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Es klingt wie das Drehbuch für einen Horrorfilm. Trächtige Stuten werden gequält und massiv misshandelt, um ihnen Blut abzunehmen. Diesem Blut wird ein Wirkstoff entnommen, welcher – übrigens auch in Österreich – in der Schweinezucht zum Einsatz kommt. Leider ist dies die traurige Realität für zigtausende Stuten, speziell in Argentinien und Uruguay – aber auch in Europa.

2015 haben die beiden Tierschutzorganisationen „Animal Welfare Foundation“ und der „Tierschutzbund Zürich“ sich dem Thema Blutfarmen angenommen und erschreckende Zustände in selbigen der Öffentlichkeit zugängig gemacht. In Südamerika werden Wildpferde brutal eingefangen und geschlagen, um an ihr wertvolles Blut zu kommen. Hinter dieser schlimmen Prozedur steckt ein Millionengeschäft. Aus dem Blut der trächtigen Stuten wird das Hormon PMSG (Pregnant Mare’s Serum Gonadotropin) gewonnen. Dieses Hormon kommt in Europa in der Schweinezucht zum Einsatz. Es wird zur Arbeitserleichterung eingesetzt, damit Sauen zur gleichen Zeit ihre Ferkel bekommen. Auch die Ferkelzahl pro Wurf kann durch den Einsatz von PMSG massiv gesteigert werden, was zu überzähligen Ferkeln führt, die verenden oder getötet werden.

Barbarische Zustände zur Blutgewinnung

Mit Schlägen und Tritten werden Wildpferde zur Blutabnahme in enge Boxen geprügelt. Bis zu zehn Liter Blut, das entspricht etwa einem Viertel des Blutes eines Pferdes, entnehmen die Farmer den trächtigen Stuten. Dies passiert ein- bis zweimal in der Woche – grausame elf Wochen lang. Viele der Pferde sind abgemagert und vegetieren durch den Blutmangel erbärmlich vor sich hin. Etwa 30 Prozent sterben jedes Jahr – entweder völlig sich selbst überlassen oder aber sie werden geschlachtet, weil sie nicht mehr trächtig werden. Blutfarmen gehören zu den Hauptlieferanten der Pferdeschlachthöfe.
Die Fohlen werden, wenn sie nicht schon im Mutterleib versterben, als unerwünschtes Nebenprodukt abgetrieben. Hierfür ritzen die Farmer die Fruchtblase der Stute mit der Hand an, was dem Tier unglaubliche Schmerzen verursacht. Im Anschluss sollen die Tiere schnellstmöglich wieder trächtig werden, da nur in den ersten Monaten der Trächtigkeit der PMSG-Spiegel im Blut besonders hoch ist.

Island ersetzt Argentinien und Uruguay

Durch den Aufdeckungsskandal 2015 wurde es ruhiger um die Blutfarmen in Südamerika, auch weil sich einige Pharmafirmen andere „Zulieferer“ aus Europa suchten. In einem Land, das als Pferdetraum gilt, boomt nun das Geschäft mit dem Pferdeblut. Die Rede ist von Island. Während die Blutabnahme in Südamerika auf den sogenannten Blutfarmen stattfindet, verteilt sich das Gräuel in Island auf zahlreiche kleinere Höfe. Pharmaunternehmen halten in Island sogar eigene Herden. Die meist halbwilden Isländer-Stuten werden allerdings auch hier um nichts besser behandelt als in Südamerika. Die Isländische Bevölkerung lehnt das Geschehen mehrheitlich ab. Bei einer Umfrage haben sich etwa sechzig Prozent der Einwohner Islands gegen Blutfarmen ausgesprochen. Als Resultat wurde dem Parlament ein Gesetzentwurf vorgelegt, der ein Verbot der Blutentnahmen von trächtigen Stuten fordert. Der Gesetzentwurf wird derzeit von einem parlamentarischen Ausschuss geprüft. Gleichzeitig hat die Landwirtschaftsministerin eine Arbeitsgruppe beauftragt, die Rechtsgrundlagen und die wirtschaftliche Bedeutung der PMSG-Gewinnung zu untersuchen und bis im Juni 2022 Ergebnisse und Empfehlungen zu präsentieren.

Wird PMSG in Österreich verwendet?

In einer parlamentarischen Anfragebeantwortung durch das Gesundheitsministerium 2018 wird darauf hingewiesen, dass eine österreichische Regelung zur Vermeidung von PMSG nicht möglich ist, weil der Import von tierischen Erzeugnissen innerhalb der EU geregelt ist.

PMSG ist in Österreich zugelassen und damit auch im Einsatz. Wer österreichisches Schweinefleisch kauft, kann also nicht ausschließen, dass bei der Erzeugung PMSG zum Einsatz kam. Eine Alternative bietet Bio-Fleisch, denn hier darf kein PMSG eingesetzt werden.

Ein Blick in die Zukunft

Doch was muss passieren um dieses Leiden unter Pferden zu beenden? Einen möglichen Ausweg hat die Schweiz vorgezeigt. Das natürliche Hormon PMSG soll in der Schweiz nicht mehr zum Einsatz kommen. In einem Interview sagt Zentralpräsident der Schweizer Schweinezüchter Suisseporcs Meinrad Pfister: «Wir werden am 16. Februar dem Zentralvorstand vorschlagen, zuhanden von Suisse Garantie einen Antrag zu stellen. Nämlich, dass das unter diesen Umständen gewonnen Hormon nicht mehr eingesetzt wird.»

Doch auch auf EU-Ebene ist das Thema „PSMG aus Pferdeblut“ mittlerweile Thema. Das europäische Parlament hat die EU- Kommission aufgefordert, den Import und die europaweite Gewinnung von PMSG zu verbieten.  Die zuständige EU-Kommissarin Ursula van der Leyen, übrigens selbst Reiterin, hat das Verbot bislang allerdings nicht in Kraft gesetzt. Wir als Österreichischer Tierschutzverein können nur hoffen, dass dies bald passiert. Lieber gestern als morgen – aus Liebe zu Pferden.

Wir haben bei der Österreichischen Bundesregierung nachgefragt

Am 03. März 2022 haben wir zu folgenden Fragen beim Ministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus um Antwort gebeten:

  • Was wird seitens der Republik unternommen um von der EU-Kommission eine Umsetzung in Richtung PMSG-Importverbot zu fordern?
  • Liegt es im Interesse der Republik Österreich seine Bürger über die Verwendung von PMSG in der Schweinezucht zu informieren? Etwa mit einer Kennzeichnungspflicht für Fleisch welches PMSG enthält?
  • Erwägt die Republik Österreich ein Verbot von der Verwendung von PMSG oder eine Kennzeichnungspflicht für Fleisch welches PMSG enthält?
  • Wie kann garantiert werden, dass – wenn schon PMSG zum Einsatz kommt – dieses nicht tierschutzwidrig gewonnen wird?

Wir erhielten folgende Antwort: „Da Tierschutz eine Materie des Gesundheitsministeriums ist, ersuchen wir diese Frage an den zuständigen Bundesminister zu richten.“
Also haben wir dieselben Fragen an das Ministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz gerichtet. Am 30. März. 2022 erhielten wir die Antwort, dass „Die Anfrage an die zuständige Fachabteilung weitergeleitet wurde.“

Bis zum heutigen Tag haben wir Seitens des Ministeriums keine weitere Antwort erhalten. Wir bleiben dran.