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Unsere Meere ersticken in Plastik

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Unsere Meere ersticken in Plastik

Unsere Meere ersticken im Müll. Wussten Sie, dass drei Viertel davon aus Plastik bestehen? Jedes Jahr verenden tausende Tiere an Mikroplastikpartikeln und Kunststoffteilen, die mit Nahrung verwechselt werden. Aber auch für uns Menschen hat der Dreck im Meer verheerende Konsequenzen.

Wie kommt der Müll ins Meer?

Plastik hat unseren Alltag fest im Griff. Denn: Der Kunststoff ist überall. Als Verpackungsmaterial für unsere Lebensmittel, als Isoliermaterial für Elektrogeräte, als Bestandteil unserer Kleidung und Schuhe und – getarnt als sogenanntes „Mikroplastik“ – auch dort, wo ihn nur die Wenigsten vermuten würden. Ja, sogar in unseren Shampoos, Duschgels, Lippenstiften und Make-Up-Fläschchen schwimmen mikroskopisch kleine Kunststoffteilchen. Aber wie gelangt das Plastik eigentlich ins Meer?

  • Abwasser: Kommen Produkte mit Mikroplastik in Benutzung, werden die Partikel auf direktem Wege ins Abwassersystem gespült. Nach dem heutigen Stand der Technik sind Kläranlagen jedoch noch keineswegs in der Lage, die für das menschliche Auge unsichtbaren Plastikteilchen aus dem Abwasser zu filtern. Also landen sie letztendlich im Meer.
  • Waschmaschinen: Textilien aus Kunstfaser oder Fleece verlieren bei jedem Waschgang rund 2.000 Fasern. Auch diese sind derart klein, dass sie weder durch  Waschmaschinensiebe noch durch Kläranlagen gefiltert werden und somit ebenfalls ins Meer gelangen.
  • Unsachgemäße Müllentsorgung: Vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern herrscht kaum Bewusstsein für Themen wie Recycling und Müllvermeidung. Über die Flüsse gelangen Unmengen von Müll ins Meer – auch aus Europa. In Gebieten, die viel Tourismus verzeichnen, wird Müll gerne an den Stränden deponiert oder sogar gleich im Wasser entsorgt.
  • Schiffe: Obwohl es weltweit verboten ist, Plastik im Meer zu entsorgen, kommt dies bei Schiffen sehr häufig vor. Einerseits wird der Müll vorsätzlich im Meer deponiert, andererseits kommt es auch immer wieder vor, dass Schiffe Teile ihrer Ladung und Container verlieren.
  • Fischfang: Auch der Fischfang trägt einen großen Anteil am Müll im Meer. So werden Netze und anderes Werkzeug bewusst im Meer entsorgt oder gehen verloren. Dazu gehören zum Beispiel die sogenannten Geisternetze, die vielen Tieren zum Verhängnis werden. Denn die Netze fischen und fischen unaufhörlich, rund um die Uhr. Unzählige Tiere verfangen sich darin und bezahlen dies mit ihrem Leben.

Insgesamt landen pro Jahr 8 Millionen Tonnen Plastikmüll im Meer!

Müll Plastik
Durch achtlose Müllentsorgung und Mikroplastik gelangen jährlich 8 Mio. Tonnen Müll ins Meer.

Tiere verwechseln Plastik mit Nahrung

Vor allem die kleinen Plastikteile werden im Meer zum Riesenproblem, da sie von Meerestieren gerne mit Plankton oder anderer Nahrung verwechselt werden. In mehreren Studien wurde Mikroplastik in den Organismen von Fischen, Muscheln, Krabben und weiteren Meerestieren nachgewiesen. Tiere, die Plastik fressen, werden krank und verenden qualvoll. Auch Vögel verwechseln immer wieder Teile von Plastiktüten, Einweg-Rasierern, PET-Flaschen und Zahnbürsten mit Nahrung und ersticken, verhungern mit vollem Magen oder verenden an tödlichen Verstopfungen.

Plastik an unseren Stränden
Plastikmüll wohin man sieht … ein erschreckender Anblick!

Plastik im Magen: 93 Prozent der Vögel betroffen

Bei einer Untersuchung der sogenannten Eissturmvögel – Hochseevögel, die ihr Futter hauptsächlich aus dem Meer beziehen – fanden Wissenschaftler in 93 Prozent der Fälle Plastik in den Mägen der Tiere. Schätzungen zufolge soll bis 2050 so gut wie jeder Meeresvogel Plastik im Magen aufweisen. Neben Fischen, Muscheln und Seevögeln sind auch Meeressäuger betroffen, wie etwa Lederschildkröten und Wale.

Viele Tiere verwechseln Plastik mit Nahrung
Der Anfang vom Ende: Viele Tiere verwechseln Plastik mit Nahrung.

