
- Statement Dr. Sabine Haag, Präsidentin der Österreichischen UNESCO-Kommission: „Das Immaterielle Kulturerbe ist ein lebendiges Erbe, sodass es selbstverständlich wegen veränderter Werthaltungen in der Gesellschaft auch zur grundsätzlichen Infragestellung von Traditionen bzw. Praktiken und in weiterer Folge zu Veränderungen oder sogar zum Verzicht auf einzelne Elemente eines Brauchs kommen kann.“
- UNESCO–Monitoring: Angestoßen durch einen offenen Brief des Österreichischen Tierschutzvereins im Herbst 2025 wird der Status des Singvogelfangs als Immaterielles Kulturerbe überprüft.
Leitfaden „Tierwohl und immaterielles Kulturerbe“ www.unesco.at/fileadmin/Redaktion/Kultur/IKE/IKE-DB/files/Leitfaden_Tierwohl_und_immaterielles_Kulturerbe.pdf - Immaterielles UNESCO-Kulturerbe: Der „Salzkammergut Vogelfang“ ist seit 2010 im Nationalen Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich eingetragen. Der Eintrag steht derzeit unter Monitoring.
Immaterielles UNESCO-Kulturerbe „Salzkammergut Vogelfang” www.unesco.at/kultur/immaterielles-kulturerbe/verzeichnis/element/salzkammergut-vogelfang - Berechtigung: Rund 500 Vogelfänger in etwa 25 Vereinen praktizieren den Vogelfang im Salzkammergut.
Oö. Artenschutzverordnung § 11 https://ris.bka.gv.at/NormDokument.wxe?Abfrage=LrOO&Gesetzesnummer=20000260&Artikel=&Paragraf=11&Anlage=&Uebergangsrecht= - Vogelausstellungen: Rund um den Adventbeginn werden die gefangenen Vögel öffentlich präsentiert und die schönsten Exemplare werden aufgrund ihrer Farbenpracht, Unversehrtheit und ihres Pflegezustands prämiert und ihr Fänger ausgezeichnet.
- Fangsaison: Die Die Fangsaison dauert vom 15. September bis 30. November.
- Rechtslage & Konflikt: Der Fang ist aufgrund einer Ausnahmeregelung in § 11 der Oö. Artenschutzverordnung erlaubt.
- Fangzahlen: Die Oö. Artenschutzverordnung begrenzt den Fang auf maximal 550 Vögel je Art (Erlenzeisig, Stieglitz, Gimpel, Fichtenkreuzschnabel) und Fangsaison (insgesamt 2.200), wobei diese Grenze ausdrücklich nicht für Lockvögel gilt; Lockvögel pro Bewilligungsinhaber: bis zu 10 Lockvögel – konkret zwei Individuen pro Art, beim Fichtenkreuzschnabel sogar vier. Rechnerische Abschätzung auf Basis der Bewilligungspraxis: insgesamt bis zu 7000 gefangene Vögel aus der Region.
- Haltung: Die im Herbst gefangenen Vögel dürfen bis 10. April gehalten werden. Danach müssen sie freigelassen werden. Nur die bewilligten Lockvögel – zwei von jeder Art, beim Fichtenkreuzschnabel zwei pro Gesangstyp – dürfen dauerhaft behalten werden.
Österreichischer Tierschutzverein: Fotoaktion „Kamera statt Käfig“ als tierfreundliche Alternative zum Singvogelfang im Salzkammergut
PresseOTS (Wien) – Am 15. September beginnt im Salzkammergut wieder die Saison des traditionellen Singvogelfangs. Rund 500 Personen dürfen wieder tausende heimische Singvögel fangen, zur Schau stellen und über Monate in Käfigen halten. Der Österreichische Tierschutzverein setzt dem umstrittenen Brauch mit der Fotoaktion „Kamera statt Käfig“ eine tierfreundliche Alternative entgegen.
Für den Österreichischen Tierschutzverein und BirdLife Österreich widerspricht der Singvogelfang den EU-Vogelschutzrichtlinien, dem österreichischen Bundestierschutzgesetz und den Grundsätzen zum Tierwohl der österreichischen UNESCO-Kommission.
