag für Tag. Die zahlreichen Kommentare und Videos der letzten Tage zeigen deutlich: Das Thema bewegt die Bevölkerung wie lange nicht mehr.
Klare Forderung an die Stadt Wien
Der Österreichische Tierschutzverein fordert die Stadt Wien auf, rasch auf die aktuelle Debatte zu reagieren und öffentlich Stellung zu beziehen. Kurzfristig braucht es ein ausnahmsloses Fahrverbot ab 30 Grad Celsius. Langfristig führt jedoch kein Weg daran vorbei, Pferde aus dem Wiener Straßenverkehr zu nehmen. „Die vergangenen Tage haben gezeigt, dass nicht nur die Temperaturen steigen, sondern auch der Druck auf die Politik. Immer mehr Menschen fragen sich, warum Fiakerpferde im Jahr 2026 noch immer Touristen zwischen Autos und Staus durch Wien ziehen müssen. Diese Frage kann die Stadt nicht länger unbeantwortet lassen.“, so Jakob Innauer, Kampagnenmanager vom Österreichische Tierschutzverein.
Petition: Fiaker raus aus dem Straßenverkehr (Bereits 20.000 Unterschriften)
Social Media Videos (Insgesamt 1. Million Aufrufe)
Rückfragen & Kontakt:
Jakob Innauer
Kampagnenmanager
0664 22 04 990
innauer@tierschutzverein.at






