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Retter trauern um verstorbene Tigerbabys

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Verstorbene Tigerbabys

Österreichischer Tierschutzverein fordert strengere Regelungen auf EU-Ebene

Der Österreichische Tierschutzverein trauert um die verstorbenen Tigerbabys, die seine Tierretter am 8. August aus einer Privatwohnung in Hainburg (NÖ) befreit und medizinisch notversorgt haben. „Sangha“ und „Kumal“ waren von einer slowakischen Tigerfarm über die Grenze nach Österreich gebracht und illegal in einer Badewanne gehalten worden. Anfang der Woche haben die Jungtiere ihren Überlebenskampf verloren und starben. Der Österreichische Tierschutzverein hat das Tigergefängnis in der Slowakei kontrolliert, wo die Jungtiere gezüchtet und gehalten wurden – und traf auf erschütternde Zustände.

Tigergefängnis auf engstem Raum

Gitterstäbe, triste Gehege ohne Auslauf-, Kletter- und Rückzugsmöglichkeiten und unzählige Selfies mit Touristen. Das ist der traurige Alltag für die Tiger der slowakischen Tigerfarm „Oáza sibírskeho tigra – Oasis of the Siberian Tiger“. In diesem Tigergefängnis müssen die Großkatzen ihr gesamtes Leben hinter Gittern verbringen – unter dem Deckmantel der Arterhaltung gezüchtet, um die zahlreichen Besucher zu unterhalten. Hinzu kommt, dass die Einzelgänger auf engstem Raum mit ihren Artgenossen leben.

„Die Zustände vor Ort waren noch schlimmer, als wir angenommen hatten“, berichtet der Österreichische Tierschutzverein. „Wie in einem Streichelzoo werden die Tiger den Besuchern vorgeführt. Sie müssen stundenlang stillhalten und mit wildfremden Menschen, die sie mit Schlagsahne füttern, vor der Kamera posieren.“

Verstorbene Tigerbabys waren ebenfalls als Publikumsmagneten vorgesehen
In Tigergefängnissen wie diesen müssen Großkatzen ihr gesamtes Leben hinter Gittern verbringen.

Selfies mit Besuchern – Tiger leiden Höllenqualen

Dutzende Selfies und Fotos mit Tigern – teilweise sogar mit kleinen Kindern – sind auf der Homepage und der Facebook-Seite des Tigergefängnisses „Oáza sibírskeho tigra“ zu finden. Wie dort ersichtlich wird, müssen sich die Tiger schon als Babys von unzähligen Besuchern streicheln lassen. Gemeinsame Fotos von Tigermüttern und ihrem Nachwuchs sucht man vergeblich.

„Auf solchen Tigerfarmen werden die Jungen meist viel zu früh von ihren Müttern getrennt und von Mitarbeitern mit der Flasche aufgezogen. So werden die Jungtiere zahm und außerdem können die Weibchen schneller neuen Nachwuchs gebären“, klärt der Österreichischen Tierschutzverein auf. „Außerdem sind Tigerbabys starke Publikumsmagneten. Sie müssen sich stundenlang streicheln und von Schoß zu Schoß reichen lassen. Viele dieser Tiere entwickeln später Verhaltensstörungen.“
Ehemalige Besucher der Einrichtung sehen das ähnlich: „Wie kann ein Kind neben einen Tiger gesetzt werden, um ein Foto zu machen? Der Tiger sieht sediert aus. Es ist falsch, so etwas mit einem Tier zu machen. Was für ein Ort.“, schreibt eine Frau auf Facebook.

Eine andere Dame schreibt: „Wenn Sie den Drang haben, einen riesigen Tiger zu streicheln, können Sie in einen Spielzeugladen gehen und ein Selfie machen. Es ist peinlich, ein Selfie mit einem unter Drogen gesetzten Tier zu machen (…)“.

Verstorbene Tigerbabys
Unter dem Deckmantel der Arterhaltung züchtet die „Oáza sibírskeho tigra“ Tiger als Publikumsmagneten.

