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Elektro-Fiaker statt Pferdeleid!

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Jetzt die Corona-Krise für den schrittweisen Umstieg auf E-Fiaker nutzen!

Österreichs Fiaker bangen in der Corona-Krise um ihre Existenz. Das heizt die langjährige Diskussion um die Abschaffung der Fiaker einmal mehr an. Der Österreichische Tierschutzverein sagt: „Wenn nicht jetzt das Leid der Fiaker-Pferde beenden, wann dann?“ und präsentiert einen Lösungsvorschlag mit schrittweisem Umstieg von Pferdekutschen auf Elektro-Fiaker. Das Ziel: Bis Ende 2021 soll kein Fiaker-Pferd mehr im Einsatz sein.

Unser Lösungsvorschlag auf einen Blick

  • Schrittweisen Austausch von Pferdekutschen durch Elektro-Fiaker in den kommenden zwei Jahren
  • Errichtung von E-Ladestationen an den Fiaker-Standplätzen
  • Vermittlung der 400 Fiaker-Pferde an tierliebe Privathalter, Tierschutz- und Gnadenhöfe
  • Ziel: Bis 31. Dezember 2021 soll kein Fiaker-Pferd mehr im Einsatz sein
  • Während der Umstellungsphase: Hitzefrei für Österreichs Fiaker-Pferde ab 30°C

Leid der Fiaker-Pferde wird mit Steuergeldern unterstützt

Die Corona-Krise hat die Wiener Fiaker hart getroffen. In den letzten Wochen drohten sie über die Medien wiederholt mit dem Aus der „Wiener Wahrzeichen“. Jetzt unterstützt die Stadt Wien die Fiaker drei Monate lang mit einem Futtermittelpaket von € 250,- monatlich pro Pferd. Wie es danach weitergeht, ist ungewiss.

Das ist jedoch äußerst kurzfristig gedacht: Drei Monate sind schnell vorbei, laut Experten ist jedoch frühestens 2021 mit der Rückkehr der internationalen Touristen zu rechnen. Dass die Ausbeutung der Fiaker-Pferde bis dahin mit Steuergeldern unterstützt wird, ist nicht im Sinne der Bevölkerung, die die Fiaker aus Tierschutzgründen größtenteils ablehnt.

Fiaker-Tradition muss sich Tierschutzwerten anpassen

Statt Steuergelder an die Fiaker zu verteilen, muss endlich darüber nachgedacht werden, wie man dem Leid der rund 400 Fiaker-Pferde in Österreich ein Ende setzen kann. Pferde Tag für Tag mit Scheuklappen durch die Stadt zu hetzen, ist schlichtweg nicht mehr zeitgemäß. Aus diesem Grund haben Städte wie London, Paris, Toronto, Peking und – seit April 2020 – Chicago die leidvolle Touristenattraktion bereits verboten. Auch die österreichischen Fiaker müssen mit der Zeit gehen und sich den heutigen Werten und Tierschutzstandards anpassen – mit pferdelosen Elektro-Kutschen wäre das möglich.

Der Österreichische Tierschutzverein schlägt den schrittweisen Umstieg auf tier- und umweltfreundliche Elektro-Fiaker vor. In den Gefährten, die an nostalgische Kutschen erinnern, finden bis zu acht Personen Platz.

Die Elektro-Kutschen haben Nostalgie-Flair, ganz ohne Tierleid (c) GERALD MACKINGER / APA / picturedesk.com

Umstieg auf E-Fiaker: Vorteile für Pferde, Kutscher und Städte

Der Umstieg auf E-Kutschen hätte viele Vorteile:

  • Vorteile für die Pferde: Die rund 400 Fiaker-Pferde in Österreich bekämen durch den Umstieg auf E-Kutschen die Chance, ein artgerechtes Leben in Privathaltung oder auf einem Tierschutz- bzw. Gnadenhof zu führen.
  • Vorteile für die Fiaker: Mit pferdelosen Kutschen ließen sich hohe Kosten für Futter, Medikamente, tierärztliche Behandlungen, Stallmiete und die Reinigung der Standplätze einsparen. Durch eine Zusammenarbeit der Stadt Wien mit Wien Energie und den Fiaker-Unternehmen könnten die bestehenden Fiaker Standorte mit E-Ladestationen ausgestattet und die E-Kutschen den Fiakern beispielsweise in Form eines Leasingmodells zur Verfügung gestellt werden. Das heißt: Mit dem Einsatz der E-Fiaker hätten die Kutscher weiterhin eine Existenzgrundlage.
  • Vorteile für die Städte: Auch die Städte würden profitieren. In Wien entstehen durch die Pferdehufe jedes Jahr Straßenschäden von bis zu 700.000 Euro. Zudem sind die E-Fiaker klimaneutral.

Salzburg und Innsbruck, wo ebenfalls Fiaker-Pferde im Einsatz sind, könnten sich am Wiener Modell orientieren.

Österreichischer Tierschutzverein hilft bei Pferde-Vermittlung

Mit der schrittweisen Umstellung von Pferdekutschen auf Elektro-Fiaker hätte man zwei Jahre Zeit, die Tiere in liebevolle Hände zu vermitteln. Als österreichweit agierender Tierschutzverein bietet der Österreichische Tierschutzverein an, die Koordination der Vermittlung zu übernehmen. Auch sind wir bereit, mehreren Fiaker-Pferden ein neues Zuhause auf unseren Assisi-Höfen zu geben. Für die zweijährige Umstellungsphase fordern wir außerdem eine strikte, österreichweite Hitzefrei-Regelung für Fiaker-Pferde ab einer Außentemperatur von 30°C.

