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Wie uns Echtpelz als Kunstfell verkauft wird

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Pelz
Symbolbild © Pixabay

Die Gewinnung von Pelz ist grausam. Die Tiere werden vergast, zu Tode getreten, durch Elektroschocks getötet oder lebendig gehäutet. Immer mehr Konsumenten legen deshalb Wert darauf, ausschließlich Kunstpelz zu kaufen. Studien zeigen jedoch: Viel zu oft werden Kunden dabei massiv getäuscht – denn hinter dem angeblichen Kunstpelz verbirgt sich nicht selten echte Tierhaut! Der Österreichische Tierschutzverein klärt auf und zeigt, wie Sie beim Kleiderkauf künstlichen von echtem Pelz unterscheiden können.

Hinter Kunstpelz steckt oft echte Tierhaut

Am Mantelsaum, am Kapuzenkragen oder als Bommel an der Lieblingsmütze – Kunstpelz ist seit Jahren in Mode und erfreut sich großer Nachfrage. Nicht selten kaufen Konsumenten jedoch echten Pelz, ohne davon zu wissen. Denn viele Anbieter versäumen es, die Tierhaut ordnungsgemäß zu deklarieren. Das zeigen verschiedene Marktanalysen von Tierschützern und Konsumentenschutzverbänden. Dabei müssen Pelz- und Lederprodukte in der EU grundsätzlich mit dem Hinweis „Enthält nichttextile Teile tierischen Ursprungs“ gekennzeichnet werden. Das gilt auch für kleine Fell- oder Lederanteile.

Studie zeigt: Fünf von fünf Textilien falsch deklariert

Im Rahmen einer nach wie vor aktuellen Stichprobenuntersuchung der Stiftung Warentest aus dem Jahr 2016 erstanden Testkäufer verschiedene Textilien mit Pelzbesatz, der weder als Echt- noch als Kunstpelz gekennzeichnet war. Jene Teile, die verdächtig nach echter Tierhaut aussahen, schickten sie ins Labor. Das Ergebnis: Fünf der fünf Kleidungsstücke – darunter vier Mäntel und eine Mütze – waren mit nicht gekennzeichnetem Echtpelz bestückt! Von welchen Tieren der Pelz stammte, konnte aufgrund der starken chemischen Behandlung der Teile zwar nicht mehr festgestellt werden, Fakt ist jedoch: Kunden, die Kleidungsstücke mit vermeintlich tierfreundlichem „Kunstpelz“ kauften, trugen in Wirklichkeit echte Tierhaut nach Hause!

Der Preis trügt: Echtpelz oft billiger als Kunstpelz

Dass die Täuschung der Kunden beim Pelzkauf überhaupt möglich ist, liegt an mehreren Faktoren:

  • Verkäufer sind nicht hinreichend informiert: Oft sind Verkäufer nicht gut genug über ihre Waren informiert. In der Studie von Stiftung Warentest versicherten die Händler den Testkäufern ausnahmslos, dass es sich bei den betroffenen Produkten um Kunstfell handle. In Wahrheit schoben sie jedoch echten Pelz über den Ladentisch.
  • Nachlässigkeit: Manche Händler legen zu wenig Wert auf die Rückverfolgung ihrer Waren. Kaufen sie dann Stücke mit angeblichem Kunstpelzbesatz, werden sie womöglich selbst hinters Licht geführt – so wie schließlich die Endkunden.
  • Der Preis trügt: Die in der Studie getesteten Waren kosteten zwischen sechs und 90 Euro. Auf Nachfrage der Testkäufer argumentierten die Händler, dass echter Pelz für so wenig Geld auf keinen Fall zu haben sei. Allerdings sind gerade Billigpelze aus China (dem größten Pelzproduzenten weltweit) in der Produktion oft günstiger als Kunstpelz. Dort werden Marderhunde zu Tausenden in winzigen Käfigen gehalten, bevor sie erschlagen oder vergast werden – grausam, aber lukrativ für die Hersteller.
  • Mangelnde Strafen bei Verstößen: Zwar ist die Deklaration von „nichttextilen Anteilen tierischen Ursprungs“ für Hersteller und Händler verpflichtend und darf nicht irreführend sein, jedoch werden Missstände kaum geahndet.

Große Modehäuser haben bereits reagiert

Viele große Modehäuser haben bereits reagiert und sich der Initiative Fur Free Retailer angeschlossen – darunter z.B. H&M, C&A, Mango, ASOS, REWE und Zalando (die vollständige Liste finden Sie HIER). Damit verpflichten sich die Händler, keine Echtpelz-Produkte herzustellen oder zu verkaufen.

Marder statt Waschbär: Täuschung auch bei der Tierart

In den letzten Jahren haben Tierschützer auch eine weitere Form der Kundentäuschung aufgedeckt. So geben Hersteller Pelz vom Marderhund gerne als den einer anderen Tierart aus – z.B. als Waschbär. Das Fell der beiden Tiere sieht sich – obwohl sie nicht artverwandt sind – zum Verwechseln ähnlich. Waschbärenfell findet man jedoch selten auf dem Markt. Denn, anders als Marderhunde, die massenhaft in winzigen Käfigen gehalten werden, müssen Waschbären in freier Natur gejagt werden. Auch klingt Waschbärenfell in den Ohren vieler Kunden hochwertiger, als Marderhund-Pelz.

Pelze sind gesundheitsschädlich

Auch die enorme Schadstoffbelastung der Pelze konnten Studien bereits aufzeigen. Oft werden die Pelze mit giftigen Chemikalien wie z.B. Formaldehyd behandelt – so auch die Testwaren in der Studievon Stiftung Warentest. Der Stoff gilt als allergieauslösend bei längerem Hautkontakt und als krebserregend, wenn er in hoher Konzentration eingeatmet wird. Ein Grund mehr, beim Shoppen ganz genau hinzuschauen!

Echt- vs. Kunstpelz: So erkennen Sie den Unterschied

Für Laien ist es nicht einfach, Kunstfell von echtem Pelz zu unterscheiden. Es gibt jedoch einige Ansatzpunkte, die die Beurteilung erleichtern:

  • Darüberstreichen: Einzelne Kunstpelzfasern lassen sich beliebig in eine bestimmte Richtung streichen – und bleiben liegen. Echtes Tierhaar richtet sich unterdessen immer wieder auf.
  • Pusten: Pusten Sie vorsichtig in das Fell – bewegen sich die Haare schon bei der leichtesten Brise, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es sich um echten Pelz handelt. Kunstpelz gilt generell als steifer.
  • Scheiteln: Ziehen Sie das Fell leicht auseinander. Kommt eine gewebte Stoffschicht zum Vorschein, handelt es sich um Kunstpelz. Stoßen Sie auf Leder, handelt es sich um echten Pelz.
  • Anzünden: Auch der Feuertest zeigt den Unterschied. Zünden Sie ein paar Haare an – zerfallen sie und riechen nach versengten Haaren, handelt es sich um echtes Tierhaar. Kunstpelz hingegen schmilzt zu kleinen Kügelchen und riecht stark nach Kunststoff.  Achtung: Dieser Tipp ist mit besonderer Vorsicht zu genießen und sicher auch nicht in jeder Lage umsetzbar (z.B. beim Einkaufen). Der Vollständigkeit halber möchten wir Ihnen diese Möglichkeit jedoch nicht vorenthalten.