Tigergefängnisse verkaufen sich als Arterhaltungszentren

Jedes Jahr posieren unzählige Reisende weltweit mit Tigern vor der Kamera. In Ländern wie China oder Thailand werden die Tiere mit Drogen und Medikamenten gefügig gemacht und an kurze Eisenketten gehängt, um sie zu unterwerfen. Tritte und Stockschläge – vor allem ins Gesicht – sind für die Tiere an der Tagesordnung. Besonders gemein: Viele dieser Tigerfarmen verkaufen sich als Arterhaltungszentren. Oft glauben Urlauber deshalb, mit ihrem Besuch zum Schutz der Tiere beizutragen.
Entgegen der eigenen Darstellung in den Medien werden auch in der „Oáza sibírskeho tigra“ Tiger gezüchtet. „(..) werden in dieser Anlage wunderschöne gesunde Tiger (…) gezüchtet.“ – wie auf einem Schild vor Ort und auf der eigenen Webseite nachzulesen ist.

„Ausgediente“ Tiger landen auf dem Schwarzmarkt

Auch „Sangha“ und „Kumal“ hatte man viel zu früh von ihrer Mutter getrennt. Als der Österreichische Tierschutzverein sie befreite, waren sie erst wenige Tage alt und hatten ihre Augen noch geschlossen. Ihr Schicksal steht stellvertretend für viele Tiger, die unter schrecklichen Bedingungen in Privathaltung zur Welt kommen. Der traurige Tod der beiden Tigerbabys wirft nun in erster Linie die Frage auf, was mit all den Jungtieren geschieht, die in Tigergefängnissen wie „Oáza sibírskeho tigra“ gezüchtet werden.

„Die traurige Wahrheit ist, dass viele Tiger aus Privathaltung auf den Schwarzmarkt geschmuggelt werden. Das gilt vor allem für ältere Tiere, die als Touristenattraktion ausgedient haben“, berichtet der Österreichische Tierschutzverein. Ihre Körperteile sind begehrte Bestandteile Traditioneller Chinesischer Medizin, weshalb sie dort für mehrere tausend Euro gehandelt werden.

Tigerfarmen wie das slowakische Tigergefängnis werden viel zu wenig kontrolliert.

Tigerzucht braucht stärkere Kontrollen

Wie viele Tiger in der EU von Privatpersonen gezüchtet, gehalten und verkauft werden, ist offiziell nicht bekannt. Laut Schätzungen leben jedoch allein in Tschechien etwa 250 Tiger in Privatbesitz. Erst 2018 stürmten die tschechischen Behörden ein Tiger-Schlachthaus in der Nähe von Prag, wo sie einen kürzlich erschossenen Tiger und Leichenteile mehrerer Tiere vorfanden. Auch in diesem Fall waren die Körperteile der Großkatzen für die Herstellung traditioneller asiatischer Medizin vorgesehen.

„Trotz all dieser Missstände wird die private Tigerzucht noch immer nicht ausreichend kontrolliert“, berichtet der Österreichische Tierschutzverein. „Dabei sind strenge und konsequente Kontrollen derartiger Zoos und Zuchtstätten die einzige Möglichkeit, um dem Leid der Tiere endlich ein Ende zu setzen.“

Der Österreichische Tierschutzverein kämpft jeden Tag für die Rechte und Belange unterdrückter Tiere. So auch für die der Tiere im Tiger-Gefängnis „Oáza sibírskeho tigra“ in der Slowakei. Der Verein fordert strengere Gesetze auf EU-Ebene sowie stärkere Kontrollen, um dem Tigerleid in Europa ein Ende zu setzen.

 

Grab für „Shanga“ und „Kumal“ am Tierfriedhof des Österreichischen Tierschutzvereins

Der Österreichische Tierschutzverein stellt auf seinem Tierfriedhof „Waldesruh“ in Sierndorf bei Wien zwei Gräber für „Shanga“ und „Kumal“ bereit und hofft auf die Zustimmung der Behörden, dass die Tigerbabys nach ihrem viel zu kurzen, leidvollen Leben dort ihren Frieden finden dürfen.

Als gemeinnütziger Verein ist der Österreichische Tierschutzverein dabei weiterhin auf die Spenden und Zuwendungen von Tierfreunden angewiesen.

Spendenkonto:
Österreichischer Tierschutzverein – Tiger
IBAN: AT386000000093215400
BIC: BAWAATWW