Fiaker
Der Umstieg auf E-Kutschen könnte dem Leid der Fiaker-Pferde ein Ende setzen.

Hintergrundwissen: Darum ist die Fiaker-Tradition für Tierschützer bedenklich

  • Extreme Hitze: Die immer heißer werdenden Sommer machen den Fiaker-Pferden besonders zu schaffen: Sie überhitzen etwa zehnmal schneller als der Mensch. Dabei zählt Wien laut einer Schweizer Studie aus dem Jahr 2019 zu jenen europäischen Städten, die am stärksten von der Klimaerwärmung betroffen sind. Zudem prognostizieren Forscher künftig doppelt so viele Tage mit Temperaturen von mehr als 30°C wie bisher.
  • Städtischer Lärm und Straßenverkehr: Pferde gehören nicht in eine Großstadt.  Als Fluchttiere verfügen sie über einen ausgeprägten Fluchtinstinkt. In freier Natur hilft dieser, Gefahren frühzeitig zu erkennen und gegebenenfalls fliehen zu können. Damit der Fluchtreflex der Tiere nicht zu stark wird, laufen Fiaker-Pferde oft den ganzen Tag lang mit zugestöpselten Ohren herum. Zusätzlich werden ihre Augen mit Scheuklappen versehen. Eine Qual für die sensiblen Tiere.
  • Knochen- und Gelenkprobleme: Da sich Fiaker-Pferde den Großteil ihres Lebens in Städten bewegen, laufen sie permanent auf Asphalt. Langfristig entstehen dadurch massive Schäden an Knorpeln und Gelenken. Leider wird bei den wenigsten Tieren auf eine Dämpfung zwischen Huf und Eisen geachtet, die die Knochen auf dem harten Untergrund zumindest teilweise schonen würden. Bislang wird diese Dämpfung nicht vom Gesetzgeber vorgeschrieben
  • Billige Arbeitskräfte: Oft werden Kutschpferde aus östlichen Ländern zu Dumping-Preisen erworben, um sie gezielt im Fiakerbetrieb einzusetzen. Darunter finden sich viele Tiere mit Fußfehlstellungen, für die das ständige Laufen auf dem harten Asphalt extreme Schmerzen birgt.
  • Lichtmangel: Viele Fiaker-Pferde leben in Boxen oder Ställen, die sich mitten in der Stadt befinden. Nicht selten sind sie in Kellern untergebracht, wo Platz und Tageslicht zur Mangelware gehören.
  • Maulkörbe: Fiaker-Pferde müssen häufig einen Maulkorb tragen. Der Grund: Viele Tiere sind mit den unnatürlichen, einseitigen Belastungen und dem stundenlangen Stillstehen vollkommen überfordert. So manches Pferd drückt seinen Frust aus, indem es nach Passanten oder Pferdenachbarn schnappt. Auch knabbern einige Pferde aus Langeweile am störenden Geschirr. Statt das Unwohlsein der Tiere zu berücksichtigen, verpasst man den Tieren einen Maulkorb aus Plastik oder Leder, um sie wieder gefügig zu machen. Der Maulkorb erschwert den Tieren jedoch die Atmung und schränkt sie in ihrem natürlichen Verhalten noch stärker ein.
  • Beruhigungsmittel: Immer wieder gibt es Fälle, in denen Pferde Beruhigungsmittel wie Sedalin erhalten. Diese führen zu einer Hemmung der Zentralpsychomotorik, wodurch die Pferde weniger schnell erregt werden und die Angst vor dem städtischen Verkehrstrubel verlieren. Auch die Muskeln der Tiere erschlaffen, was zu einer verminderten Motorik führt. Die Pferde werden ihrer Umwelt gegenüber teilnahmslos und gleichgültig, weisen ein vermindertes Schmerzempfinden auf und lassen sich mühelos manipulieren.
  • Abschürfungen im Fell: Bei genauem Hinsehen weisen Kutschpferde oft massive Fellabschürfungen auf – ein Hinweis darauf, dass das Geschirr nicht optimal sitzt, das Pferd nicht richtig bzw. über einen zu langen Zeitraum angeschirrt war und/oder einer einseitigen Belastung ausgesetzt ist.
  • Kein Heu am Standplatz: Wem von uns knurrt nach ein paar anstrengenden Arbeitsstunden nicht der Magen? Obwohl Kutschpferde den ganzen Tag über schwere Arbeit verrichten, ist an den Standplätzen kein Heu vorhanden.
  • Unfälle: Immer wieder kommt es zu schweren Unfällen mit Kutschpferden. Allein diese zeigen, wie überfordert die Tiere mit dem hektischen Stadtalltag sind. Verkehrs- und Baustellenlärm, überall schnelle und hektische Bewegungen – kein Wunder, wenn die sensiblen Tiere in Panik verfallen. Bereits das geringste unvorhersehbare Ereignis kann ein Pferd zum Durchgehen bringen, sodass den Fiakern eine Kontrolle des Tieres nicht mehr möglich ist.
  • Mangelnde Wasserversorgung: Viele Fiakerbetriebe verfügen über keine adäquate Tränkanlage, die eine regelmäßige Wasserversorgung der Tiere sicherstellt. Manche Betriebe nutzen die Möglichkeit des Wasserentzugs auch gezielt, um die Pferde schlaffer, müder und somit auch ruhiger zu machen.