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3 Milchkühe statt Wild erschossen

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Die Ursachen für Jagdunfälle können vielfältig sein: Jagdhitze, Unachtsamkeit, fehlende psychologische Eignung, mangelnde Verlässlichkeit, Sehschwäche oder auch Alkoholeinfluss. Der Druck auf Jäger – wie in diesem Fall behauptet – war sicherlich nicht die Ursache für den aktuellen Jagdunfall, der die Öffentlichkeit nun beschäftigt.

Drei Milchkühe des Bürgermeisters der Gemeinde Prigglitz, Bezirk Neunkirchen, wurden von einem Jäger angeschossen; eine Kuh starb an Ort und Stelle, die anderen beiden Tiere mussten eingeschläfert werden. Die Rechtfertigung seitens des Nö. Landesjagdverbandes kam prompt: der enorme Druck auf Jäger, Wildbestände massiv dezimieren zu müssen, sei schuld an diesem Jagdunfall.

Die Jägerschaft will es einfach nicht wahrhaben, dass es heute gerade wegen der Jagd mehr Wild als je zuvor gibt. So stieg etwa die Anzahl der geschossenen Wildschweine in der Jagdsaison 2012/13 um 88,5% im Vergleich zum Vorjahr auf fast 50.000 an – trotzdem gibt es eine Wildschweinplage. Man muss erkennen, dass die Populationsdichte jagdtechnisch nicht in den Griff zu bekommen ist. Jägern sind die wahren Ursachen der Überpopulation vermutlich durchaus bekannt – nur fehlt der Wille zur Ursachenbekämpfung. Immerhin sichert erst ein hoher Wildbestand die hohen Abschusszahlen.

Erhöhte Wildbestände sind hausgemacht und von der (auch bäuerlichen) Waidmannschaft mitverursacht. Tatsächlich belegen Studien, dass sich Wildtiere durch die Jagd stärker als unter natürlichen Umständen vermehren. Eine französische Langzeitstudie – veröffentlicht im renommierten „Journal of Animal Ecology“ – kam zum Ergebnis, dass eine starke Bejagung zu einer deutlich höheren Fortpflanzung führt und außerdem die Fruchtbarkeit bei Wildschweinen stimuliert. Anders formuliert: In Gebieten mit weniger Jagddruck ist die Vermehrung der Tiere hingegen deutlich geringer.

Wildschweine haben außerdem eine sehr empfindliche Sozialstruktur. Wird die „Rotte“ durch Abschuss der „Leitbache“ zersprengt, brechen die führungslosen Tiere in die Felder ein, alle Bachen werden mehrmals im Jahr fruchtbar und vermehren sich völlig unkontrolliert.
Insofern löst die Jagd keine ökologischen Probleme, sondern schafft sie erst.

Ein weiteres, auch hausgemachtes Problem: die legale oder illegale, ganzjährige massive Zufütterung sorgt für ein unnatürlich hohes Nahrungsanbot, das wiederum zur Vermehrung der Tiere beiträgt. Und Mais verstärkt nachweislich die Fruchtbarkeit von Schwarzwild. Es gibt insofern nicht nur eine Massentierhaltung für Nutztiere, sondern regelrecht auch eine für Wildtiere im Wald. Die Jägerschaft muss endlich Verantwortung für die hohen Populationsdichten übernehmen und das Problem an der Wurzel anpacken, fordert Der Österreichische Tierschutzverein. Die Abschüsse etwa bei Wildschweinen noch weiter zu erhöhen ist der falsche Ansatz. Der sogenannte Jagddruck taugt auch nicht dafür, um Jagdunfälle rechtzufertigen. Die Jägerschaft kann doch schon seit Jahren beobachten, dass nicht alles, was man abschießt, weniger wird.

 

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