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Daunen: Lebendrupf und Zwangsmästung

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Die Daunengewinnung ist oft mit großem Tierleid verbunden. | pixabay/Hans

Daunen sind ein besonders hochwertiges, wärmendes Naturmaterial, das als Füllung von Outdoor- und Winterjacken, Schlafsäcken, Kopfpolstern und Decken genutzt wird. Leider ist die Daunengewinnung oft mit großen Qualen für Enten und Gänse verbunden. Der Österreichische Tierschutzverein klärt auf. 

Als Daunen bezeichnet man die Unterfedern diverser Vogelarten.  Es handelt sich um eine feine Federschicht, die sich wie ein Unterkleid an den Vogelkörper schmiegt. Sie halten die Tiere warm und verleihen ihnen Auftrieb im Wasser.

Bei Konsumenten sind vor allem Enten- und Gänsedaunen beliebt. Weil sie zwischen ihren Ästen und untereinander viel Luft speichern (Luft ist ein schlechter Wärmeleiter), gelten sie als besonders wärmend.

NGOs zufolge mästet und schlachtet die internationale Industrie jedes Jahr mehr als 600 Millionen Gänse und drei Milliarden Enten.

Daunen: tierschutzrelevante Probleme

Um die tierschutzrelevanten Probleme der Daunengewinnung zu begreifen, ist es wichtig, die unterschiedlichen Arten des Rupfens zu verstehen:

  • Totrupf: Das Rupfen geschlachteter Tiere bezeichnet man als Totrupf. Dies ist z.B. bei der Gewinnung von Entendaunen gang und gäbe: Der Konsum von Entenfleisch ist so hoch, dass Entendaunen von geschlachteten Tieren gewonnen werden können. Die Federn sind sozusagen ein „Nebenprodukt“ der Entenfleischindustrie.
  • Lebendrupf: Gänse werden allgemein seltener verspeist als Enten. Der Markt benötigt also mehr Gänsefedern als Gänsefleisch. Für die Industrie ist es somit preiswerter, Gänse lebendig zu rupfen, ihre Daunen nachwachsen zu lassen und die Federn anschließend erneut herauszureißen. Ein weiterer Vorteil für die Hersteller: Je öfter ein Tier gerupft wird, desto besser ist die Qualität der Daunen.
  • Spezialfall Eiderenten: Eiderenten leben am Meer und legen ihre Daunen als Kissen für ihre Jungen ab. Ihre Daunen werden direkt aus den Nestern gesammelt.
Lebendrupf ist in der EU verboten.| pixabay/MabelAmber

Schlupfloch beim Lebendrupf-Verbot

Der qualvolle Lebendrupf ist mittlerweile EU-weit verboten. Jedoch gibt es eine Sonderregelung, die den Herstellern als Schlupfloch dient: Während der sogenannten Mauser (das regelmäßige Abwerfen und Neuwachstum der Vogelfedern) lösen sich die Daunen der Tiere von selbst ab. Dann dürfen die Hersteller die Federn ihrer Gänse abbürsten. Theoretisch ist diese Methode für die Gänse weitgehend schmerzfrei, tatsächlich aber löst sie enormen Stress aus. Vor allem in großen Betrieben, die tausende von Tieren halten, befinden sich außerdem nie alle zur selben Zeit in der Mauser. Die Gänse zu sortieren, wäre sehr zeitaufwendig. Aus diesem Grund werden sie illegal gerupft – bei lebendigem Leib. Für die Tiere ist das mit schrecklichen Schmerzen verbunden. Sie erleiden:

  • Tiefe und großflächige Wunden, die oft betäubungslos genäht werden
  • Knochenbrüche
  • Angst, Panik und Traumata

Leider gibt es diesbezüglich kaum Kontrollen. Auch offizielle Zahlen, wie häufig Tiere lebend gerupft werden, liegen nicht vor. Jedoch berichten Journalisten und Tierschützer immer wieder vor allem aus osteuropäischen Betrieben in Polen oder Ungarn,  in denen diesbezüglich schlimme Missstände herrschen.

Zwangsfütterung von Gänsen

Selbst wenn Enten und Gänse erst nach der Schlachtung gerupft werden, verbringen sie ihr Leben bis dahin oft unter furchtbaren Bedingungen: z.B. werden sie für die Produktion von Stopfleber „Foie gras“ zwangsgemästet. Durch einen Schlauch bekommen sie mehrmals täglich einen hochkalorischen Brei in den Magen gepumpt. In den meisten Ländern Europas ist auch das inzwischen untersagt, in Drittländern allerdings nicht. Selbst wenn Daunen aus Betrieben stammen, die den Verzicht auf Lebendrupf garantieren, ist dies somit noch lange kein Garant dafür, dass die Tiere vor der Schlachtung ein schönes Leben hatten.

Was Sie als Konsument tun können

  • Kaufen Sie keine Kleidung oder Bettwäsche aus Daunen. Es gibt viele Alternativen mit zeitgemäßen, synthetischen Füllstoffen!
  • Wenn Sie doch ein Kleidungsstück oder Bettwäsche mit Daunen kaufen, beziehen Sie ausschließlich Produkte, die mit Gütesiegeln wie z.B. Responsible Down Standard (RDS), Global Traceable Down Standard (TDS) oder Downpass (für Bettwäsche) zertifiziert sind. Diese Kennzeichnungen verbieten sowohl das Rupfen lebender Tiere als auch die Zwangsfütterung.
  • Fragen Sie vor dem Kauf nach, woher die verwendeten Daunen stammen. Leider gibt es diesbezüglich noch keine Kennzeichnungspflicht für Daunenbettwäsche & Co.
  • Wenn Sie nicht wissen, wo Sie Bettwäsche erhalten, die zu 100 Prozent mit Daunen geschlachteter Enten bzw. Gänse befüllt wurde, können Sie z.B. bei der Europäischen Bettfedern- und Bettwarenindustrie nachfragen.