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„Catch and Release“-Angeln: Hobby oder Tierquälerei?

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Catch and Release
Beim "Catch and Release" handelt es sich um reines Spaßangeln. | Quelle: pixabay/daffiprogs

Die Angelpraxis „Catch and Release“ erfreut sich in Österreich immer größerer Beliebtheit. Dabei werden erbeutete Fische nicht getötet, sondern vermessen, gewogen, fotografiert – und wieder ins Wasser zurückgesetzt. Es handelt sich um reines Spaßangeln, bei dem Tiere sinnlos gefangen, verletzt und als Fotorequisiten für Instagram-Selfies benutzt werden. Zum Tag der Fische am 22. August macht der Österreichische Tierschutzverein auf diese tierquälerische Angelpraxis aufmerksam.

Angeln als Freizeitvergnügen ist in Österreich weitverbreitet. Vor allem die Variante „Catch and Release“ liegt stark im Trend. Dabei werden erbeutete Fische nicht getötet, sondern gewogen, vermessen, fotografiert und anschließend ins Wasser zurückgesetzt.

Ziel der Angler ist es, besonders viele Fische zu fangen und zu fotografieren. Je größer, schwerer und prächtiger das Tier, desto mehr Anerkennung bringen Fotos und Selfies in Fischerkreisen und in den sozialen Medien. Allein unter dem Hashtag #sportfishing finden sich auf Instagram mehr als 930.000 Postings von Freizeitanglern, die mit erbeuteten Fischen vor der Kamera posieren.

„Catch and Release“: Fische sterben langsamen Tod

Viele Angler sind der Meinung, den Tieren etwas Gutes zu tun, indem sie sie nicht töten, sondern ins Wasser zurücksetzen. Ein fataler Trugschluss: Wie bei vielen Angelarten wird der Fisch auch beim „Catch and Release“ mit einem Köder angelockt. Sobald er zubeißt, durchstößt der Angelhaken das empfindliche Maul und/oder den Kiemenbereich.

Beim darauffolgenden „Drill“ ringt der Fisch bis zur Ermüdung mit der Angelschnur. Dieser Kampf, den viele Angler als den eigentlichen „Kick“ ihrer Unternehmung betrachten, kostet das Tier unglaublich viel Kraft und Energie. Dasselbe gilt für die Zeit des Wiegens, Vermessens, Posierens und Fotografierens: Puls, Blutdruck, Stresshormone und Atemfrequenz steigen an, der Stoffwechsel verändert sich.

Zurück im Wasser sind die Tiere am Ende ihrer Kräfte. Schlund und Darm sind oft schwer geschädigt, die Kiemen verkleben oder kollabieren. Nach der Tortur sterben viele Fische (laut einer nordamerikanischen Studie bis zu 40 Prozent!) sofort oder schleichend an den Folgen ihrer Verletzungen. Zuvor werden sie jedoch oft noch ein zweites Mal gefangen und zurückgesetzt.

Catch and Release
Viele Fische sterben, nachdem sie ins Wasser zurückgesetzt wurden. | Quelle: pixabay/VIVIVANE6276

Fische fühlen Angst und Schmerz

Lange Zeit wurde Fischen die Fähigkeit, Schmerz, Angst und Stress zu empfinden, abgesprochen. Studien konnten mittlerweile jedoch belegen: Fische verfügen nachweislich über Schmerzrezeptoren und ein Zentralnervensystem, mit dem sie Schmerzsignale verarbeiten. Auch gibt es Hinweise dafür, dass Fische nicht nur aus Reflex auf Schmerzen reagieren, sondern diese bewusst wahrnehmen und in der Lage sind, Gefühle wie Angst und Stress zu empfinden.

Schwäne und Adler sterben an verschluckten Angelhaken

Fische sind nicht die einzigen Opfer der „Catch and Release“-Praxis. Viele Angler entsorgen Angelschnüre und -haken unsachgemäß in Seen, Teichen und Flüssen. Dort werden sie auch anderen Wildtieren zum Verhängnis: Wasservögel wie Fischadler nutzen Angelschnüre u.a. zum Nestbau. So kommt es, dass sich Eltern und Jungvögel in den Schnüren verheddern oder an Angelhaken aufspießen.

Auch Schwäne gründeln regelmäßig weggeworfene Angelhaken, die sich in die Zunge bohren oder in der Speiseröhre festsetzen und teils schwere Verletzungen verursachen. Allein im vergangenen Juli eilte die Tierrettung des Österreichischen Tierschutzvereins drei Schwänen im Salzkammergut zu Hilfe, denen die Tierärzte Angelhaken aus Zunge und Speiseröhre entfernen mussten.

Angeln als Hobby: schärfere Gesetze erforderlich

In Deutschland ist das Angeln mit der Absicht, jeden gefangenen Fisch wieder zurückzusetzen, nicht mit der geltenden Rechtslage vereinbar. Denn: Dadurch werden dem Tier sinnlos Schmerzen bzw. Leiden zugefügt. Nach deutschem Tierschutzgesetz (§ 17) gilt das als Tierquälerei. Da Kontrollen schwierig sind, wird „Catch and Release“ in der Praxis dennoch von vielen Freizeitfischern praktiziert.

Für „Catch and Release“ gibt es in Österreich aktuell keine einheitliche Regelung. Zwar ist Tierschutz in Österreich grundsätzlich Sache des Bundes, die Ausübung der Jagd und Fischerei wird jedoch durch die Verordnung des jeweiligen Bundeslandes geregelt. Daher sind die Bundesländer gefragt, endlich strenger gegen tierquälerische Angelpraktiken wie „Catch and Release“ vorzugehen und die entsprechenden Gesetze zu verschärfen.

Qualvolle Angelpraxis: Was Sie tun dagegen können

  • Bitte verzichten Sie darauf, Angeln als Sport bzw. Hobby auszuüben. Es gibt jede Menge tierfreundlichere Möglichkeiten, seine Freizeit in der Natur zu verbringen!
  • Besuchen Sie keine kommerziellen Angelteiche und meiden Sie Veranstaltungen, bei denen gefischt wird. Jede Unterstützung trägt zum Fortbestand ebendieser bei.
  • Klären Sie Ihren Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis über das Tierleid auf, das durch Angelpraktiken wie „Catch and Release“ verursacht wird.