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Qualvolle Tiertransporte: von Österreich bis Aserbaidschan

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Tiertransporte
In den Lkws stehen die Tiere dicht an dicht - meist ohne ausreichend Wasser, Futter oder Tageslicht.

Millionen von Hühnern, Puten, Rindern, Schweinen, Schafen, Ziegen und Pferden werden jedes Jahr quer durch Europa gekarrt – und weit darüber hinaus. Aus Österreich erfolgten im Jahr 2019 knapp 15.000 Tiertransporte, 27 Mio. Tiere waren betroffen. Der Österreichische Tierschutzverein klärt auf. 

Warum Tiertransporte so grausam sind

Hitze, Straßenlärm, Motorengeräusche. Es riecht nach Tierkot und Abgasen. In völlig überfüllten Lkws drängen sich die Tiere dicht an dicht, über mehrere tausend Kilometer hinweg – ohne ausreichend Futter, Wasser oder Tageslicht. Jeden Tag werden „Nutztiere“ unter derartigen Bedingungen durch Europa transportiert – und weit über die Grenzen hinaus. Vor allem auf langen Strecken leiden die Tiere unter:

  • Hunger und Durst: Die Wasserversorgung der Tiere ist meist unzureichend. Gründe sind u.a. Platzmangel, kaputte oder unpraktikable Tränke-Anlagen sowie Verschmutzungen.
  • Hitze und Kälte: Auf Langstrecken sind große Temperaturschwankungen oft unvermeidlich – etwa wenn Tiere aus nördlichen in südliche Gefilde transportiert werden.  Im Sommer wird der erlaubte Hitze-Grenzwert von 30°C immer wieder überschritten. Dabei sind gerade hohe Temperaturen (auch unter dem erlaubten Grenzwert) für Tiere schlecht verträglich  – und führen nicht selten zum Tod.
  • Körperlichen Schmerzen: Aufgrund von Platzmangel klemmen sich die Tiere oft Körperteile wie Hufe, Beine oder Hörner ein. Legt sich ein Tier hin – etwa aus Erschöpfung – wird es oft von den anderen verletzt oder gar totgetreten. Auch Rangkämpfe sind keine Seltenheit – sie verursachen zusätzlichen Stress und Blessuren.
  • Platzmangel: In den Lkws herrscht enormer Platzmangel – die gesetzlich festgelegten Mindestanforderungen umfassen keinen Platz, damit sich die Tiere hinlegen oder ausruhen können. Zudem muss die Deckenhöhe (außer bei Pferden) keine Mindestanforderungen erfüllen. Stattdessen ist von „ausreichender Höhe“ die Rede. Eine Formulierung, die zum Leidwesen der Tiere oft sehr frei interpretiert wird. Daher müssen viele Tiere oft tagelang in geduckter Haltung ausharren.
  • Angst und Erschöpfung bis hin zum Tod: Das tagelange Stehen im beengten, dunklen Lkw geht den Tieren an die Substanz. Auch Nahrungs- und Wassermangel, Hitze und Kälte sind kräfteraubend. Viele Tiere halten der dauerhaften Angst und Anspannung nicht stand und sterben nach qualvollen Stunden oder Tagen noch während des Transports.
Angst, Panik, Stress: Viele Tiere sterben noch während des Transports.

Darum gibt es Tiertransporte

1,4 Milliarden Tiere sind in der EU jährlich von Tiertransporten betroffen. Das sind 3,8 Millionen Tiere pro Tag. Aber warum sind Tiertransporte in diesem Ausmaß überhaupt möglich? Die Antwort ist simpel: In der Fleischindustrie geht es – wie in den meisten Branchen – um den größtmöglichen Profit.

Länder, die nicht genügend Schlachttiere produzieren, importieren Tiere aus anderen EU-Ländern und umgekehrt: Jene Staaten, die einen Überschuss an Schlachttieren verzeichnen, exportieren diesen in andere EU-Länder und Drittstaaten. Im Rahmen von Tiertransporten werden die Tiere dann dorthin gekarrt, wo die Viehzucht und -haltung am günstigsten ist – also in Länder mit geringen Futter- und Lohnkosten. Meist sind das auch jene Länder mit den niedrigsten Tierschutzstandards.