Ausnahmegenehmigung behördlich verlängert
Die oberösterreichische Landesregierung hat den Singvogelfang im Juni 2026 für weitere sechs Jahre bestätigt. Begründet wird die lokale Ausnahmeregelung für das Salzkammergut mit seiner Bedeutung als identitätsstiftende Tradition und seinem Status als immaterielles Kulturerbe.
UNESCO-Monitoring zu Singvogelfang läuft
Sarah Tanner, Kampagnen-Managerin des Österreichischen Tierschutzvereins, erklärt: „Dass der Singvogelfang trotz anhaltender Kritik und öffentlicher Debatte weiterhin erlaubt ist, ist für uns nicht nachvollziehbar. Gerade weil die umstrittene Tradition derzeitim Rahmen des Monitorings der österreichischen UNESCO-Kommission überprüft wird, braucht es eine ernsthafte Auseinandersetzung mit ihrer heutigen Vereinbarkeit mit dem Tierschutz.“
Immaterielles Kulturerbe lebt vom Wandel
Laut UNESCO ist das Immaterielle Kulturerbe ein lebendiges Erbe. Veränderungen oder auch ein Verzicht auf die Ausübung eines Brauchs seien aufgrund veränderter gesellschaftlicher Wertvorstellungen grundsätzlich möglich. (Genauer Wortlaut siehe Faktenbox). Der zuständige Fachbeirat der österreichischen UNESCO-Kommission plant diesen Herbst erneut zum Singvogelfang zu beraten.
Alternative zum Singvogelfang
Die Tradition des Singvogelfangs braucht einen Wandel – von der Vogeljagd zur Vogelbeobachtung. „Tradition ist nicht starr, sondern entwickelt sich mit der Gesellschaft weiter“, betont Sarah Tanner. Mit der Fotoaktion „Kamera statt Käfig“ setzt der Österreichische Tierschutzverein auf eine tierfreundliche Alternative.
Fotoaktion „Kamera statt Käfig“
Der Österreichische Tierschutzverein möchte die Begeisterung für Singvögel, das Wissen über die verschiedenen Arten und ihre regionalen Bezeichnungen sowie das Gemeinschaftserlebnis rund um die Vogelbeobachtung erhalten – aber ohne Netz und Käfig. Denn diese haben ausgedient.
Nur im Foto festgehalten
Die Fotoaktion läuft vom 15. September bis 30. November. Mitmachen ist unkompliziert: Ein Smartphone oder eine Kamera genügt. Ob Stieglitz, Gimpel, Erlenzeisig, Fichtenkreuzschnabel, Rotkehlchen, Meise oder Spatz – nicht die perfekte Aufnahme zählt, sondern das Naturerlebnis und die gemeinsame Freude an der heimischen Vogelwelt. Denn ihr Schutz ist wichtiger denn je.
Wichtig: Dabei ist darauf zu achten, die Tiere nicht zu verfolgen oder zu bedrängen, ausreichend Abstand zu halten, Nester und Brutplätze nicht zu stören, keine Lockrufe zu verwenden und die Vögel nicht durch Futter anzulocken.
Alle Infos zur Fotoaktion „Kamera statt Käfig“
https://tierschutzverein.at/kamera-statt-kaefig/
BirdLife Österreich begrüßt Fotoaktion
„Die Freude an Vögeln verbindet Menschen, ist gesund und schafft Bewusstsein für den Wert unserer Natur. Für all das ist es aber heute nicht mehr nötig, Wildvögel monatelang einzusperren. Wir begrüßen daher die Fotoaktion als zeitgemäße Alternative!“, freut sich auch Johannes Hohenegger, Naturschutzexperte bei BirdLife Österreich.
Faktenbox: Singvogelfang im Salzkammergut
Rückfragen & Kontakt:
Alexios Wiklund
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
0660/730 42 91
wiklund@tierschutzverein.at
www.tierschutzverein.at/presse
Sarah Tanner
Kampagnen & Digitales Marketing
0660/418 70 25
tanner@tierschutzverein.at
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