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Betäubungslose Ferkelkastration? Es geht auch anders!

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Ferkelkastration
Die betäubungslose Ferkelkastration ist ein Martyrium für die wehrlosen Jungtiere.
Noch immer dürfen Ferkel in Österreich bis zum 7. Lebenstag ohne Betäubung kastriert werden. Leider gibt es nur wenige Betriebe, die sich von dieser vollkommen unsinnigen Quälerei lossagen – einer davon ist Hütthalers Hofkultur. Seit Juli 2018 dürfen Hofkultur-Schweine nur noch unter vollständiger Betäubung kastriert werden. Wir haben mit Projektleiter Dominik Eckl über den neuen Grundsatz der schmerzlosen Ferkelkastration gesprochen und gemerkt: Es geht auch anders. 

ÖTV: Werden alle Hofkultur-Schweine unter Betäubung kastriert?

Seit Juli 2018 werden all unsere Hofkultur-Schweine nur mehr unter vollständiger Betäubung und mittels Gabe eines postoperativ wirksamen Schmerzmittels kastriert – Damit sind wir in Österreich das erste konventionelle Programm. Diese Tatsache stellt aber nur einen kleinen Teil unserer umfangreichen Tierwohl-Grundsätze dar. Mehr dazu finden Sie auf unserer Homepage www.hofkultur.at unter der Rubrik „Hofkultur-Grundsätze“.

Wie kam es zu der Entscheidung, auf schmerzlose Ferkelkastration umzusteigen?

Seit der Einführung unseres Tierwohl-Programmes im Herbst 2016, haben wir uns intensiv mit einigen Alternativ-Methoden zur herkömmlichen Kastration beschäftigt, diese in der Praxis probiert und in Frage gestellt. Letztendlich haben wir uns für die chirurgische Kastration unter Narkose durch einen Tierarzt entschieden.
Um Tierwohl nicht nur plakativ darzustellen, sondern auch wesentlich die Lebensqualität der Tiere zu verbessern, war es für uns klar, Eingriffe wo es geht zu vermeiden (z.B. das Kupieren der Ringelschwänze, Enthornung der Rinder etc.) oder nur unter bestmöglicher Schmerzausschaltung durchzuführen.

Sind die Zusatzkosten tatsächlich so viel höher oder kann man den Aufschlag gut kompensieren?

Ferkelkastration
Auch ganz viel Platz für die Tiere gehört zu den Grundsätzen der Hofkultur.

Die Zusatzkosten sind tatsächlich nicht unwesentlich. Jeder Landwirt bekommt von uns einen Kastrationsaufschlag von netto 0,08 € pro Kilogramm Schlachtgewicht je angeliefertes Tier. Das sind pro Kastration des männlichen Schweines im Durchschnitt rund 16 €. Diese Mehrkosten müssen letztendlich die Kunden tragen. Die angesprochenen Mehrkosten teilen sich bei uns aber auf eine Vielzahl von Produkten auf (bei der Hofkultur wird immer das ganze Tier vermarktet und nicht nur Edelteile!), sodass der Kunde eigentlich nicht wesentlich davon spürt.

Wie reagieren Kunden (Einkäufer und Endverbraucher) auf die neue Philosophie Ihres Hauses?

Endverbraucher reagieren durchwegs positiv auf unsere Philosophie der Hofkultur. An und für sich steht unsere Firma immer schon für höchste Qualität und Regionalität. Wir waren so ziemlich der erste Bio-Fleisch-Produzent in Österreich, produzieren nach wie vor die größte Bio-Produktpalette (darunter auch Baby-Nahrung) und revolutionieren nun mit der Hofkultur auch den konventionellen Sektor. Dies spüren wir vor allem auf unseren Social-Media-Kanälen durch eine hohe Zahl an Followern sowie einer überdurchschnittlichen Interaktion.
Einkäufer reagieren ebenfalls positiv darauf, auch wenn viel Aufklärungsarbeit von Nöten ist oder war. Tierwohl kann und darf nicht unter Billigstpreisen auf den Markt gebracht werden. Die Wertschätzung die die Landwirte den Tieren und wir den Landwirten entgegen bringen, bringt auch der Einkäufer gegenüber dem Produkt auf.

Gibt es dazu auch Gegenstimmen?

Ja die gibt es und leider auch nicht wenig. Der Mensch an sich tut sich ja immer mit Veränderung schwer, vor allem wenn er nicht aktiv Teil davon ist.

Schmeckt Fleisch von einem „entspannten“ Tier anders als eines, das mit Stresshormonen gefüllt ist?

Das Geschmacksempfinden ist subjektiv. Unserer Meinung nach sehr wohl! Soeben konnte durch eine international prämierte und bereits veröffentlichte Masterarbeit der BOKU Wien konnte bestätigt werden, dass unsere Hofkultur-Tiere im Allgemeinen ein gesünderes Leben führen und die Stressbelastung im gesamten Lebenszyklus um einiges weniger ist als bei herkömmlich konventionellen Tieren. Über die Folgen, die Stresshormone im Fleisch beim Menschen verursachen können, gibt es ja eh schon einige wissenschaftliche Arbeiten und Statements.

Wo kann man Ihr Fleisch überall beziehen?

Hofkultur-Produkte kann man zum einen bei uns im Onlineshop oder bei unseren hauseigenen Filialen (Standort Schwanenstadt & Vöcklabruck) sowie allgemein im Handel (Maximarkt, Spar, Unimarkt, M-Preis) und sporadisch in der Gastronomie beziehen. Auch kann man unser Hofkultur-Fleisch unter den Eigenmarken „FairHOF“ (Hofer) und „Fair zum Tier“ (REWE) erwerben.

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