Jährlich 400.000 Tiertransporte in und aus der EU

Die wichtigsten Exportländer für Rinder aus Österreich sind nicht etwa Italien oder Deutschland, sondern:

  • die Türkei (ca. 117.000),
  • Algerien (ca. 38.000),
  • Russland (ca. 15.000),
  • Usbekistan (ca. 13.000) und
  • Aserbaidschan (ca. 9.000)

Oft werden die Tiere zunächst von Österreich nach Spanien und von dort in fernere Länder wie den Libanon oder den Iran exportiert. Das Geschäft boomt.

Jährlich treten

  • 360 Millionen Rinder, Schweine, Schafe und Ziegen und
  • 1 Milliarde Hühner, Puten, Gänse und Enten bei
  • 400.000 Tiertransporten in und aus der EU

ihre letzte Reise an.

Schlachtung ohne Tierschutzstandards

Sind die Tiere nach Tagen des Leidens an ihrem Ziel angekommen, folgt sogleich das nächste Martyrium: Der Großteil der Tiere landet in Zucht- oder Schlachtbetrieben, die meilenweit von österreichischen Tierschutzstandards entfernt sind.

So müssen sich Schlachtbetriebe in Österreich strikt an das Tierschutzgesetz halten. Dabei werden die Tiere z.B. mit Stromschlägen betäubt. In vielen Drittländern erfolgt die Schlachtung ohne Betäubung – etwa durch das Ausbluten des Tieres nach einem Kehlschnitt. Immer wieder gibt es Berichte von Schlachtbetrieben, in denen man Rindern die Beinsehnen durchtrennt oder die Augen aussticht, um sie am Weglaufen zu hindern oder ruhigzustellen.

Männliche Kälber besonders stark betroffen

Männliche Kälber sind von leidvollen Tiertransporten besonders stark betroffen. Ähnlich wie männliche Küken, die nach der Geburt geschreddert werden, ist die Aufzucht junger Stiere in Österreich nicht rentabel. Der Grund: niedrige Fleischpreise bei hohen Tierschutzstandards. In Folge landen die Jungtiere dort, wo die Aufzucht am günstigsten ist.

Tierschutzkontrollen enden an der EU-Außengrenze

Laut EU-Verordnung dürfen Tiertransporte für Rinder höchstens 29 Stunden andauern. Laut Google Maps beträgt die kürzeste PKW-Route von Wien nach Aserbaidschan 42 Stunden, von Salzburg in den Iran mindestens 50 Stunden. Das heißt: Tiertransporte über derart lange Strecken sind ganz und gar gesetzeswidrig.

Das Problem: Die Kontrollen enden an den EU-Außengrenzen. Danach ist nicht mehr nachvollziehbar, was mit den Tieren geschieht, wie lange und wohin sie transportiert werden.

Auch an der Einfuhr von Nutztieren ist Österreich beteiligt: Im Jahr 2015 hat Österreich 18 Mio. Tiere importiert.

Tiertransporte
Jeder von uns kann einen Beitrag zu mehr Tierwohl leisten.

Tiertransporte: Das können Sie als Konsument tun

Als Endverbraucher bestimmt jeder von uns mit, wie die Welt für Tiere in Zukunft aussieht. Bitte verzichten Sie auf Fleisch, das unter solch qualvollen Bedingungen produziert wird. Essen Sie weniger tierische Nahrungsmittel (Fleisch, Eier & Milchprodukte), dafür jedoch bewusst. Kaufen Sie regional und in Bio-Qualität – damit investieren Sie nicht nur in das Wohl der Tiere, sondern auch in Ihre eigene Gesundheit. Köstliche und gesunde fleischlose Rezepte finden Sie auch im Kochbuch „Genuss für Tierfreunde“ des Österreichischen Tierschutzvereins.

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