Plastik in der Nahrungskette

Studien zeigen, dass 10 bis 40 Prozent der Fische, 60 bis 80 Prozent der Krustentiere und 75 Prozent der Schalentiere, wie Miesmuscheln oder Austern, eine massive Belastung mit Mikroplastik aufweisen. Problematisch auch deshalb, weil sich Umweltgifte besonders gerne an Plastikartikeln ablagern und gemeinsam mit diesen auf unseren Tellern landen. Aber auch auf andere Arten gelangt Plastik indirekt in die Nahrungskette – wussten Sie, dass das Plastik, mit denen Wurst und Käse verpackt wird, Weichmacher ausdünstet? Dieser kann sich wiederum in unseren Organismen ablagern – vor allem Weichmacher wie Bisphenol A (BPA) steht als Ursache für Unfruchtbarkeit, Krebs und Verhaltensstörungen in Verdacht.

Auch unsere Lebensmittel sind mit Plastik verpackt
Auch unsere Lebensmittel sind in Plastik verpackt – dieses kann gefährliche Weichmacher ausdünsten.

Abbau von Plastik dauert 400 Jahre

Einmal weggeworfen, dauert es 350 bis 400 Jahre, bis Kunststoff biologisch abgebaut werden kann. Dennoch beträgt die weltweite Kunststoffproduktion im Jahr noch immer 240 Millionen Tonnen. Kein Wunder, denn die Nachfrage ist groß: Wir trinken aus Plastikflaschen und Strohhalmen, nutzen Einmalrasierer, kaufen in Plastik eingeschweißte Lebensmittel und peelen unsere Haut mit winzigen Plastikpartikeln.

Mehr Mikroplastik als Plankton

Mittlerweile gibt es Meeresareale, in denen der Bestand an Mikroplastikpartikeln jenen an Planktonteilchen überwiegt. Immer wieder werden auch Urlaubsinseln von Plastikmüll überschwemmt, woraufhin sich Menschen für sogenannte „Beach Cleanups“ zusammenschließen, um mit vereinten Kräften die Strände zu säubern. Eine Dauerlösung für die weltweite Plastikproblematik ist das natürlich nicht.

Junge sammelt Plastik am Strand seiner Heimatinsel
Auch die sogenannten „Beach-Cleanups“ sind leider keine Dauerlösung für das globale Plastikproblem.

Helfen Sie mit – vermeiden Sie Plastik!

Jeder von uns kann einen kleinen Beitrag leisten:

  • Vermeiden Sie Plastiktüten und -verpackungen: Mittlerweile gibt es einige Supermärkte, die ihre Ware verpackungsfrei anbieten. Zum Lebensmitteleinkauf bietet sich das Mitnehmen  wiederverwendbarer Tüten und Körbe an.
  • Vermeiden Sie Plastikflaschen: Für PET-Flaschen gibt es bereits tolle und gesündere Alternativen aus Edelstahl oder Glas.
  • Vermeiden Sie Wegwerfartikel: Verzichten Sie nach Möglichkeit auf Einmalartikel wie Strohhalme, Slipeinlagen und Einmalrasierer. Auch Binden mit Plastikfolie und in Plastik verpackte OBs sollten vermieden werden – eine tolle Alternative dazu ist die sogenannte Menstruationstasse.
  • Vermeiden Sie den Kauf von Artikeln, die Mikroplastik enthalten: Mikroplastik steckt in Kaugummi (Polymere), Fleece, Socken, Strumpfhosen und Leggins; Putztüchern, Pfannen mit Teflon-Beschichtung, vielen Zahnpasten, Haarshampoos, Duschgels, Körperpeelings, Seifen und Sonnencremes sowie in Kosmetikprodukten wie Make-Up, Rouge, Wimperntusche und Nagellack. Bitte verwenden Sie keine Kosmetika, die Mikroplastik enthalten. Ob ein Produkt frei von Mikroplastik sind, erfahren zum Beispiel über kostenlose Apps wie „Codecheck“. Über das Smartphone scannen Sie den Barcode des Produktes und erhalten umgehend eine Übersicht über dessen Inhaltsstoffe.
    Inhaltsstoffe wie Acrylates Copolymer (AC), Acrylates Crosspolymer (ACS), Polyamide (PA, Nylon), Polyacrylate (PAK), Polyethylen (PE), Polyethylene glycol (PEG), Polyethylenterephthalat (PET), Polymethylmethacrylat (PMMA), Polypropylen (PP), Polypropylene glycol (PPG), Polystyren (PS), Polyurethan (PUR), Polyquaternium (PQ), Teflon (EFP, PFEP) deuten darauf hin, dass ein Produkt Mikroplastik enthält.
  • Mülltrennung: Trennen Sie Müll gewissenhaft!
  • Nehmen Sie an Aufräumaktionen Teil: In vielen Orten und Städten gibt es Aufrufe, sich an der Beseitigung von Müll aus der Landschaft zu beteiligen. So kann auch der störende Plastikmüll aus der Umwelt entfernt werden.

Helfen Sie mit, Plastik zu vermeiden – die Tiere, die Umwelt und Ihre Gesundheit werden es Ihnen danken!